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Volltext : Neu-Berlin / Szczepanski, Paul von (Public Domain)

16  Das  Berliner  Geschästslraus  cke
Nichts  charakterissrt  die  hohe  Stellung,  welche  Nürnberg  in  seiner  Llüthezeit
  unter  den  deutschen  Städten  einnahm,  besser  ais  das  venetianilche  Sprichwort: ­
  „Ganz  Deutschland  iss  blind,  nur  Nürnberg  hat  ein  Äuge."  Dieses  Nürnberg
iss  hier  an  der  Wand  dargestellt.  Umgeben  von  breiten  Gräben,  festen  Mauern
und  Thürmen,  auf  weichen  nicht  zu  geringem  Theile  die  Macht  Nürnbergs  beruhte, ­
  liegt  die  Stadt  vor  uns,  von  der  Hans  Rosenplüt  der  Schnepperer
1447  begeistert  sang:
„O  Nürnberg,  du  viel  edier  Fleck!
Deines  Gleichen  wird  nicht  gefunden,  nein!"
Professor  C.  Hammer,  Direktor  der  k.  Kunstgewerbeschule  zu  Nürnberg,
dem  der  Schmuck  dieses  Raumes  zu  verdanken  iss.  hat  in  anmuthiger  Weise
dargestellt,  welch  fruchtbaren  Loden  Kunst  und  Wissenschaft  in  Nürnberg  fanden,
welch  starke  Triebe  der  Laum  der  Kultur  gerade  in  dieser  alten  Reichsstadt  entwickelte, ­
  und  welch  köstliche  Llüthen  gerade  hier  sich  erschlossen.  Leinahe  ein
ganzes  Dutzend  der  Männer  Nürnbergs,  deren  'Ruhm  heute  noch  die  Welt  erfüllt,
leistet  in  höchst  charakteristischer  Darstellung  den  zechenden  Gästen  Gesellschaft.
Da  ist  zunächst  der  große  Humanist  und  bedeutende  Ässronom  Johannes
Regiomontanus,  den  aber  nicht  der  für  die  humanistische  Lewegung  in  Nürnberg
wohl  vorbereitete  Loden  anzog,  sondern  die  Äussicht.  in  dieser  Stadt  die  Instrumente, ­
  die  er  zu  seinen  Studien  bedurfte,  besser  als  in  irgend  einer  andern
Stadt  zu  erhalten.  Der  Reformator  der  Sternkunde  erhob  Nürnberg  zur  hervorragendsten ­
  Stätte  des  Studiums  der  mathematischen  und  physikalischen  Wissenschaften ­
  in  Deutschland,-  die  Instrumente,  welche  den  Nürnbergern  ihre  Entstehung
verdanken,  waren  die  Leiter  und  Führer  der  kühnen  Seefahrer,  welche  auszogen,
neue  Welten  zu  entdecken.
Zu  den  hervorragendsten  Schülern  Regiomontanus  gehört  Martin  Lehaim.
der  vornehmste  unter  den  ältesten  deutschen  Entdeckungsreisenden:  mit  scharfem
Llicke  erkannte  er  die  Richtigkeit  der  Pläne  des  Columbus,  ermunterte  denselben
und  unterstützte,  wenn  auch  vergeblich,  bei  König  Johann  II.  von  Portugal  1484
die  Förderung  der  Projekte  dieses  kühnen  Seefahrers.  Än  der  Westküste  Afrika's
drang  Lehaim  weiter  vor,  als  bis  dahin  je  ein  Europäer  und  das  Urtheil  Kaiser
Maximilians,  daß  er  der  weitest  gereiste  Deutsche  sei,  war  wohl  begründet.  Er
verfertigte  den  ersten  Globus,  der  heute  noch  im  Lesstze  seiner  Familie  ist.
Ebenfalls  der  Sprosse  eines  vornehmen  Hauses  war  Willibald  Pirkheimer,
ein  begeisterter  Verehrer  der  humanistischen  Wissenschaften,  einer  der  freigebigsten
Förderer  und  Schützer  der  Künstler  und  Gelehrten.  Sein  mit  Kunstwerken  und
            
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