Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
9. Sitzung vom 22. Oktober isj
366
(A)
(B)
Sen Dr. Kewenig
meinem großen Bedauern kann ich deshalb auch Ihre Frage nicht
beantworten. Ich tue dies aber auch deshalb nicht, weil sich diese
Frage - ich wiederhole - weder 1981 noch - so hoffen wir - 1982
überhaupt stellen wird.
Präsident Rebsch: Zu einer weiteren Zusatzfrage hat der Ab
geordnete Dr. Meisner das Wort.
Dr. Meisner (SPD): Herr Senator! Sehen Sie nicht selber, daß
Sie dadurch, daß Sie einen mittleren Bereich in die Öffentlichkeit
hineinstellen, der vielleicht nicht jetzt, aber in Zukunft bei Prioritäten
setzungen Förderung verliert, eine Unruhe in die Berliner Kultur
landschaft hineintragen, die die Existenz verschiedener Kulturinsti
tutionen in Frage stellt?
Präsident Rebsch: Herr Senator Dr. Kewenig!
Dr. Kewenig, Senator für Wissenschaft und Kulturelle Angele
genheiten: Herr Präsident! Herr Kollege Meisner! Nein, ich sehe
diese Zwangsläufigkeit der Entwicklung nicht, sondern - so würde
ich sagen - bedauerlicherweise, und wir können es nicht abwen
den, gibt es eine bestimmte Unruhe bei allen Institutionen des kultu
rellen Bereiches, was Sparmaßnahmen und mögliche Prioritätsset
zungen angeht. Ich würde aber nicht akzeptieren, daß durch meine
Kategorisierung im „Zitty“-Interview, das Sie zitiert haben, diese Un
ruhe ausgelöst worden ist. Diese Katalogisierung ist nicht so origi
nell oder so neu, als daß dadurch eine zusätzliche Unruhe bei einer
bestimmten Anzahl von Institutionen hätte eintreten können. Im übri
gen muß ich sagen, daß diese zusätzliche Unruhe, sollte sie doch
eingetreten sein, wie ich finde, immer noch geringer und ertragbarer
ist, als die Unruhe, die eintreten würde, wenn ich nun sagen würde,
die Institution X oder die Institution Y ist diejenige, die zuerst zu blu
ten hat, wenn wir tatsächlich einmal im kulturellen Bereich sparen
müssen.
Präsident Rebsch; Für die nächste Zusatzfrage hat der Ab
geordnete Kollat das Wort.
Kollat (SPD): Herr Senator! Im Interesse einer weiteren Konkre
tisierung dieser Diskussion frage ich Sie: Zählen Sie zu Ihrem mitt
leren Bereich auch die bezirklichen Kunstämter?
[Zuruf: Sehr gut!]
Wenn nein: Welchen Stellenwert geben Sie diesen bezirklichen
Kunstämtern im Hinblick auf die Tatsache, daß diese schon seit Jah
ren unangemessen finanziell ausgestattet sind?
Präsident Rebsch: Zur Beantwortung hat Herr Professor Ke
wenig das Wort.
Dr. Kewenig, Senator für Wissenschaft und Kulturelle Angele
genheiten: Herr Präsident! Herr Abgeordneter Kollat! Ich bin Ihnen
für Ihre Frage sehr dankbar, denn ich möchte hier ausdrücklich fest
stellen, daß - wie sich auch aus dem Zusammenhang dieses Inter
views ergibt - an die bezirklichen Kunstämter keineswegs gedacht
ist. Im Gegenteil - das möchte ich noch hinzufügen - ich teile Ihre
Auffassung, daß die bezirklichen Kulturämter bisher eine Art er
zwungenes Dornröschen-Dasein geführt haben, weil die finanzielle
und personelle Ausstattung der Kulturämter in den Bezirken außer
ordentlich schwach ist.
Ich verstehe die Vorstellungen meiner Fraktion in diesem Be
reich, insbesondere, was die Subsidiarität und das Bekenntnis zur
dezentralen Kulturarbeit angeht, dahin, daß wir bemüht sein werden
- und wir sind bei meiner Behörde dabei, schon konkret darüber
nachzudenken -, die Stellung und die Aktionsmöglichkeiten der be
zirklichen Kulturämter zu stärken und zu steigern und nicht umge
kehrt in irgendeiner Weise mit Kürzungen usw., soweit wir das
überhaupt in der Hand haben, zu drohen oder sie gar zu praktizie
ren.
jen
Präsident Rebsch: Zu einer weiteren Zusatzfrage hat der A @rup
geordnete Dr. Sauberzweig das Wort.
jroßi
Dr. Sauberzweig (SPD); Herr Senator! Darf ich nach Ihren he
tigen Interpretationen des genannten „Zitly“-Interviews Übereinstii
mung mit Ihnen erzielen, wenn ich formuliere, daß Ihre damalig
Formulierung, daß Sie dieser Zwischenbereich nicht so sehr inte
essiert, mindestens, subjektiv ausgedrückt, überzogen war?
Zweitens: Sehen Sie nicht einen Widerspruch darin, daß Siea
der einen Seite dieses feststellen und diesen mittleren Bereicht
Frankfurt, Wanne-Eickel vergleichen, und andererseits in einema
deren Interview behaupten, alle meine Bemühungen werden dah
gehen, daß sich diejenigen, die Kultur veranstalten, und diejenige
die das bezahlen, wieder stärker aufeinander zubewegen? Also gl
es im mittleren Bereich nichts, was sich aufeinander zubeweg:
sollte?
Pr
Präsident
Kewenig!
Rebsch: Zur Beantwortung Herr Senator
Dr. Kewenig, Senator für Wissenschaft und Kulturelle Ange
genheiten; Herr Präsident! Herr Kollege Sauberzweig! Ich fine
das, was ich da gesagt habe, war nicht so übertrieben; denn ii
habe ja, wie Sie selber zitiert haben, von meinem Interesse gespi
chen. Und ich meine, als Kultursenator darf ich gewisse Präfere
zen und Nichtpräferenzen haben. Und ich habe gesagt, mei:
persönliche Präferenz liegt einmal da oben und zum anderen dat
ten, nicht aber im mittleren Bereich. Da ich in vielen ander:
Städten der Bundesrepublik bisher schon tätig war und den mit:
ren Bereich gut kenne, liegt er mir weniger am Herzen. Ich wün
aber hier ausdrücklich feststellen, daß meine Vorlieben und mei
Interessen natürlich weder mit der Finanzierungspolitik des Sen-
noch mit den Interessen anderer identisch sind. Und ich sehet
nau wie Sie gerade in dem mittleren Bereich ein starkes und wief
ges Interesse vieler unserer Mitbürger. Ich käme deshalb nie auf t
Idee zu sagen, aus meinen persönlichen Präferenzen und Vorsl
lungen entwickle ich ein Finanzierungskonzept, das dazu führt, d
die artikulierten Interessen anderer,
kurz kommen.
etwa im mittleren Bereich,
Präsident
Kohlhepp!
Rebsch:
Nächste Zusatzfrage die Abgeordn: |
18 ru
ii
Frau Kohlhepp (AL): Herr Senator, ich möchte Sie einr
fragen, was Sie für international wirksam halten, welche Kriteri
Sie da ansetzen, ob zum Beispiel auch freie Theatergruppen inl:
nationalen Rang haben. Oder machen Sie da einen Unterschi
zwischen dem, was nach außen wirkt, und dem, was für die eige
Bevölkerung da ist? Bedeutet das, daß Sie die Kultur für die eige
Bevölkerung geringer schätzen als die, die nach außen wirkt? ü
konkret möchte ich wissen, ob Sie die Zusage einzuhalten gedf
ken, die freien Theatergruppen zu finanzieren, Oder gehören!
zum „Humus“? Oder wie ist das zu verstehen?
Präsident Rebsch: Herr Senator!
Dr. Kewenig, Senator für Wissenschaft und Kulturelle Ange
genheiten: Frau Kollegin Kohlhepp, ich beginne mit Ihrer letz!
Frage: 1. Ich gedenke meine Zusage einzuhalten, daß die fr®
Theatergruppen weiterhin diejenige Förderung bekommen, '
möglich ist und die sie bisher ja auch in einem erstaunlichen Ü |
fang erfahren haben.
2. Ich wußte bisher nicht, daß der internationale Rang von Kult
Institutionen einer Stadt die Bewohner dieser Stadt davon abN
sich an der Existenz dieser Kulturinstitutionen zu erfreuen. Ich ha!
bisher angenommen, daß die Berliner stolz darauf sind, großart 1 p
Sterne in diesem Bereich in ihren Mauern zu wissen.
Und zum dritten: Ich darf darauf hinweisen, daß wir ein wund
bares Beispiel haben, wie aus einer, wenn Sie so wollen, fr®
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