Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
8. Sitzung vom 8. Oktober is; tge
. (A)
ü 1 : (ß)
Dr. Neuling
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eine effizientere Überprüfung der angegebenen Produktionskosten
und insbesondere des angegebenen Berlin-Effekts garantieren soll.
Wir wissen, daß mit dem Berlin-Effekt eine ganze Menge Schind
luder getrieben worden ist, und ich meine, daß hier endlich konkre
ter nachgefaßt werden sollte.
[Beifall bei der CDU]
Der Kreditausschuß scheint uns mit acht Personen reichlich
hoch besetzt. Wir meinen, eine Reduzierung auf sechs käme
diesem Gremium ebenfalls zugute. Wir wollen, da es sich hier um
öffentliche Mittel handelt, auch die Verwaltung nicht überstimmen
lassen. Das heißt: Drei Vertreter der zuständigen Fachressorts
Finanzen, Kultur und Wirtschaft sollen drin bleiben, zusätzlich ein
Banker und als neuen Vorschlag je ein Vertreter der Filmtheaterwirt
schaft und der Regisseure. Ich will damit ganz deutlich sagen, daß
wir uns mit diesem fachspezifischen Element stärkere Beachtung
wirtschaftlicher Überlegungen bei den gefördeten Filmen verspre
chen. Das heißt also: Wir wollen durchaus mit diesem Denkanstoß
erreichen, daß man weg vom Gießkannenprinzip kommt und in
stärkerem Maß hin zu dem Motto: Lieber weniger, aber dafür gut,
als viel und schlecht.
[Beifall bei der CDU]
In diesem Zusammenhang wurde ja von Ihnen vorsichtig von Miß
trauen gesprochen. Ich nehme das auf. Von einigen wenigen in der
Presse wurde in den vergangenen Wochen der CDU unterstellt,
daß wir die sogenannte liberale Filmförderung in Berlin „kaputt
machen“ wollen. So war es in einem Zeitungsartikel zu lesen. Ich
will im einzelnen auf diese Vorwürfe nicht eingehen, sondern mit
aller Deutlichkeit sagen: Wer ständig und penetrant nur dem an
deren kulturpolitische Manipulationen unterstellt, der muß sich den
Vorwurf gefallen lassen, daß er selbst und ständig kulturpolitisch
manipuliert.
[Wohlrabe (CDU): Sehr gut! - Beifall bei der CDU]
Wir weisen jedenfalls einen derartigen Vorwurf als absurd zurück.
Gerade der Berliner Senat unter Führung von Richard von Weiz
säcker ist Garant für diese Aussage.
Zu den weiteren Vorschlägen - Berlin-Effekt, veränderte Rück
flußregelung - nur noch ein Wort: Wir streben an, daß die
Verwaltung - sprich der Haushalt - zumindest gleichgestellt wird
mit den Produzenten. Auch die Erweiterung zu den Dokumentar
filmen ist dargestellt worden. Das soll hier nicht mehr von mir ver
tieft werden.
Ein weiterer Punkt, den ich noch etwas stärker beschreiben
möchte, ist die Frage des Systems. Wir stellen uns hier, und das
bitte ich als Arbeitstitel zu verstehen, eine Art Filmfonds vor. Wir
wollen mit diesem Filmfonds erreichen, daß die Betroffenen ein
stärkeres Verantwortungsbewußtsein, eine stärkere Identifikation
mit ihrem Fonds erreichen, das heißt also - und dies bitte auch nur
als Ziel zu verstehen Wir wollen nach Möglichkeit ein selbst
tragendes System mit revolvierender Finanzmasse erreichen.
Zusammenfassend kann ich für die Fraktion festhalten:
Erstens: Wir unterstützen alle Bemühungen, Berlins Ruf als Film
stadt zu festigen und auszubauen.
Zweitens: Wir begrüßen den wirtschaftspolitischen Ansatz bei
der Filmförderung. Wir haben zur Systemänderung einige Denk
anstöße gegeben.
Wir meinen auch, daß bei allen Handlungen in Zukunft das Ko-
stenbewußtsein aller Betroffenen geschärft sowie die Eigenverant
wortlichkeit der Begünstigten stärker herausgestellt werden muß.
Gleichzeitig meine ich, daß wir mit dem finanziellen Rahmen bun
despolitisch ein Signal setzen wollen, daß wir nicht beabsichtigen,
einen regionalen Subventionswettbewerb mit anderen Bundeslän
dern verstärkt zu führen.
Schließen möchte ich eigentlich mit dem Appell an die Betroffe
nen, diese unsere Anregungen positiv aufzunehmen, wünschen,
daß wir gemeinsam verstärkt begreifen, daß der Staat nur eine
Transferstation für derartige Subventionen mit folgenden Konse
quenzen ist:
Erstens: Erhöhte Verantwortung des Staates gegenüber dem
einzelnen Bürger bei seiner Ausgabenpolitik,
Zweitens: Erhöhte Verantwortung der Begünstigten, diese Ford Ich
rungsmittel möglichst effizient auch im Interesse einer breiten Mel ;it, i
heit einzusetzen.
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Wir von seiten der CDU-Fraktion würden es jedenfalls begrüBs
wenn in Zukunft verstärkt dem Motto Eigenverantwortlichkeit au;
von seiten der Betroffenen positiv gegenübergestanden wird,
daß diese ein eigenes Interesse daran haben, daß das für sie o
schaffene und von ihnen zu erhaltende Förderungssystem au;
langfristig erhalten bleibt. - Schönen Dank!
[Beifall bei der CDU]
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Stellv. Präsident Franke: Nächster Redner ist der Abgeon
nete Dr. Sauberzweig (SPD).
Dr. Sauberzweig (SPD): Herr Präsident! Meine Damen und H r, d
ren! Der Berliner Senat hat im Hinblick auf seine Filmförderu irS
darüber kann die gegenwärtige Debatte nicht hinwegtäusch
obwohl ich in ihr positive Anzeichen sehe - keinen guten Start:
habt; ich teile hier die Meinung des Kollegen Kunze. Denn wenn
nur um eine Unterbrechung der Förderung ginge und nur um: rde
Nachdenken, dann hätte man zu denen, die vom Film und von
Filmförderung in dieser Stadt betroffen sind, genügend Kontal ir
gehabt, um deutlich zu machen, daß man überlegt, daß dies al
nicht bedeutet, daß man die Verpflichtungen, die eingegangen sii nst
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und die Erwartungen, die da gehegt werden, nicht einzulösen bei
ist. Dieser Eindruck ist entstanden, und bei den Filmemachern
das Wort vom Vertrauensbruch gefallen. - Das muß man hiere
mal festhalten, um deutlich zu machen, daß man mit einem so diff.
len Instrument wie Filmförderung und Filmproduktion behutsar
umgehen muß und insofern mehr miteinander reden muß, als
hier geschehen ist
Nun eine kurze Rückblende: Ich möchte einmal daran erinne
liebe Kolleginnen und Kollegen, daß Berlin in den 60er Jahren kei Wi
ernsthafte Rolle in der Filmproduktion mehr spielte, daß es darr; n 9
leider passiert ist, daß die Fernsehstudios und die Verbindung v
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Film und Fernsehen an Berlin vorbeigegangen ist und dlsti
München und Hamburg in diesem Punkt in der Tat einen Vort
erreicht hatten. Man mußte also, wenn man Filmförderung ansetz d i
vom Spielfilm ausgehen, vom klassischen Spielfilm - und dies! | n '
der Senat 1977 entschieden und getan. Was bei diesem Mitfin:
zierungsmodell herausgekommen ist, das ist immerhin beachtli:
nämlich der Markt, der an Berlin vorbeigelaufen war, wurde auf e yti
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mal wieder auf Berlin gelenkt, und ich meine, das muß man im H
blick auf die vergangene Leistung deutlich herausstellen, und die pbi
Politik muß fortgeführt werden.
[Beifall bei der SPD]
Gefördert wurden nicht wenige Filme, die Erfolg hatten, die austjjse
zeichnet wurden: die Goldene Palme in Cannes, Goldener Bär
Berlin, den Oscar, den besten Film in Venedig und zahlreiche Fat
preise. Daneben aber konnte auch der Erstlingsfilm gefördert w: Eil
den, der „kleine“ Film, wenn ich das einmal so nennen darf, ui snl
Herr Kollege Neuling, in Ihrer Wertung, wenn Sie sagten: Lief ig
weniger und gut als viel und schlecht!, steckte immer so ein wer
der Verdacht, als wenn das, was im Experiment auch in der Filmpc
tik versucht und unterstützt werden muß, nicht notwendig sei u h
als wenn hiermit von vornherein das Prädikat „schlecht“ verbunden
sein könnte.
fiel
[Dr. Neuling (CDU); Keineswegs!]
Ich möchte es ausdrücklich auch als eine Aufgabe staatlich r d
Filmpolitik bezeichnen, daß man den Mut zum Experiment hat if
nicht nur nach der Kasse geht
[Dr. Neuling (CDU); Es muß ausgewogen sein!]
Das Berliner Filmförderungsmodell war nach kurzer Zeit '•
akzeptiert, daß es die Bayerische Landeshauptstadt München ui
die Bayerische Landesregierung in allen wesentlichen Element:
übernommen haben; und das ist ja für München nach der bisherig:
Gepflogenheit jedenfalls keineswegs selbstverständlich gewes« 1
aber denen ist offenbar auch nichts Besseres beim Nachdenk 9<
eingefallen.
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