Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
8. Sitzung vom 8. Oktober 198;
344
(A)
(B)
Dr. Kunze
einmal den Versuch unternähme, mit den Berliner Kindertheatern,
dem Grips-Theater zum Beispiel, einen Film zu produzieren, denn
da wäre die Möglichkeit gegeben, die vielfältigen, erfolgreichen Er
fahrungen des Grips-Theaters in der theatralisch-dramaturgischen
Bearbeitung von Kindertheater einfließen zu lassen in sehr span
nende Kinderfilme. Das w√§re √ľbrigens ein Beitrag, der dem Senat
einen Hauch von Liberalit√§t verleihen w√ľrde, √ľber den ich mich
auch echt freuen w√ľrde, und ich lade Sie ein, hier in Berlin gemein
sam mit dem Grips-Theater ein St√ľck Kinder- und Jugendfilmf√∂rde
rung zu beginnen.
[Wohlrabe (CDU): Kunze spielt Zwerg Nase! -
Heiterkeit bei der CDU]
Der zweite Punkt: Die Förderung der Filmkunsttheater ist ein not
wendiges, ein unverzichtbares St√ľck einer jeden Filmf√∂rderung, die
auch einen kulturellen Anspruch ernst nehmen will. Und ich lese
auch da mit einigem Erschrecken, da√ü die bisher sch√ľchterne Film
theaterförderung nunmehr ganz eingestellt werden soll. Auch da
denke ich: Wenn es dabei bleiben sollte, sind das Wege in die
falsche Richtung.
Meine Damen und Herren, wir erwarten von der Antwort des
Senats auf unsere Große Anfrage, daß er die von ihm ohne Not aus
gel√∂ste Unsicherheit √ľber die weitere F√∂rderung des Berliner Films
beendet und endlich wieder eine vertrauensw√ľrdige und stabile
Grundlage f√ľr weitere Diskussionen √ľber die Berliner Filmf√∂rde
rung schafft.
[Beifall bei der F.D.P. und der SPD]
Stellv. Präsident Franke: Herr Kollege Wohlrabe, das Präsi
dium h√§lt es f√ľr ausgeschlossen, da√ü der Herr Abgeordnete
Dr. Kunze in einem Ihrer Filme ‚ÄěZwerg Nase‚Äú spielt Ich bitte, der
artige Bemerkungen doch zu unterlassen.
[Heiterkeit bei der CDU]
Das Wort zur Beantwortung hat nunmehr Herr Senator Pieroth.
Pieroth, Senator f√ľr Wirtschaft und Verkehr: Herr Pr√§sident!
Meine Damen und Herren! Ich kann nicht mehr genau ermitteln,
wann ich zum ersten Mal als Kind auf den Namen Berlin gestoßen
bin, aber es ist durchaus möglich, daß das im Zusammenhang mit
einem Film √ľber Berlin gewesen ist Berlin ist seit der Erfindung des
Films Ende des vergangenen Jahrhunderts - und deshalb komme
ich darauf - gewissermaßen ein Kino-Star - ein Star, der in ver
schiedener Gestalt immer wieder vor der Filmkamera erscheint.
Vom Leben und Treiben am ‚ÄěAlexanderplatz‚Äú - 1896 - √ľber R√ľtt-
mann's ‚ÄěBerlin - Symphonie einer Gro√üstadt‚Äú - 1927 - bis zum
neuen Hailervorden hat Berlin seine Rolle im deutschen Film ge
spielt. Der Film hat das Bild Berlins in die ganze Welt getragen. An
dieser Bedeutung des Filmschaffens f√ľr Berlin kann es keinen
Zweifel geben. Aber ein Film ist mehr als ein Filmstar; Film wird ge
macht von einer großen Zahl von Menschen, die vor, neben, hinter
und weitab der Kamera hart arbeiten, von denen jeder ein Spezialist
sein muß. Und ein Film wird gemacht mitTechnik, mit einer Technik,
die immer komplizierter und immer raffinierter wird - dieser Tat
sache muß eine zeitnahe Filmförderung Rechnung tragen.
Zunächst deshalb einige Sätze zum Stellenwert des Films und
der Filmförderung in Berlin. Seit einigen Jahren hat Berlin zum
Gl√ľck als Filmstadt wieder einen guten Ruf. Dieser Senat wird alles
tun,
[Dr. Kunze (F.D.P.): Ehrlich?]
daß dieses Renommee erhalten bleibt, und wenn es geht, noch ver
bessert wird.
[Beifall bei der CDU]
Darum wird auch in Zukunft die Filmförderung einen zentralen Platz
in der Wirtschafts- und Kulturpolitik des Senats einnehmen - das
können Sie jetzt so nehmen oder so nehmen, Herr Kollege
Dr. Kunze.
[Dr. Kunze (F.D.P.); Ich versuche, es positiv zu nehmen!]
- Gut, dann machen wir positiv weiter. - Ehe ich auf Ihre vier Fragen
im einzelnen komme, trage ich Ihnen aber zunächst die Grundlinie
des Senats vor. Sie meinten, zuerst hätte mit der Berliner Filmszen || r |ii
gesprochen werden m√ľssen. Diese Gespr√§che begannen, da wa *
der neue Senat noch gar nicht gebildet - im Wahlkampf. Ich kan:
Ihnen nachher Hausnummer und Straße nennen. Und in den letzte
Wochen ist dann eine Vielzahl von zusätzlichen Gesprächen gs |
f√ľhrt worden mit Vertretern aus verschiedenen Bereichen der Filrr
Wirtschaft, mit Produzenten, Verleihern, Vertretern von Atelierbetrie I
ben, mit Kopierwerken, mit Regisseuren, mit Bankenvertretern, nt
Filmförderungsexperten aus dem ganzen Bundesgebiet auch au
dem bayerischen Raum.
[Wohlrabe (CDU): Und die haben gute!]
Sie meinten, es wäre gefährlich, mit Konkurrenten zu sprechen. Ic
habe in fr√ľherer T√§tigkeit gelernt, da√ü es sehr n√ľtzlich sein kann, m
t√ľchtigen Konkurrenten zu sprechen - und das wollen wir tut
[Beifall bei der CDU]
Wir haben gemeinsam eine Bestandsaufnahme gemacht, was Kino
filmproduktion heute ist und wie Kinofilmproduktion in Zukunft aus
sehen könnte, denn sicherlich unstrittig ist: In einer Zeit der knapKjrg
pen Kassen muß auch bei Filmförderungsmaßnahmen gefragt we: t&er
den, ob es nicht sparsamer und somit wirksamer - ich betone: wir!
samer - zugehen kann.
Die Berliner Filmförderung muß ja im Zusammenhang mit de:
Filmförderungsmöglichkeiten im ganzen Bundesgebiet gesehe-
werden. Heute können 80% der Herstellungskosten eines Spie'
films aus Geldern bestritten werden, die nicht dem Risiko des Mart
tes unterliegen, und manchmal, habe ich mir sagen lassen, sog¬ę r. ,
√ľber 100%. Das Eigeninleresse darf jedoch nie und nimmer gar *| re
verloren gehen. ‚ĄĘ
[Beifall bei der CDU und des Abg. Swinne (F.D.P.)]
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Niemand, der die Filmbranche weniger schätzt als ich, soll eine fe U!
Tages feststellen können, daß die Kinosäle ruhig leer bleiben kör
nen, da die Finanzierung ja sowieso gesichert ist -
[Wohlrabe (CDU): Sehr richtig!]
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daf√ľr sicher nicht. Im Jahr 1980 sind immerhin mehr als 70 Mi
lionen DM letztlich aus √∂ffentlichen Mitteln f√ľr Produktionen vo|i¬ßtr;
Kinofilmen im ganzen Bundesgebiet bereitgestelit worden. Da:
Finanzierungsrisiko der solcherart gro√üz√ľgig unterst√ľtzten Fito
Produzenten ist, gemessen an anderen Wirtschaftszweige:
vergleichsweise gering und damit - möglicherweise - auch de
Anreiz, Filme f√ľr das breite Publikum zu machen. Es mu√ü nat√ľrlid
ber√ľcksichtigt werden, da√ü Film auch ein Kulturgut ist und nicht in'
anderen Wirtschaftsg√ľtern wie Autos oder K√ľhlschr√§nken vergl
chen werden kann. Filmschaffen darf selbstverständlich nicht nu
an marktwirtschaftlichen Maßstäben - das will ich damit sagen
gemessen werden; trotzdem muß aber darauf geachtet werden, da:
bei einer so weitgehenden Finanzierung aus öffentlichen Mittel'
Filmproduktionen nicht eines Tages exklusive Veranstaltungen f√ľ Rm
nur noch wenige Kenner ist. Es darf nicht am Kinopublikum vorbe:
produziert werden; der Kinobesucher ist keine Randerscheinung-
er ist die Hauptfigur.
[Beifall bei der CDU]
Die Berliner Filmf√∂rderung hat den Ansto√ü gegeben, auch in a¬Ľ
deren Bundesländern regionale Filmförderungsmaßnahmen einzu j|
richten; als deutsche Filmstadt steht, was Kinofilm angeht, Berlin i¬ę
der von Ihnen beschriebenen direkten Wettbewerbsbeziehung ¬Ľ
M√ľnchen, w√§hrend Hamburg und Nordrhein-Westfalen mit ihrer
Förderungsmaßnahmen mehr kulturpolitische Ziele verfolgen. Vff
diesem Hintergrund muß die Filmförderung in Berlin gesehen wef
den. Sie wurde 1978 eingerichtet, um Produzenten einen Anreiz¬Ľ
bieten, in Berlin wieder verstärkt Kinofilme zu produzieren. Dadurc-
sollten die Betriebe in die Lage versetzt werden, in der Filmtechn? |o
zu modernisieren; es sollten Fachkräfte langfristig nach Berlin g e
holt werden; es sollte die Film-Infrastruktur der Stadt wieder interna
tional konkurrenzfähig gemacht werden. Bei der Filmförderung geM
es vor allem darum, daß mit jeder Produktion hier in Berlin ein mög
lichst großer wirtschaftlicher Berlin-Effekt in dem Sinne erreich
wird, daß wesentlich höhere Ausgaben in Berlin getätigt werden, i
der Kreditauftrag ausmacht. Es geht neben diesem wirtschaftlicher
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