Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

8;[.jAbgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
18. Sitzung vom 11. März 1982
1031
Löffler
mer auf den Punkt zu verweisen, daß dieses immer wieder
aufgearbeitet werden muß, daß es nicht vergangene Ge-
'■Sschichte sein darf. Deswegen sehen wir auch eine Verbin
dung, daß es ein Ausstellungs- und ein Forschungszentrum
•sein solle, verbunden sein solle, in deren Mittelpunkt die
' Opfer des Antisemitismus stehen. Wir bitten also den Senat
_ und zunächst bitten wir die anderen Fraktionen um Zu
stimmung —, daß alsbald der Senat eine Konzeption vorlegt.
Stellv. Präsident Franke: Gestatten Sie eine Zwischenfrage
des Abgeordneten Finger, Herr Kollege?
Löffler (SPD): Selbstverständlich!
Stellv. Präsident Franke: Bitte sehr, Herr Finger!
Finger (AL): Herr Kollege Löffler, Sie sagten gerade „als-
®bald“. Meine Frage geht dahin: Wie stellt sich die SPD-
Fraktion vor, bis wann konkret der Senat aufgefordert wird,
eine solche Konzeption vorzulegen? .
Löffler (SPD); Ich will gern meine persönliche Meinung
dazu äußern. Wir gingen zunächst davon aus, Herr Kollege
Finger, daß der Antrag im Ausschuß beraten wird, und dort
hätten wir die Frage der Terminierung erörtert. Da nach
Vorlage einer Konzeption — in unserem Antrag sind Ele
mente einer Konzeption enthalten — sicherlich noch Ideen-
•wettbewerbe, architektonische Gestaltungsfragen längerer
Erörterung bedürfen werden, meine ich — eine Beschluß
fassung meiner Fraktion gibt es dazu nicht —, daß die Kon
zeption vor der Sommerpause vorgelegt werden könnte
und müßte, denn die Verwirklichung der Konzeption ist dann
eine Gestaltung vieler; die Öffentlichkeit wird sich inter
essieren, Architekten und Historiker werden mitwirken.
Wichtig ist aber, daß wir den Blick auf diesen makabren
Tag deutscher und europäischer Geschichte — und Welt
geschichte, kann man ja sagen —, nämlich den 30. Januar
1983 richten und dann die Demokraten in Berlin vor der
Weltöffentlichkeit, vor der deutschen Öffentlichkeit, vor un
serer Bürgerschaft dastehen können mit einer schon in die
ersten Realisierungsschritte gegangenen Konzeption. Das
n ‘ iist wichtig, daß in diesem nächsten Jahr sich die Demokraten
dieses Landes vereinen in diesem Ziel und in dieser Hal
tung und Gesinnung; es gibt Dinge, über die kein Gras
wachsen kann.
Ich darf noch einige Bemerkungen zum Änderungsantrag
„ der CDU-Fraktion machen. Die Änderung ist minimal. Wir
d :hatten uns zunächst in unseren Diskussionen vorgestellt,
daß die Gedenk- und Mahnstätte verbunden sein sollte mit
einer Ausstellungs- und Forschungsstätte, die eben der
Opfer des Antisemitismus in ihrer laufenden Arbeit und in
ihrer laufenden Ausstellung gedenkt. Die CDU-Fraktion sagt,
gleichzeitig solle dies in der Konzeption bedacht werden.
Der Unterschied ist minimal. Ich würde nach wie vor glau
ben, daß das ein integriertes Konzept sein sollte. Aber hier
werden wir dem Senat seinen Spielraum lassen — selbst
verständlich —, und insofern können wir Ihrem Änderungs
antrag zustimmen. Es wird eh um die Ausformung des Kon
zeptes öffentliche Debatten geben, an denen wir Sozial
st idemokraten uns beteiligen werden. Dankbar sind wir, wenn
dieser Antrag — so verlautete es ja aus dem Ältestenrat —
heute die Zustimmung des ganzen Hauses finden kann. —
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.
[Beifall bei der SPD]
Stellv. Präsident Franke: Wird das Wort in der Beratung
gewünscht? — Das ist nicht der Fall. Dann lasse ich über den
Antrag der SPD in der auf Vorschlag der Fraktion der CDU
geänderten Form abstimmen. Wer der Änderung zustimmen
will, den bitte ich um das Handzeichen. — Danke sehr; das ist
so beschlossen. Nunmehr ist beantragt worden, den Antrag
sofort zu verabschieden. Wer dem zustimmen will, den bitte
ich ebenfalls um das Handzeichen. — Danke sehr; das ist
ebenfalls so beschlossen.
Ich rufe auf (C)
lfd. Nr. 24, Drucksache 9/394:
Antrag der Fraktion der SPD über Fassade des
Ephraim-Palais
Der Senat wird aufgefordert, die mit der Rückführung
der Schinkel-Figuren an ihren ursprünglichen Standort
und der Rückkehr des KPM-Archivs eingeleitete Ent
wicklung dadurch fortzusetzen, daß er die in seinem
Besitz befindlichen Fassadenteile für den Wiederauf
bau des Ephraim-Palais zur Verfügung stellt. Damit
kann im zeitlichen Vorfeld der 750-Jahr-Feier unserer
Stadt der Gedanke der Geschichtsgemeinschaft aufs
neue bekräftigt und unterstrichen werden.
Wird das Wort zur Begründung gewünscht? — Bitte sehr,
Herr Kollege Ferberg!
Dr. Ferberg (SPD): Herr Präsident! Meine Damen und Her
ren! Bei dem hier zur Rede stehenden Gebäude handelt es
sich nicht um die Wiederherstellung eines während des Krie
ges zerstörten Gebäudes. Das Ephraim-Palais wurde bereits
im Jahr 1935 im Zuge der Erweiterung der Mühlendamm
brücke abgetragen. Es war seinerzeit beabsichtigt, das Ro
koko-Palais des Hofbankiers Friedrich des Großen, bekannt
und berühmt durch den sogenannten Bug, eine durch Säulen
getragene Rundung, in der Nähe des alten Standortes wieder
aufzubauen. Durch die Kriegsereignisse ist dieses Projekt
offensichtlich in Vergessenheit geraten. 1 500 numerierte Teile
der Fassade dieses Gebäudes lagern heute in Berlin (West),
Teile der Innendekoration in Berlin (Ost). Vor einiger Zeit
kam hier der Gedanke auf, das Gebäurde wiederaufzubauen,
und zwar in der Nähe des heutigen Berlin-Museums, ein (D)
durchaus lobenswerter Vorsatz. Erfreulicherweise hat man sich
allerdings auch in Berlin (Ost) inzwischen der geschichtlichen
Denkmäler unserer Stadt besonnen. Sie werden heute nicht
mehr abgerissen, sondern man versucht, sie zu restaurieren
und das Moderne und das Traditionelle in einen sinnvollen
Zusammenhang zu bringen. Hier zeichnen sich in der Stadt
— erfreulicherweise — auch ohne offizielle Kommunikationen
städtebauliche Gemeinsamkeiten ab.
Im Jahr 1987 wird in beiden Teilen Berlins dem 750. Jahres
tag der Erwähnung der Stadt Cölln Rechnung getragen, es
wird also der 750. Geburtstag Berlins gefeiert. Der frühere
Berliner Bürgermeister Dietrich Stobbe hatte bereits einmal
angeregt, in beiden Teilen der Stadt dieses Jahrestages ge
meinsam zu gedenken. Von der anderen Seite ist diese An
regung bisher ignoriert worden, und es steht zu befürchten,
daß das auch bis 1987 so anhält. Immerhin, und das scheint
eine Tatsache zu sein, wird man in beiden Teilen der Stadt
dieses Jahrestages gedenken. Wir werden das Ereignis dop
pelt feiern, möglicherweise auch in zwei Versionen, was nicht
unbedingt ein Nachteil zu sein braucht, wenn wir an die ver
gangenen Jubiläen und Jahrestage denken und an das gegen
wärtig stattfindende Goethe-Jahr. Das Schlimmste, was man
sich allerdings vorstellen könnte, wäre dann der Fall, wenn
das gleiche Gebäude in Ost und West — möglicherweise auch
noch zum gleichen Zeitpunkt — wiederhergestellt würde, wenn
also jeder aus seinen Teilen das Ganze zu rekonstruieren
versuchte und dabei vielleicht noch ein Wettbewerb über den
originalgetreuen Nachbau abliefe. Das würde der Tragödie
der Stadt noch einen Zug in das Groteske verleihen. Es gilt
also, dies zu verhindern.
Unser Antrag ist nicht eine Aufforderung an den Senat, mit
der anderen Seite ein Geschäft zu machen. Wir haben ein
Interesse an der Wiederherstellung des Palais in Berlin. Ich
möchte deutlich sagen, auch auf die Gefahr hin, daß der eine
oder andere behauptet, wir hätten wieder einmal den Kom
munisten ein Geschenk gemacht, orientiere ich mich an der
Aussage einer Berliner Tageszeitung anläßlich der Übergabe
der Schinkel-Figuren an Ost-Berlin, man habe den Berlinern
ein Geschenk gemacht. So sollten wir es auch in diesem
Fall halten.
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