Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

73
2. Sitzung vom 25. Juni 1981
I8i ^Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
|
Wingefeld
ch inen? Ich will damit sagen, daß in einem Senatsbereich zwei
ch Isich doch häufig in der Aufgabenstellung diametral gegen
in Jüberstehende Arbeitsbereiche untergebracht sind, wofür es
rkeine überzeugenden Begründungen gibt.
iil- Leider ist meine Redezeit zu Ende, gleichwohl darf ich
’.u- aber den Herrn Regierenden Bürgermeister bitten, auf die
>||. joffengebliebenen Fragen bei nächster Gelegenheit zu ant-
en werten. — Schönen Dank!
[Beifall bei der SPD]
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Präsident Rebsch: Weitere Wortmeldungen liegen nicht
vor. Damit ist diese Große Anfrage erledigt.
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Ich rufe auf die
dringliche
Große Anfrage der Fraktion der AL betr. Breker-Aus-
stellung im „Club d’Art“ des Inneneinrichiungshauses
von Langenn
— Drucksache 9/35 —
Wir fragen den Senat;
1. Ist dem Senat bekannt, daß die Ausstellung „Das
Bildnis des Menschen im Werk Arno Breker“ im
sog. „Club d’Art“ des Herrn von Langenn trotz
massiver öffentlicher Proteste und entgegen einer
ersten Erklärung des Galeristen bis zum 15. August
1981 geöffnet bleiben soll?
2. Wie beurteilt der Senat die Ausstellungsverlänge
rung, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, daß
die angekündigte Überarbeitung der Ausstellung
unter Einbezug der öffentlichen Kritik an dieser
Nazikunst nicht erfolgte?
3. Ist dem Senat bekannt, daß die Werke Arno Bro
kers nach Protesten der französischen Öffentlich
keit in Paris nicht ausgestellt wurden?
4. Kann man aus der Tatsache, daß der Senat trotz
mehrfacher Aufforderung noch nichts gegen die
Ausstellung des Nazikünstlers Breker in Berlin
unternommen hat, schließen, daß der Senat an der
Verbreitung nazistischen Gedankengutes keinen
Anstoß nimmt?
5. Ist dem Senat bekannt, wie viele Berliner Künstler
Berufsverbot erhielten, während Arno Breker Pro
fessor wurde und im Auftrag Hitlers seine Monu
mentalplastiken ausführte?
6. Welche Breker-Plastiken sind an öffentlichen Ge
bäuden und auf öffentlichen Plätzen in Berlin noch
vorhanden?
7. Teilt der Senat die Auffassung, daß mit der öffent
lichen Zurschaustellung der Nazikunst des Arno
Breker in Berlin die Gefühle der vom deutschen
Faschismus Verfolgten erheblich verletzt werden
und diese Ausstellung eine Provokation der demo
kratischen Öffentlichkeit darstellt?
8. Welche Möglichkeit sieht der Senat, die Ausstel
lung schließen zu lassen, und ist der Senat bereit,
den Galeristen von Langenn aufzufordern, die Aus
stellung von sich aus sofort zu schließen?
Der Dringlichkeit haben Sie vorhin bereits zugestimmt. Wird
das Wort zur Begründung gewünscht? — Bitte sehr!
Schmidt (AL): Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Wir sind jetzt hier in einer Situation um 19.30 Uhr, bei der es
vielleicht sehr passend ist, das Thema Breker mit der aktu
ellen Situation in dieser Stadt einmal zu verbinden, wenn
draußen — die Nachrichten darüber sind bestürzend — Ber
liner Polizeibeamte rund um das Rathaus Menschen jagen,
[Boroffka (CDU): Unerhört!]
die ihr Demonstrationsrecht wahrgenommen haben.
[Wohlrabe (CDU): Herr Präsident,
das ist zu rügen! — Weitere Zurufe]
— Lassen Sie mich bitte weiterreden! Denken Sie dabei
auch etwas an die Würde des Hauses, Herr Wohlrabe!
[Widerspruch bei der CDU]
Stellv. Präsident Franke: Herr Kollege Schmidt! Ich möchte
Sie in der Tat bitten, sich mit derartigen Äußerungen über
die Polizei zurückzuhalten.
Schmidt (AL): Ich werde also versuchen, fortzufahren. —
Wenn man also diese aktuellen Auseinandersetzungen —
die anderen drei Parteien haben ja unseren Antrag abge
lehnt — in Zusammenhang mit der Tatsache stellt, daß in
unserer Stadt eine Ausstellung in einer Galerie eines Innen
einrichtungshauses des Galeristen und Möbelverkäufers
Bodo von Langenn stattfindet, dann meinen wir, wird hier
eine unerträgliche Provokation für die Öffentlichkeit durch
geführt. Der Senat und das Abgeordnetenhaus von Berlin
haben bisher die Ausstellung der Nazi-Kunst von Arno
Breker stillschweigend toleriert. Wir halten diese Ausstel
lung für eine Provokation. Es ist eine besondere Perversität,
daß diese Ausstellung faschistischer Kunst ausgerechnet in
Berlin stattfindet, in der Stadt, in der die Nazi-Barbarei ihr
Zentrum hatte und in der die besten deutschen Künstler zu
Volksfeinden und ihre Werke zu entarteter Kunst erklärt
wurden und die Bücherverbrennungen der Anfang vom
faschistischen Holocaust waren. Es entspricht der Logik des
deutschen Spießbürgers, daß ein Mann wie Arno Breker im
Faschismus groß werden konnte, während andere wirklich
große Künstler Deutschland verlassen mußten oder ermor
det wurden. Breker selbst hat sich von seinen Nazi-Gön
nern nie distanziert, auch nicht in der Erklärung, die der
Möbelverkäufer von Langenn nach den ersten Protesten
verbreitete. Ich möchte aus dieser Erklärung zitieren nach
der Berliner Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung vom
12. 6.1981, wonach Breker sagte:
So war ich, welcher Bildhauer wäre davon nicht berührt,
begeistert, als ich nach 1935 bildhauerische Aufträge
von einer Größenordnung erhielt, wie sie nur der Staat
vergeben kann.
Arno Breker ist kein unpolitischer Künstler, sondern ein
Mann, der sich ganz und gar in den Dienst des deutschen
Faschismus gestellt hat und dessen Nazi-Kitschkunst Teil
dieser Nazi-Propaganda war. Daran hat sich bis heute nichts
geändert, und so dient die Ausstellung bei Bodo von Lan
genn heute der Verherrlichung der Nazi-Kunst und ist ein
Versuch, sie zu rehabilitieren — und nichts anderes. Und wir
fragen die Verantwortlichen dieser Stadt, mit welcher Elle
eigentlich in der Öffentlichkeit Recht gesprochen wird und
mit welcher Elle hier an die Interessen Berlins herangegan
gen wird. Wenn in Berlin ein Haus besetzt wird als eine
Maßnahme des Wehrens gegen Wohnraumverrottung, dann
steht am nächsten Tag die Polizei mit siebenhundert Leuten
— vor drei Tagen, am Winterfeidtplatz — parat, weil angeb
lich irgendwo Strom abgezweigt wurde. Wir haben das ja
vorhin besprochen. Wenn aber ein Mann, der mit dafür ver
antwortlich ist, der mit seiner Kunst mit dafür verantwort-
(C)
(D)
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