Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

1017
3

i Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
| gen Dr. Hassemer
I Jahre lang an der Überarbeitung dieses Plans gearbeitet worden.
| Das bedeutet, daß Sie sich in der Vergangenheit - ich gehe davon
| aus: um ein besonders gutes Ergebnis zu erreichen - nicht Monate,
,f sondern Jahre und Jahrzehnte Zeit genommen haben. Ich finde, es
I zeigt sich, wie gut es ist, hin und wieder in die Opposition wechseln
I zu müssen. Jetzt haben Sie die Ungeduld entdeckt, und ich möch-
I je dem nach Kräften folgen. Ich bitte, auch zu akzeptieren, daß ich
| natürlich nicht alles über den Haufen werfen werde.
| Herr Wendt ist leider nicht mehr da, aber ich werde einen Punkt
(von ihm aufgreifen, den ich ernst meine. Ich meine den Punkt der
; dienenden Funktion des Verkehrs ernst, und ich bitte auch da um
Idie Geduld, den Zusammenhang zu sehen, in den ich das hineinge-
| schrieben habe. Es ist nämlich schwer - und das zeigt auch diese
. Debatte -, den Verkehrsplanern klarzumachen, daß sie primär der
I Stadt zu dienen haben, daß sie sich in die Stadt einzupassen haben.
| Das zeigt auch der Beitrag des Kollegen Giesel, dem diese Fest
legung zu poetisch erschien. So sind halt die Verkehrsplaner, und
mit denen haben es Leute, die sich mit der Stadt beschäftigen, im-
|mer wieder zu tun. Mit denen müssen wir uns auseinandersetzen.
Dieser Senat hat gesagt: Die räumliche Verkehrsplanung ist eine
■ Untermenge der Stadtplanung. Dazu bekennen wir uns, und da
ikann man nicht einfach das fortschreiben, was Sie, Herr Staffelt,
(wenn ich das richtig verstanden habe, Ladenhüter genannt haben.
Stellv. Präsident Longolius: Gestatten Sie eine Zwischen-
5 frage, Herr Senator?
i
Dr. Hassemer, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt
schutz; Bitte!
Stellv. Präsident Longolius; Bitte, Herr Sellin!
i Sellin (AL): Stehen Ihre Aussagen der dienenden Funktion des
3 Verkehrs nicht im Widerspruch dazu, daß Sie quer durch das
(Stadtgebiet Kreuzberg und Schöneberg
[Giesel (CDU): Schöneberg und Tiergarten!]
; - anscheinend auf der Grundlage von Verkehrsexperten - urteilen,
daß eine Bundesfernstraße nötig ist, oder nehmen sie andere Ex
perten anderer Provenienz für sich in Anspruch?
I
Dr. Hassemer, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt
schutz: Herr Sellin! Wirklich vielen Dank für die Zwischenfrage. Ich
(habe vorhin schon den Begriff Parkway anzusprechen versucht, will
ies jetzt aber nicht weiterführen. Wir haben dazu noch viel Zeit, und
sich freue mich auf die Auseinandersetzung.
[Nagel (SPD): Sie freuen sich nur immer,
werden Sie doch einmal konkret!]
;Der Begriff Parkway wurde von Rowe und Engel eingebracht,
|beides sind Stadtplaner. Engel ist der oberste Stadtplaner Amster-
|dams, Rowe kommt aus New York. Die haben mit Verkehrsplanung
(primär nichts zu tun. Die Verkehrsplaner in diesem Hearing hatten
zum Teil andere Vorstellungen. Ich bin dort exakt den Stadtplanern
I gefolgt. Und wenn Sie, Herr Wurche, aus Ihrer eigenen Begrün
dung zitieren würden, die Stadt mit Urbanität zu erfüllen, so setzte
|mich das in Erstaunen, daß Sie dabei nicht rot würden. Wenn wir
:uns diese Stadt betrachten, in der Sie dreißig Jahre Stadtplanung
(gemacht haben, so kann ich nur staunen, daß Sie dabei nicht rot
|werden.
[Beifall bei der CDU]
I Aber unser Thema ist der öffentliche Personennahverkehr, und
fich will an drei Punkten verdeutlichen, was wir mit unseren Aus
lagen gemeint haben. Erstens: Sie hatten gesagt, Herr Staffelt, der
(öffentliche Personennahverkehr muß deutlich attraktiver werden als
Wer Individualverkehr. Das werden wir leider nie schaffen. Und
(wenn jemand von dieser Illusion ausgeht, dann hat er schon ver
loren, weil die Analyse schlecht war. Das bedeutet für mich: Ich
(halte alle Tendenzen - und da können Sie meine Reden und Bei
träge aus der Vergangenheit zitieren -, den öffentlichen Personen-
18. Sitzung vom 11. März 1982
nahverkehr durch Preisverringerungen sanieren zu wollen - ich (C)
nenne so etwas Aushungern des öffentlichen Personennahver
kehrs -, für den extrem flaschen Weg. Wir werden die Ansprüche,
die wir gerade für den öffentlichen Personennahverkehr für die Zu
kunft stellen müssen - auch unter dem Sichwort S-Bahn - nicht
erfüllen können, wenn wir die Illusion des Nulltarifs unter den Leu
ten verbreiten.
[Beifall bei der CDU]
Für micht ist Nulltarif in dieser Debatte alles das, was dazu beiträgt,
daß eine Preisminderung gefordert wird. Ich sage das im Sinne des
öffentlichen Personennahverkehrs.
Der zweite Punkt: S-Bahn. Lassen Sie uns zur S-Bahn - gerade
wegen der S-Bahn und der damit verbundenen komplexen Pro
bleme - mit Sachlichkeit diskutieren. Sie werden sehen, an den
Punkten, an denen wir unsere Arbeit abgeschlossen haben - denn
das Thema für den Senat zur S-Bahn heißt: arbeiten, hart arbeiten,
Summen, Verkehrsanteile berechnen, Strecken berechnen, die opti
malen Strecken heraussuchen, sich mit den Kosten auseinander
setzen -, daß da wirklich harte Arbeit auf uns zukommt, das ist keine
Festredenarbeit. Dieser Rlicht kommen wir nach. Sie werden, wenn
wir in der Lage sind, Ihnen diese Ergebnisse vorzulegen, erkennen,
daß für uns die S-Bahn eine hohe Priorität hat Der dritte Punkt be
trifft die M-Bahn. Die Leute sind nach meiner Meinung schlecht be
raten, die, wenn sie über den öffentlichen Personennahverkehr dis
kutieren, sofort sensibel und bedenklich reagieren, wenn es darum
geht, sich neuen Systemen des öffentlichen Personennahverkehrs
zu öffnen. Ich halte es für richtig und gut, die Einpassungen neuer,
moderner Systeme des öffentlichen Personennahverkehrs in die
Stadt möglichst früh zu erproben und zu erkennen. Wir wollen mit
Systemen wie der M-Bahn schon heute die Grundlagen dafür legen,
daß wir auch noch in den 90er Jahren mit dem Bedarf für den
öffentlichen Personennahverkehr Schritt halten können.
[Beifall des Abg. Giesel (CDU)]
Stellv. Präsident Longolius: Gestatten Sie eine weitere Zwi-
schenfrage? - Bitte schön, Herr Abgeordneter Staffelt!
Staffelt (SPD); Herr Senator Dr. Hassemer, ist Ihnen bekannt,
daß die Technologie „Magnet-Bahn“ unter anderem auch im
U-Bahnbereich oder bei der S-Bahn anwendbar ist? - Halten Sie es
aus städtebaulichen und anderen politischen Erwägungen für drin
gend erforderlich, eine aufgeständerte Kabinenbahn insbesondere
auf der vorgesehenen Streckenführung zu errichten und darüber
hinaus noch bei der von Ihnen dargestellten Finanznot des Landes
Berlin hierfür zwölf Millionen DM zu investieren? - Das ist meine
konkrete Frage.
Stellv. Präsident Longolius: Bitte schön, Herr Senator Dr.
Hassemer!
Dr. Hassemer, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt
schutz: Zu Ihren Fragen möchte ich zwei Bemerkungen machen:
Ich gehe erstens davon aus, daß Sie die Trasse, wie sie gedacht
und gerade unter Ihren Gesichtspunkten sehr attraktiv ist, kennen,
[Staffelt (SPD): Ja!]
und weil ich zweitens weiß, daß die M-Bahn die Chancen gibt, auch
in einem Rahmen verwendet zu werden, wie Sie es sagen, deshalb
bin ich dafür, daß wir am Ball bleiben müssen, um diese Versuchs
strecke in Berlin zu bekommen.
[Beifall bei der CDU]
Wir können die M-Bahn - ich sage das jetzt einmal überspitzt -
nicht nur bei der Strafe einer aufgeständerten Lösung schräg durch
die Stadt bekommen, sondern weil dieses System denkbar ist in
einer viel angepaßteren Form - wie Sie es selbst soeben beschrie
ben haben. Gerade deshalb müssen wir daran Interesse haben,
diese M-Bahn zu bekommen.
[Beifall bei der CDU]
Zum Begriff „Westtangente“ sage ich, daß dies die Termini sind,
auf die sich die Verkehrsfachleute eingefuchst haben. Ich bitte, mir
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.