Publication:
1979
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9474249
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin — 8. Wahlperiode
17. Sitzung vom 14. Dezember 1979
Sen Dr. Sauberzweig
(A) lasten — müssen im Hinblick auf die Bewilligung einer Zu
wendung — nicht einer laufenden, sondern einer projektbe
zogenen — natürlich auch die entsprechenden Regeln für
Abrechnung eingehalten werden. Das ist, glaube ich, unver
zichtbar; ich nehme an, wir sind uns hierin einig. Ich möchte
nur dem Eindruck entgegentreten, als sei dies ein Verwal
tungsproblem.
< Rösler (CDU): Den Haushalt kennt Herr Dr Kunze
doch nicht! — Diepgen (CDU): Kultur kennt keine
Grenzen! >
Ich bin mit dem, was hier schon mehrfach gesagt worden
ist, sehr einig. Es ist in der Tat notwendig, daß wir auch
über diesen Weg — und über ihn ist dezentrale Kulturarbeit
schon in ganz erheblichem Umfang vorangebracht worden —
weiterkommen sollten und müßten. Berlin braucht vor allen
Dingen in den Außenbezirken eine stärkere Akzentuierung
der Kulturarbeit; und es wäre wünschenswert, daß hierfür
die Haushalte auch innerhalb der Bezirke erhöht werden
könnten, weil zum Beispiel mit einem solchen Projekt —
Frau Kollegin Luuk hat es bereits erwähnt — der Finanzie
rung, der Restaurierung und Herstellung des Quartier Latin
in einer Größenordnung von möglicherweise 500 000 DM
für diesen Stadtteil wieder ein für ganz Berlin wichtiges
Zentrum kultureller Basis- und Breitenarbeit ermöglicht wird.
Ich wünschte, wir könnten Schritt für Schritt in diesem Be
reich in den kommenden Jahren vorankommen.
Ich möchte ein anderes Thema, das hier angeschnitten
wurde, kurz noch einmal aufgreifen. Auch die Künstlerförde
rung — ich will das noch einmal sagen — erfolgt über den
Kulturaustausch. Es ist nicht nur so, daß wir nur die großen
Institutionen nach draußen bringen, sondern gerade die
Planung für Los Angeles zeigt zum Beispiel, daß wir ver
schiedenste musikalische und andere Gruppen in Los An
geles vor allem in Zusammenarbeit mit der Universität auf-
treten lassen wollen. Das heißt mit anderen Worten: Unser
Kulturexport beinhaltet nicht nur so erfolgreiche — ich stehe
sehr dazu — Gastspiele wie die von Herbert von Karajan mit
den Berliner Philharmonikern jetzt in Japan und in Peking
(B) oder die der Deutschen Oper Berlin in Israel, sondern wir
schaffen auch die Möglichkeit, daß unsere kleinen Gruppen,
Literaten und Künstler an diesem Kulturexport teilnehmen;
und das bedeutet auch kulturelle Förderung.
< Beifall bei der SPD und der F.D.P. >
Ich will eines noch dankbar erwähnen, nämlich daß die
Vorschläge der Parteivorsitzenden in der Kommission beim
Bundespräsidenten Gehör fanden und die in dem Zusam
menhang bewilligten Mittel es ermöglichten, in diesem Haus
haltsjahr schon Akzente zu setzen und neue Entwicklungen
anzubahnen. Das gilt für die Errichtung des Museumspäd
agogischen Dienstes, für die Ankäufe von Kunstwerken, für
die Realisierung bedeutender Ausstellungen und für den
Kulturaustausch. Berlin verdankt dieser Initiative jetzt und in
den kommenden Jahren eine erhebliche Steigerung seiner
kulturellen Aktivitäten. Das sollte an dieser Stelle noch
einmal ausdrücklich gesagt sein.
Nun ein Wort zum Museumspädagogischen Dienst, weil er
hier noch nicht angesprochen worden ist, aber wiederum
auch zeigt, in welcher Weise wir gerade im Hinblick auf die
Beteiligung größerer Bevölkerungsschichten am kulturellen
Angebot vorangehen. Kulturpolitik, die die Verpflichtung ge
genüber dem Bürger ernst nimmt, darf sich nicht damit be
gnügen, Kunstwerke und Geschichtszeugnisse einfach nur
auszustellen, sondern sie muß auch das Verständnis wecken,
den Zugang erleichtern. Unser Ziel muß es sein, einen effek
tiven Beitrag für ein breiteres und tieferes Kulturverständ
nis bei einer Vielzahl von Zielgruppen zu wecken. Der Direk
tor dieses Dienstes ist gefunden, die Auswahl der Mitarbeiter
ist in vollem Gang, die konkrete Aufbauarbeit kann in Kürze
beginnen. „Lernen durch Genuß“ könnte hier ein Motto lau
ten, das übrigens nicht nur für die Museumsarbeit gilt und
mit dem Menschen an die Dinge, die wir in unseren Museen
haben, leichter, aber auch mit einem entsprechenden kriti
schen Akzent herangeführt werden können. Ich glaube, daß
dies eine wichtige Aufgabe ist.
Einige Bemerkungen zum Museum für Verkehr und Tech
nik: Wir haben in Berlin eine breite Museumslandschaft, und
dennoch gibt es in dieser Landschaft einige Lücken. Eine
dieser Lücken ist, daß das Problem Technik und Verkehr (C)
bisher nicht entsprechend dargestellt werden konnte. Wir
wollen deshalb mit der Errichtung dieses Museums für Ver
kehr und Technik einen entscheidenden Wandel schaffen.
< Beifall >
Eine Vorlage — zur Beschlußfassung — über die Gründung
dieses staatlichen Museums wird der Senat im Laufe des
kommenden Jahres dem Hohen Haus vorlegen. Die Bestände
der im Land Berlin vorhandenen technischen Einzelmuseen
und Sammlungen garantieren, daß hier ein Museum mit einer
erheblichen Substanz und einer tragfähigen Grundlage für
diesen Bereich errichtet werden kann. Um bei den dabei
erforderlichen konzeptionellen Vorarbeiten für 1980 schon im
Vorgriff auf die Gründung dieses Museums auch richtig
voranzukommen, ist dankenswerterweise die Möglichkeit im
Haushalt vorgesehen, die Stelle des Direktors bereits 1980
zu besetzen; die Ausschreibung ist bereits vor einiger Zeit
erfolgt.
Bevor ich auf ein Thema komme, das an dieser Stelle kurz
angesprochen werden sollte, nämlich die Preußenausstellung,
möchte ich noch auf den Kammermusiksaal eingehen. Mit
diesem Bau wird eine kulturpolitische und — ich erwähne das
ausdrücklich — auch städtebauliche Konzeption vollendet, die
der Senat von Anfang an mit Hans Scharoun gemeinsam
verfolgt hat, die aber damals aus finanziellen Gründen, wie
Sie alle wissen, nicht erfüllt werden konnte. Die Philharmo
nie wird erst durch den Kammermusiksaal zu dem Musik
zentrum werden, als das sie konzipiert wurde. Während der
große Saal mit seinem revolutionären Konzept der Musik
in der Mitte sich in kurzer Zeit zu einem sehr anregenden
Magnet für alle Arten musikalischer Großveranstaltungen er
wiesen hat, fehlt es in Berlin an einem Saal für musikalische
Veranstaltungen, die einen intimeren Rahmen verlangen und
auf Solisten und kleine Ensembles abgestimmte Akustik
haben. Dies ist auch ein Grund dafür, warum die Kammer
musik sich nicht so wie die symphonische Musik in Berlin
entwickelt hat. Glauben Sie mir, gute Konzertsäle regen
schöpferische Musiker an und bilden Publikum, und darin
liegt auch die Bedeutung dieses Kammermusiksaales.
< Hucklenbroich (F.D.P.): Sehr gut! — von Kekulö (CDU):
Das ist auch unsere Meinung, deshalb wird diese
Einrichtung auch von uns gefördert! >
Nun ein letzter Punkt: Der Martin Gropius-Bau. Die Kon
zeption dafür liegt Ihnen vor. Auch hier wird sich ein kultu
relles Zentrum entwickeln, in das die Staatliche Kunsthalle,
die Berlinerische Galerie, die Neue Gesellschaft für bildende
Kunst und das Werkbundarchiv ihren Einzug nehmen sollen
und in dem darüber hinaus viele kulturelle Vereine ihre Ar
beitsstätte bzw. ihre Büros haben werden. In diesem Zen
trum soll, wie Sie wissen, im Jahr 1981 die Preußenausstel
lung stattfinden. Die Vorbereitungen hierfür laufen auf vollen
Touren. Der Wissenschaftliche Beirat hat in seiner Sitzung
am 7. und 8. Dezember 1979 damit begonnen, das vorliegende
Gesamtkonzept zusammen mit denen, die die Ausstellung
durchführen, auf die Räume im Gropius-Bau umzusetzen und
im Detail zu diskutieren. Das Konzept hat Ihnen der Senat
vorgelegt. Ich weise auf die Methodenvielfalt, vor allem
Dingen auch in der Präsentation, hin, die Film, Konzert,
Ausstellung, Theatervorführungen, Vortrag, Buch und den
Lehrpfad durch die Stadt miteinander verbinden. Diese Kon
zeption reflektiert, das möchte ich betonen, ein demokrati
sches Gesellschafts- und Geschichtsverständnis, auf dessen
Grundlage eine Bilanz der preußischen Geschichte gezogen
werden soll. Damit wird nicht von vornherein Ausgewogen
heit in einer möglichst gleichmäßigen Verteilung von Licht
und Schatten angestrebt, vielmehr werden Positionen und
Gegenposiitonen bezogen. Das ist eine schwere Aufgabe,
und es gehört Mut dazu, sie anzugehen. Sie ist nicht mit der
Stauffer-Ausstellung oder etwa mit der Wittelsbacher-Aus
stellung zu vergleichen, denn die preußische Geschichte be
rührt uns alle bis in unsere Gegenwart hinein. Es ist aber
Zeit, uns mit diesem Teil unserer Geschichte auseinander
zusetzen, und das ist nur in Berlin möglich, weil Berlin nach
wie vor in einem umfassenden Sinn ein kulturelles Zentrum
ist. Ich kann mir keinen anderen Ort in Deutschland vor
stellen, der Drehscheibe für eine derartige Begegnung und
Auseinandersetzung sein könnte.
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