Publication:
1979
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9474249
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin — 8. Wahlperiode
17. Sitzung vom 14. Dezember 1979
762
Frau Uiuk
(A) Ich meine, daß die Spitzenleistungen, die wir hier auf dem
Gebiet von Musik und Theater ich erwähne nur, um hier
in Superlativen zu sprechen, die weltberühmten Philharmo
niker und das beste Theater im deutschsprachigen Raum.
Uns ist das zwar wichtig, aber wir begreifen den Kunstbegriff
nicht in so einem engen Sinne, wir konzentrieren ihn nicht nur
auf Oper, Theater und Konzert, sondern wir meinen, mit un
serem kulturellen Angebot sollen breite Schichten der Be
völkerung erfaßt werden. Die sozialdemokratische Fraktion
meint, alles, was schöpferisch und gestaltend ist, soll von uns
gefördert werden. Wir halten die kreative Betätigung für
einen wesentlichen Ausdruck des Menschen, und wir möchten
das auf den Weg bringen in der Schule, in der Nachbarschaft
und in der Stadt und überall unterstützen.
Die kulturellen Förderungsmöglichkeiten in den Bezirken
möchten wir besonders ausbauen. Hier gibt es eine Reihe von
Aktivitäten und Ansätzen, eine Vielfalt kultureller Aktivitäten,
die wir über die bezirklichen Kunstämter gern unterstützen
möchten, und dies mehr als bisher.
Ich möchte hier besonders den gemeinsamen Versuch der
Koalitionspartner erwähnen, den freien Gruppen zu helfen.
< Beifall bei der SPD >
Die kulturelle Szene auch außerhalb der großen Kulturinstitu
tionen ist, so meinen wir, dadurch lebendiger und vielfältiger
geworden, und die bisher gewonnenen Erfahrungen und das
durchaus positive Echo über Berlin hinaus bestärken uns,
diese Förderung fortzuführen und auszubauen.
Ich möchte auch darauf hinweisen, daß auf Initiative meiner
Fraktion im Haushaltsplan des Senators für Kulturelle Ange
legenheiten eine halbe Million DM eingesetzt worden ist, um
zum Beispiel das Quartier Latin baulich und technisch zu
sanieren. Damit wurde, wie wir meinen, ein notwendiger
Schritt getan, um dieses international bekannte Forum für
Jazz- und Rockmusik in unserer Stadt zu erhalten. Und wir
meinen — das ist für uns besonders wichtig —, daß wir mit
dieser Maßnahme Arbeits- und Auftrittsmöglichkeiten der
freien kulturellen Gruppen in diesem Feld verbessert haben,
< Beifall bei der SPD >
Durch die Bereitstellung von Übungsräumen und durch die
technischen Möglichkeiten, Aufnahmen herzustellen, die es
den Gruppen gestatten, ein Angebot auch an die Medien zu
machen, meine ich, haben wir hier einen Beitrag geleistet, der
in der Tat neue Wege eröffnet Uber den bisher bereits ge
förderten kulturellen Bereich hinaus.
Auch das Arsenal soll hier erwähnt werden, das kommunale
Kino, das Anerkennung auch über Berlin hinaus gefunden hat.
Um in dem von mir zitierten Sinne Breitenwirkung zu erzielen,
glaube ich, wird es von allen Fraktionen dieses Hauses be
grüßt, daß hier eine verstärkte Förderung im Haushalt zu
finden ist.
< Beifall bei der SPD >
Und weil wir gerade über kulturelle Angelegenheiten spre
chen, sollte man auch der Kunstverwaltung Kreativität be
scheinigen.
< Bock (CDU): Die ist umgezogen >
Sie hat in dieser Hinsicht Neues auf den Weg gebracht, was
ihr noch nirgend woanders vorgeführt worden ist. Ich meine,
daß man bei finanzieller Förderung im kulturellen Bereich
immer auf einen Zielkonflikt stößt, den ich hier einmal an
sprechen möchte. Es ist sicher richtig, daß auch Künstler und
diejenigen, die sich in dem Bereich betätigen, einen An
spruch auf soziale Sicherheit haben. Aber dies muß man nicht
unbedingt an den Maßstäben des öffentlichen Dienstes mes
sen, und wir müssen auch sehen, daß auf der anderen Seite
Spontaneität und Kreativität, wenn sie gefördert werden,
nicht auf ewig erhalten bleiben können. Das heißt, dieses
Feld muß auch flexibel gehalten werden, um denjenigen, die
an anderer Stelle mit neuen Einfällen hervortreten, dann auch
helfen zu können, und nicht diejenigen weiter zu fördern, die
dieses vielleicht dann nicht mehr in dem Sinne verdienen.
Ich glaube, daß es wichtig ist, auch auf spektakuläre Aus
stellungen hinzuweisen, wie wir sie beispielsweise mit der
Max-Liebermann-Ausstellung und der Kirchner-Ausstellung in
der Nationalgalerie vorgefunden haben; auch die belgischen (C)
Realisten in der Kunsthalle
< Röster (CDU): Gegen die Realisten hat doch
keiner etwas gesagt! >
hatten ja einen breiten Zulauf. Ich meine, daß hier eine
Breitenwirkung erzielt worden ist, wie wir sie uns wünschen,
denn diese Ausstellungen sind in der Tat von der Bevölke
rung angenommen worden. Wir sehen darin einen Weg, über
den Besuch der Ausstellungen auch die Attraktivität der
Museen insgesamt zu erhöhen. Ich möchte auch die Kunst
halle und das neue Kunstgewerbemuseum erwähnen, weil
hier neue Ausstellungsmöglichkeiten für Berlin eröffnet wer
den.
Wir sind stolz darauf, daß das Bauhaus-Archiv nach den
alten Plänen in Berlin verwirklicht werden konnte, und dies an
einem so besonders geeigneten Ort. Wenn wir vom Bauhaus
sprechen, dann sprechen wir ja auch von Programmen, und
dieses Bauhaus hat Ausstrahlung in die ganze Welt. Hier
sollten künstlerische Maßstäbe und Qualität in alle Lebens
bereiche gebracht werden. Dies ist eine Aufgabe, die heute
noch genauso aktuell ist wie in der Zeit des Bauhauses.
< Beifall bei der SPD >
Zum Kammermusiksaal einige Anmerkungen: Wir freuen
uns sicher alle miteinander, daß trotz der zunächst bestehen
den Schwierigkeiten und Bedenken dieser Bau begonnen
werden kann, Neben der notwendigen Ergänzung zur Phil
harmonie sollten hier zwei Aspekte vorgetragen werden. Es
ist für gute Orchester in dieser Stadt eher möglich, auch
Spitzendirigenten zu gewinnen, wenn sie als Spielort die
Philharmonie anbieten können. Und ebenso die Chöre, die ja
auch unter dem Siegel der Breitenbeteiligung zu sehen sind,
haben viel eher die Möglichkeit, in angemessenem Rahmen
aufzutreten.
Wenn hier die Oper und die staatlichen Bühnen erwähnt
werden, so möchte ich einen heißen Punkt durchaus anspre
chen: Neue Intendanten. Das ist immer ein Thema, das be
gierig aufgegriffen wird. Da kann jeder ins Spekulieren kom-
men, da hat jeder seine Meinung und jeder äußert seine Mut- '
maßungen. In diesem Zusammenhang muß allerdings auf ein
Problem hingewiesen werden, das darin besteht, daß uns
natürlich einerseits daran liegt — und das ist auch beim Sena
tor ganz sicher der Fall —, immer die besten Leute für Berlin
zu gewinnen. Andererseits unterliegt aber diese Diskussion
der Forderung, dies in aller Öffentlichkeit auszutragen. Um
das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, kann man jedoch nicht
in jeder Phase alles öffentlich diskutieren, und es ist not
wendig, daß man demjenigen, der die Verhandlungen führt,
auch Vertrauen entgegenbringt.
< Rösler (CDU): Nur ihm? >
Und dieses Vertrauen bringt die SPD-Fraktion dem Senator
Sauberzweig für seine Vorhaben und seine Bemühungen un
eingeschränkt entgegen. Namens meiner Fraktion bitte ich
Sie um Zustimmung zum Haushalt für Kulturelle Angelegen
heiten.
< Beifall bei der SPD >
Präsident Lorenz: Das Wort hat der Abgeordnete Dr.
Kunze.
Dr. Kunze (F.D.P.): Herr Präsident! Meine Damen und Her
ren! Der Kulturhaushalt ist ein Dokument der finanziellen An
strengungen des Landes Berlin zur weiteren Stärkung des
Kulturbereichs in der Stadt. Die F.D.P.-Fraktion unterstützt
diesen Kurs nicht nur, sondern sie hat ihn in der Vergangen
heit gefordert und fordert ihn auch für die Zukunft.
Die kulturelle Bilanz hier aus Anlaß der Haushaltsberatun
gen zu ziehen, erbringt eine Reihe positiver Leistungen im
Kulturbereich. Die kulturelle Attraktivität der großen über
regionalen Institute ist erheblich, und diese erhebliche Attrak
tivität kann man auch nicht durch Herumfummeln an Haus
haltsplänen der Deutschen Oper wegwischen, Herr Dr. Bie-
wald, wobei ich Ihnen im übrigen zugebe, daß die Deutsche
Oper in der Tat einer kritischen Detailbetrachtung würdig und
zugänglich ist. Ich will das heute an dieser Stelle nicht tun.
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