Publication:
1979
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9474249
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 8. Wahlperiode
17. Sitzung vom 14. Dezember 1979
706
Wischner
(A) lagen, die uns zur Verfügung stehen, sagen zum Beispiel,
daß Hamburg einen niedrigeren Krankenstand als Berlin hat.
Aber, da wir das, glaube ich, hier nicht klären können, würde
ich anregen, daß wir das in der Tat einmal, und dann mit
Unterlagen, im zuständigen Fachausschuß klären. Allein mit
Behauptungen, Herr Sund, können wir diesem Problem nicht
gerecht werden. Sich hier hinstellen und die große Rede
halten, ohne daß uns die entsprechenden Unterlagen zur
Verfügung stehen, ist relativ einfach. Ich muß Ihnen sagen,
Herr Sund, eine Politik, die sich darauf beschränkt, mit Be
hauptungen zu arbeiten, alles zu beschönigen, kann unsere
Zustimmung nicht finden. Wir werden den Einzelplan 09 ab
lehnen.
< Beifall bei der CDU >
Stellv. Präsident Baeige: Als nächstes hat das Wort Frau
Abgeordnete Luuk. Bitte schön, Frau Luuk!
Frau Luuk (SPD): Herr Präsident! Meine Damen und Her
ren! Ich möchte zu der Arbeitsgruppe für die berufspolitischen
Belange der Frau einige Ausführungen machen, weil das
meine Kollegin, Frau Rick-Petry, ebenfalls getan hat.
Auch die Sozialdemokraten bedauern, daß diese Stelle
etwas schwer angelaufen ist. Wir möchten aber bei dieser
Gelegenheit nicht auf den Hinweis verzichten, daß wir das
erste Bundesland gewesen sind, das sich überhaupt dafür
eingesetzt hat, in unserem Bereich eine solche Stelle zu
schaffen, weil wir die Notwendigkeiten, hier tätig zu wer-
'den, Initiativen zu ergreifen, frühzeitig erkannt haben. Ich
meine, daß man den Wechsel in der Person, der hier vor
genommen worden ist, als ein Erschwernis anerkennen muß,
daß man aber sehen muß, daß die Konzeption damit nicht
verwechselt werden darf. Ich glaube, daß diejenigen, die sich
mit der Materie schon etwas länger beschäftigen, auch davon
Kenntnis haben, daß es in den verschiedenen Bundesländern
verschiedene Ansätze gibt-, die Gleichstellung der Frau, be-
(B) sonders im Arbeitsleben, zu verwirklichen. Ich darf aber auch
darauf hinweisen, daß dies nur Versuche in den A-Ländern
sind, denn CDU-Länder haben diese Aufgabe bis jetzt noch
nicht einmal als notwendig erkannt und auch keinen Versuch
gestartet, ihrerseits etwas Konstruktives zur Aufarbeitung
dieses Feldes beizutragen.
< Beifall bei der SPD >
Von daher spreche ich Ihnen die Berechtigung ab, sich in die
sem Bereich überhaupt an der Diskussion zu beteiligen, weil
Sie bis jetzt immer bestritten haben,
< Bock (CDU): Aber Dagmar, Maulkorb! >
daß wir es hier überhaupt mit Schwierigkeiten zu tun haben,
weil Sie ja sowieso meinen, *daß die Berufstätigkeit von
Frauen nicht gerade ein Anliegen ist, das Sie besonders
unterstreichen sollten.
Ich meine aber, daß insbesondere hier in Berlin ein kon
kreter Arbeitsansatz gefunden worden ist, und ich bin dem
Senator dafür dankbar, daß er die Schwierigkeiten der be
rufstätigen Frau in den Vordergrund des Aufgabengebietes
seiner Arbeitsgruppe gestellt hat. Das Hineinführen von Mäd
chen in sogenannte Männerberufe wird zu einem Schwer
punkt dieser Arbeitsgruppe gemacht, auch die wichtige Auf
gabe der Wiedereingliederung von Frauen nach der Beendi
gung ihrer Familienpflichten wird angepackt, das heißt, es
wird Hilfestellung gegeben für diejenigen Frauen, die etwa
40 Jahre alt sind; und schließlich wird,im Zusammenhang mit
der Anpassung an die EG-Richtlinie auch den diskriminieren
den Tatbeständen auf dem Arbeitsmarkt nachgespürt.
Ich meine, hier ist ein neues Feld eröffnet worden, und es
sind verschiedene Ansätze denkbar. Wir haben in Berlin die
sen gewählt, aber auch unser Arbeitsansatz kann und muß
weiterentwickelt werden, wenn wir unsere Konzeption nach
einer gewissen Erfahrungsphase mit denen in den anderen
Bundesländern vergleichen.
Stellv. Präsident Baetge: Frau Abgeordnete, erlauben Sie
zwei Zwischenfragen?
Frau Luuk (SPD): Vielleicht darf ich den Satz zu Ende füh- (q
ren. Ich möchte den Senator darin unterstützen, diese Auf
gabe nach dem jetzt vorgelegten Konzept weiterzuführen und
möchte dafür eintreten, daß nach einer Erfahrungsphase auch
die Kompetenzen erweitert werden können, wenn man er
kennt, daß der Bereich, den man sich zu regeln vorgenommen
hat, läuft, und wenn man sieht, daß darüber hinaus noch Tat
bestände aufgeliefert sind, erkannt sind, die man nur mit
einer Erweiterung der Kompetenzen in den Griff bekommen
kann.
< Beifall bei der SPD >
Stellv. Präsident Baeige: So, nachdem der Satz zu Ende ist,
werden Sie sicher die Frage des Kollegen Wronski beant
worten. Herr Wronski, Sie haben jetzt das Wort.
Wronski (CDU): Frau Kollegin Luuk, können Sie für mein
Verständnis einmal definieren, welchen Personenkreis Sie
meinen, wenn Sie von berufstätigen Frauen sprechen?
Stellv. Präsident Baetge: Gleich anschließend ist noch eine
Rrage von Frau Wiechatzek, darf ich vorsorglich fragen, ob
Sie die auch beantworten wollen?
Frau Luuk (SPD): Ja, ich weiß nicht, Herr Wronski, ob Sie .
hier witzige Einlagen geben wollen? i
< Beifall bei der SPD und der F.D.P. — Unruhe >
Berufstätige Frauen sind diejenigen Frauen, die im Erwerbs
leben stehen, die ihren Beruf ausüben, die irgendwo einer
bezahlten Arbeit nachgehen. Das ist doch wohl auch für Sie
klar.
Was machen denn die Hausfrauen anderes? >
Stellv. Präsident Baetge: Jetzt noch die Frage von Frau
Wiechatzek.
Frau Wiechatzek (CDU): Frau Kollegin Luuk! Da Sie sich ^
so für die berufstätigen Frauen einsetzen, frage ich Sie, was
machen Sie eigentlich für die Frauen, die als Beruf schlicht
und ergreifend den der Hausfrau und Mutter haben?
Dolata (CDU): Die tun wohl nichts, was? —
Beifall bei der CDU >
Frau Luuk (SPD): Frau Wiechatzek! Sie haben es vielleicht
nicht mitbekommen, daß wir im Moment den Etat des Sena
tors für Arbeit und Soziales beraten. Und in dem Bereich
geht es um die Arbeitsgruppe für die berufspolitischen Be- ,
lange der Frau. Zur Nachhilfe! Und das ist hier der Punkt,
um den wir uns besonders kümmern.
< Beifall >
Das andere Thema können Sie doch nachher noch loswerden,
wenn wir uns dem Familienetat zuwenden. Und da werden Sie
sehen, daß auch dort eine ganze Menge Initiativen von
Sozialdemokraten auf den Weg gebracht worden sind, auch
wenn Sie die nicht zur Kenntnis nehmen.
< Beifall bei der SPD und der F.D.P. —
Wischner (CDU): Sie können wohl keine Antwort geben? —
Vetter (CDU): Lassen Sie sich mal eine bessere Rede
schreiben! — Beifall bei der CDU >
Stellv. Präsident Baetge: Meine Damen und Herren! Wei
tere Wortmeldungen liegen nicht vor. Ich komme deshalb
zur Abstimmung über die Einzelpläne 09 und 39 unter Be
rücksichtigung der Änderungen gemäß Drucksache 8/236.
Wer ihnen zustimmen will, den bitte ich um das Handzei
chen. — Danke schön! Wer stimmt dagegen? — Wer enthält
sich? — Das erste war die Mehrheit, es ist so beschlossen.
Ich habe jetzt eine sehr erfreuliche Mitteilung zu machen
und darf im Namen des PräsiBiums, und ich denke, sicher
auch des ganzen Hauses, der Kollegin Christa Flur recht
herzlich zum Geburtstag gratulieren.
< Beifall >
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