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Volume Nr. 37, 14.10.76

Full text : Plenarprotokoll (Public Domain) Ausgabe 1976, 7. Wahlperiode, Band II, 20.-45. Sitzung (Public Domain)

Abgeordnetenhaus  von  Berlin  -  7.  Wahlperiode

87.  Sitzung  vom  14.  Oktober  197ß

tete:  Wissen  Sie,  unsere  Kunden  sind  die  öffentlichen
Dienststellen;  die  bezahlen  ja  aus  dem  Haushalt;  uns  kann
also  gar  nichts  passieren!  —  Wenn  so  von  der  Innenverwaltung ­
  gesprochen  wird,  sollte  man  sich  dies,  meine  Damen ­
  und  Herren,  noch  einmal  auf  der  Zunge  zergehen  lassen. ­
  Ich  habe  mir  in  diesem  Fall  sogar  das  Tonband  von
der  Sitzung  ganz  genau  angehört,  weil  das  meiner  Meinung
nach  ein  unerhörter  Vorgang  ist,  wenn  Personen  als  Vertreter ­
  der  Innenverwaltung  eine  solche  Auffassung  vertreten. ­

Meine  Damen  und  Herren!  In  den  Ausschüssen  ist  bereits ­
  das  Für  und  Wider  dieses  Antrags  diskutiert  worden.
Mir  lag  jedoch  daran,  Ihnen  an  einigen  Punkten  —  und
diesen  Hinweis  richte  ich  ganz  speziell  an  die  Vertreter  und
Mitglieder  der  Regierungsfraktionen  —  ein  wenig  deutlich
zu  machen,  was  dort  alles  im  argen  liegt.  Ich  möchte  Ihnen
auch  damit  die  Möglichkeit  geben  und  die  Entscheidung
erleichtern,  diese  Beschlußempfehlungen  der  Ausschüsse  abzulehnen. ­
  Denn  eines  ist  doch  gewiß;  Das  Lamentieren  über
den  Haushalt  und  das  Bekenntnis  zum  Sparen  allein  genügt
nicht.  Meiner  Ansicht  nach  sollten  Taten  folgen;  und  aus
diesem  Grunde  bitte  ich  Sie  um  Ablehnung  der  Beschlußempfehlungen. ­
  —  Ich  danke  Ihnen!
(Beifall  bei  der  CDU)

Steüv.  Präsident  Sickert:  Das  Wort  hat  Herr  Abgeordneter ­
  Gollnick.

Gollnick  (SPD):  Herr  Präsident!  Meine  Damen  und  Herren! ­
  Zunächst  herzlichen  Dank  an  den  Berichterstatter.
Dort  sind  die  Meinungen  ja  deutlich  zum  Ausdruck  gekommen. ­
  Die  Fraktionen  haben  sich  ja  im  Innenausschuß  geäußert, ­
  und  der  Berichterstatter  hat  dies  vorgetragen.
Ganz  kurz:  Herr  Kollege  Führer,  fest  steht  eines:  Ihre
These,  die  Sie  hier  vortragen,  trägt  nicht  weit.  Sie  können
uns  das,  was  Sie  auch  im  Innenausschuß  gesagt  haben,  ja
nicht  belegen.  Ich  glaube,  Sie  haben  das  Wesen  der  SBV
gar  nicht  mitbekommen  oder  erkannt.
(Abg.  von  Kekulö:
Ihr  Wesen  ist,  daß  sie  zu  teuer  ist!)
—  Ich  glaube,  auch  Sie,  Herr  von  Kekule,  haben  offenbar
nicht  begriffen,  welche  Aufgaben  die  SBV  hat!  —
(Abg.  Boehm:  Welche  Aufgabe  hat  sie  denn  nun?
Erzählen  Sie  doch  mal!)
—  Sie  hätten  dem  Berichterstatter  lauschen  können,  dann
hätten  Sie  mitbekommen,  wie  wir  zu  dieser  Frage  stehen!
—  Ich  darf  nur  noch  einmal  folgendes  sagen:  Die  SBV  ist
eine  Einrichtung,  die  sich  seit  1917  für  die  Versorgung  der
Berliner  Betriebe  bewährt  hat.
(Abg.  Wronski:  Seit  wann?)
—  Seit  1917,  Herr  Kollege  Wronski!  —  Sie  hat  sich  bewährt; ­
  und  sie  hat  sich  deshalb  bewährt,  weil  sie  verhindert, ­
  daß  im  Bereich  der  Berliner  Behörden  offenbar  untereinander ­
  ein  Wettbewerb  initiiert  wird,  wie  Sie  glauben,
private  Marktwirtschaft  in  den  Bereich  der  Betriebe  hineintragen ­
  zu  wollen.

Stellv.  Präsident  Sickert:  Herr  Abgeordneter  Gollnick,
gestatten  Sie  eine  Zwischenfrage?

Gollnick  (SPD):  Nein!  Ich  glaube,  der  Herr  Berichterstatter ­
  hat  alles  klargelegt.  —  Ich  darf  nur  noch  einmal
zusammenfassend  für  meine  Fraktion  sagen:  Ich  bitte  für
meine  Fraktion,  daß  Sie  unserer  Beschlußempfehlung,  die
wir  im  Innenausschuß  mit  Mehrheit  gefaßt  haben,  zustimmen. ­
  —  Schönen  Dank!
(Beifall  bei  der  SPD  und  der  F.D.P.)

Stellv.  Präsident  Sickert:  Das  Wort  hat  der  Abgeordnete
Krüger.

Krüger  (F.D.P.):  Herr  Präsident!  Meine  sehr  verehrten
Damen  und  Herren!  Der  Berichterstatter,  Herr  Dr.  Conen,
hat  ja  hier  ausführlich  über  die  Beschlußlage  im  Ausschuß
gesprochen.  Herr  Kollege  Gollnick  hat  bereits  Ausführungen ­
  hierzu  gemacht.  Ich  habe  keine  Lust,  mich  hier  zu  dieser ­
  späten  Stunde  besonders  zu  produzieren.
(Abg.  Wronski:  Denken  Sie  an  Lambsdorff!)
Ich  könnte  meine  Redezeit  voll  ausnutzen.  Ich  nehme  aber
Rücksicht  auf  das  Haus  und  erkläre  für  die  F.D.P.-Fraktion:
  Wir  stimmen  der  Beschlußempfehlung  zu  und  lehnen
den  Antrag  der  CDU-Fraktion  ab.  —  Danke!
(Beifall  bei  der  F.D.P.  und  der  SPD)

Stellv.  Präsident  Sickert:  Das  Wort  hat  Herr  Abgeordneter ­
  Boehm.

Boehm  (CDU):  Herr  Präsident!  Meine  Damen  und  Herren! ­
  Es  ist  hier  gesagt  worden,  daß  die  Erklärungen  unseres ­
  Kollegen  Führer  nicht  belegt  seien.  Ich  möchte  das  richtigstellen. ­
  Vor  dem  Ausschuß  für  Wirtschaft  ist  in  ganz
ungewöhnlicher  Weise,  wie  es  sonst  gar  nicht  möglich  ist,
belegt  worden,  und  zwar  anhand  von  Rechnungen,  die  sogar ­
  ungewöhnlicherweise  —  was  sonst  nie  geschehen  kann
-—  in  Fotokopien  der  SPD-Fraktion  und  den  Senatsvertretern ­
  zur  Einsichtnahme  übergeben  worden  sind,  daß  eine
Einrichtung,  die  nur  ein  Abnehmer  mittleren  Ausmaßes  ist,
bei  Privaten  zum  selben  Preis  eingekauft  hat,  wie  die  SBV
als  Großabnehmer.  Diese  hat  gewissermaßen  als  Zwischenstelle ­
  eingekauft,  um  dann  natürlich  mit  entsprechenden
notwendigen  Aufschlägen  weiterzugeben.  Daran  ist  einwandfrei ­
  bewiesen  worden,  daß  die  SBV  wirtschaftlich
überflüssig  ist  und,  da  sie  natürlich  mehr  erheben  muß  als
den  Preis,  zu  dem  sie  einkauft,  dann  eben  auch  für  den
Haushalt  eine  Belastung  darstellt.
(Sen  Neubauer:  Ist  sie  ja  nicht!)
—  In  dem  Augenblick,  lieber  Herr  Senator  Neubauer,
(Weitere  Zurufe  von  Sen  Neubauer)
in  dem  andere  zum  gleichen  Preis  —  hören  Sie  doch  bitte
mal  zu,  Herr  Neubauer  —  einkaufen  oder  verkaufen,  wie
die  SBV  einkauft,  ist  es  doch  klar,  daß  dies  eine  wirtschaftliche ­
  Fehlrechnung  ergeben  muß.  Und  nun  will  ich  Ihnen
sagen,  was  auch  eben  hier  anklang;  Ihr  Hauptargument:
„Eine  seit  1917  bewährte  Einrichtung“  —  das  ist  das  reaktionärste ­
  Argument,  das  ich  je  gehört  habe!
(Beifall  bei  der  CDU)
Es  ist  auch  davon  gesprochen  worden  —  das  will  ich  zugestehen ­
  —,
(Abg.  Wronski:  Geht  doch  bis  Kaiser  Wilhelm
zurück,  da  gab’s  noch  ein  Drei-Klassen-Wahlrecht!)

daß  die  Beschäftigung  der  öffentlich  Bediensteten  bei  der
SBV  ein  Problem  darstelle.  Das  soll  zugestanden  werden.
Aber  ein  Personalkörper  von  über  100  000  —  rechnen  Sie
es  zurück  auf  das  Land  Berlin  ohne  Einbeziehung  der  Bezirke ­
  —  muß  doch  die  Möglichkeit  haben,  bei  allmählichem
Abbau  der  SBV  diese  Menschen  unterzubringen.  Jedenfalls
steht  doch  fest,  daß  aus  Gründen  sparsamer  Haushaltswirtschaft ­
  nicht  eine  Einrichtung  aufrechterhalten  werden  kann,
nur  weil  dort  Beschäftigte  vorhanden  sind,  die  anderweitig
unterzubringen  eine  Verwaltung  nicht  genug  Phantasie
hat.
Und  so  ging  es  in  der  Argumentation  weiter.  Mir  lag  ln
erster  Linie  daran,  darzustellen,  daß  im  Ausschuß  für  Wirt-1561


            
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