Abgeordnetenhaus von Berlin - 6. Wahlperiode
51. Sitzung vom 34. Mai 1978
1887
sporttreibenden, möglichst noch mit Motoren auf den Gewässern,
und den Erholungssuchenden, den Spaziergängern
an den Ufern. Ich wage hier die Behauptung, daß es zehnmal
so viele Berliner gibt, die ihre Erholung am Wochenende
auf Booten finden, die mit Motoren ausgestattet sind,
(Zuruf von Frau Abg. Renner)
wie Berliner Fußgänger und sonstige Erholungsuchende
an den Ufern, die sich von dem Geräuschpegel der Motore
gestört fühlen. Bitte beweisen Sie mir das Gegenteil.
(Heiterkeit — Frau Abg. Renner: Motorboote
müssen Sie mit Autos vergleichen!)
— Das tun Sie des öfteren auch, bzw. Sie geben sich gar
nicht erst die Mühe, die Dinge vorher zu untersuchen.
Ich möchte zum Schluß noch darauf hinweisen, daß Sie
mit diesem Verbot ganz eindeutig Ihre spezielle Wählerschicht
— wie Sie immer behaupten — treffen, nämlich
die Arbeitnehmer. Den Selbständigen und den Freiberuflern
ist es noch eher möglich, ihre Arbeitszeit so einzurichten,
daß sie auch unterhalb der Woche mit ihren Booten fahren
können. Aber da Sie unbelehrbar sind, werden Sie sich
unseren Argumenten ja nicht anschließen, und es werden
Ihnen andere Instanzen diese Einsichten beibringen müssen,
seien es die Gerichte, seien es die Wähler mit dem
Stimmzettel; am liebsten alle beide.
(Beifall bei der CDU und der F.D.P.)
Stellv. Präsident Lorenz: Das Wort hat der Abgeordnete
Ritter.
Ritter (SPD); Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Ich wollte nicht auf die einzelnen Ausführungen der
Sprecher der Opposition eingehen, aber nach den letzten
Äußerungen muß ich dazu etwas sagen. Ich wollte deshalb
nicht darauf eingehen, weil ich der Meinung bin, daß man
— wenn alles Unsinn ist — nicht mehr darüber sprechen
muß.
(Abg. Diepgen: Das ist das Arbeitnehmerherz!)
Wenn Sie sagen, wir hätten die Vorschläge der Opposition
abgelehnt, Herr Wahl, dann muß ich fragen: Wo liegen
denn Ihre Vorschläge? Sie schmücken sich doch jetzt —
Sie haben vorhin von den Wasservögeln gesprochen —
mit diesen Federn, die andere erarbeitet haben, und sagen:
Wir lehnen Ihre Vorschläge ab. — Sie haben bis jetzt
keine Vorschläge gebracht.
(Beifall bei der SPD — Abg. Diepgen: Der
ist einsichtig!)
Sehr geehrter Herr Gomann! Ich habe die Ehre gehabt, mit
Ihnen oft über Motorboote zu diskutieren; ich muß Ihnen
heute sagen: Ich bin kein Fachmann, denn ich bin kein
Motorbootbesitzer — im Gegensatz zu Urnen —
(Abg. Gomann: Ich bin Segler!)
— Ja, Motorsegler mit 49 PS!
(Heiterkeit)
Sie haben vorhin erwähnt, die CDU habe gut durchdachte
Vorschläge gebracht, und Sie haben weiter gesagt: Blinder
Ehrgeiz schadet nur. — Das gilt aber für beide Seiten.
Ich bedanke mich für Ihre Vorschläge, und vor allen
Dingen habe ich Sie bewundert, daß Sie ihre dreistündige
Nachtübung am Ufer der Seen verbracht und festgestellt
haben, daß Sie nichts gehört haben. Das ist doch eine Bestätigung;
dann unterstützen Sie doch unsere Sache, dann
spielt es doch gar keine Rolle, ob diese Verordnung herauskommt.
Wenn sowieso filchts los ist, kann sich doch
kein Mensch aufregen, daß wir ein Nachtverbot machen!
(Beifall bei der SPD — Zurufe von der CDU)
Stellv. Präsident Lorenz: Gestatten Sie eine Zwischenfrage
?
Bitter (SPD): Bitte schön!
Stellv. Präsident Lorenz: Herr Abgeordneter Gomann!
Gomann (CDU): Herr Kollege Ritter! Würden Sie auch
das Schnarchen verbieten, nur weil Sie das Schnarchen
nicht hören?
Bitter (SPD): Herr Kollege Gomann! Wenn ich mit
Ihnen zusammen schlafen müßte: Ja!
(Heiterkeit und Beifall bei der SPD)
Stellv. Präsident Lorenz: Zu einer weiteren Zwischenfrage
— Herr Abgeordneter Wahl!
Bitter (SPD): Nicht so drängeln!
Wahl (F.D.P.): Herr Kollege! Ist Ihnen entgangen, daß
Herr Gomann doch etwas gehört hat, nämlich zum Beispiel
die Musikdampfer ?
Bitter (SPD): Die Musikdampfer, die sind ja auch hierbei
nicht ausgeschlossen, die werden wir auch weiterhin
hören.
(Zurufe von der CDU — Beifall bei der SPD)
Stellv. Präsident Lorenz: Zu einer weiteren Zwischenfrage
— Herr Abgeordneter Gomann!
Bitter (SPD): Gestatten Sie, Herr Gomann, noch eine
Bemerkung dazu. Herr Wahl, Sie müssen den Gesetzestext
oder die Verordnung richtig durchlesen: dies haben Sie bis
jetzt nicht gemacht, aber ich entschuldige das, da Sie gesagt
haben, Sie haben sie erst vor einer halben Stunde
bekommen. Lesen Sie sie, und dann unterhalten wir uns
in den Ausschüssen darüber. — Bitte schön, Herr Gomann!
Stellv. Präsident Lorenz: Herr Abgeordneter Gomann!
Gomann (CDU): Herr Kollege! Stimmen Sie mit mir
darin überein, daß Sie a) nicht wissen können, ob ich
schnarche, und b), daß man nicht etwas verbieten kann,
was nicht existiert ?
(Heiterkeit)