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Volume Nr. 51, 24.05.73

Full text : Plenarprotokoll (Public Domain) Ausgabe 1973, 6. Wahlperiode, Band III, 43.-65. Sitzung (Public Domain)

Abgeordnetenhaus  von  Berlin  -  6.  Wahlperiode

61.  Sitzung  vom  24.  Mai  1973

1868

d.  h.  auch  die  Universität  frei  zu  machen  von  einem  harten
Kern  von  Störern.  Dieser  harte  Kern  geht  hin  bis  zu  kriminellen ­
  Handlungen.  Da  sind  wir  völlig  einer  Meinung.
Dieser  harte  Kern  muß  auch  aus  der  Universität  raus.  Hier
gibt  es  genauso  klar  und  eindeutig  die  Zusage  des  Präsidenten ­
  Kreibich  wie  der  zuständigen  Senatsverwaltung.
Auch  das  ist  bei  uns  völlig  klar.  Nur  meine  ich,  helfen  wir
nicht  weiter,  wenn  wir  die  Diskussionen  auf  eine  völlig  andere ­
  Ebene  schieben.  Der  Präsident  hat  gegen  die  Störer,
die  aufgetreten  sind,  entsprechend  reagiert.  Auch  das  ist
nachzulesen.  Der  Präsident  hat  ebenso  in  einer  Vereinbarung ­
  mit  den  zuständigen  Senatsdienststellen  und  mit
Herrn  Scheler  völlig  klargestellt,  wie  reagiert  werden  soll,
und  ich  nehme  an,  diese  Klarstellung  ist  Ihnen  aus  der
Presse  auch  bekannt.  Ich  darf  sie  vielleicht  noch  einmal  —
damit  das  hier  auch  für  uns  so  deutlich  wird  —  in  einigen
Punkten  zitieren.  Herr  Scheler  hat  völlig  klar  ausgedrückt,
daß  er  die  Maßnahmen,  die  zu  seinem  Schutz  und  zum
Schutze  seiner  Lehrveranstaltungen  getroffen  worden  sind,
unter  den  gegebenen  Umständen  für  ausreichend  hält.  Der
Senator  für  Wissenschaft  und  Kunst  wird  auch  ln  Zukunft
alles  in  seinen  Kräften  Stehende  tun,  um  Aktionen  gegen
Professor  Scheler  entgegenzutreten.  Er  beobachtet  mit
großer  Sorge  die  Kriminalisierung  einzelner  Gruppen,  die
an  der  Universität  vorhanden  ist.
(Zuruf  von  Abg.  Boroffka)
Das  Ist  noch  einmal  völlig  klar  gesagt  worden,  und  man  hat
vereinbart,  daß  weitere  Besprechungen  Im  Bereich  des
Englischen  Seminars  erfolgen  werden,  daß  die  Maßnahmen
zur  Abwehr  von  Störungen  nach  Abstimmung  zwischen  den
Verantwortlichen  festgelegt  werden  sollen  und  daß  die
Anwesenden  den  Präsidenten  auffordem,  die  Maßnahmen
zu  treffen,  die  er  für  sinnvoll  hält.  Ich  glaube,  auch  das  ist
eine  völlig  klare  Sache.
Ich  würde  Sie  also  bitten,  wenn  wir  hier  in  der  Aktuellen
Stunde  das  Problem  Universität  weiter  diskutieren,  auf  die
Sachebene  zurückzukommen.  Sie  können  ja  vielleicht  hier
noch  helfende  Vorschläge  machen,  wie  man  weiter  verfahren ­
  kann.
Wir  sind  der  Auffassung,  daß  der  Senat  bisher  das
Seinige  dazu  getan  hat  und  es  auch  weiter  tun  wird,
(Zurufe  von  der  CDU)
desgleichen  auch  die  Präsidenten  der  Universitäten.  —
Schönen  Dank!
(Beifall  bei  der  SPD)

Präsident  Sickert:  Das  Wort  hat  der  Abgeordnete  Rasch.

Basch  (F.D.P.);  Herr  Präsident!  Meine  Damen  und
Herren!  Lassen  Sie  mich  zunächst  einmal  die  Frage  stellen
nach  der  Funktion,  nach  dem  Sinn  und  Zweck  dieser
Aktuellen  Stunde.  Ich  glaube,  wir  sind  uns  einig  darin,  daß
es  hier  darum  gehen  muß  in  diesem  Hause,  der  Öffentlichkeit ­
  gegenüber  und  auch  selbstverständlich  den  Universitäten ­
  gegenüber  die  Meinung  des  Parlaments,  aller  drei
Fraktionen,  in  sachlicher  und  objektiver  Weise  zu  sagen.
Dieses  wollen  wir  tun.  Was  wir  aber  nicht  tun  sollten,  ist,
hier  in  Formen  von  verbaler  Radikalität  Maßnahmen  zu
fordern,  ohne  erstens  konkrete  Vorschläge  machen  zu  können, ­
  und  das  werden  wir  in  diesem  Kreise,  hier  in  diesem
Haus  gar  nicht  tun  können  —,  und  zweitens  auf  Tatbestände ­
  hinzuweisen  oder  Aktivitäten,  z.  B.  den  Tod  eines
Mitarbeiters  hier  ln  die  Diskussion  zu  bringen  —  die  letztendlich ­
  nicht  helfen,  sachlich  und  objektiv  die  Situation
zu  schildern.
(Zurufe  von  der  CDU)
Ich  darf  die  Frau  Kollegin  Dr.  Besser  darauf  hinweisen,
daß  der  Tod  von  Professor  von  Herrath  nach  meiner
Überzeugung  —  und  ich  kenne  sogar  die  näheren  Umstände ­
  —  überhaupt  nichts  mit  der  Radikalität  an  der  Universität, ­
  mit  den  politischen  Konflikten  zu  tim  hat.
(Zurufe  von  der  CDU)

Ich  würde  da  sehr  vorsichtig  sein.  Außerdem  möchte  ich
um  eines  bitten  —  und  das  ist  eine  grundsätzliche  Frage,
die  hier  schon  angesprochen  worden  ist  —,  derartige
menschliche  und  tragische  Dinge,  die  in  ihrem  Ursprung
außerhalb  des  medizinischen  Bereiches  gar  nicht  zu  klären
sind,  hier  nicht  in  einer  Form  mit  einzuspielen,  die  wirklich
die  Gefahr  einer  tendenziellen  Debatte  beinhaltet.
Wir  sind  uns  darüber  einig,  daß  die  Probleme  an  den
Universitäten  nicht  einfach  sind,  ja  daß  dort  Situationen
krimineller  Handlungen  bestehen.  Wir  sind  uns  auch  darin
einig,  daß  dagegen  entschieden  vorgegangen  werden  muß.
(Zuruf  von  der  CDU:  Na,  endlich!)
Wir  sind  uns  aber,  Herr  Kollege  Lemmer,  nicht  einig  darüber, ­
  wie  man  das  wahrscheinlich  im  Einzelfalle  tun  kann.
Nun  lassen  Sie  mich  dazu  hier  auch  ein  offenes  Wort  sagen:
Ich  habe  im  Ausschuß  für  Wissenschaft  und  Kunst  schon
mehrfach  gefordert,  zusammen  mit  den  Hochschulen,  zusammen ­
  mit  den  Universitätspräsidenten,  mal  eine  politische ­
  Debatte  zu  führen,  wie  man  in  ganz  bestimmten
Konfliktsituationen  mit  den  Hochschulen  klarkommen  kann,
welche  Vorschläge  wir  haben,  welche  Vorschläge  die  Universitäten ­
  haben.  Dieses  habe  ich  gefordert.  Dieser  Ausschuß ­
  und  auch  Ihre  Fraktion  ist  nie  auf  diese  Forderung
eingegangen!  Sie  stellen  hier  spektakuläre  Forderungen
auf,  die  in  der  Tendenz  richtig  sind.  Wir  wollen  die  Probleme ­
  lösen,  aber  konkrete  Beiträge  im  zuständigen  Ausschuß ­
  leisten  Sie  nicht,  ja  die  konkrete  Diskussion,  die
führen  Sie  dazu  in  den  zuständigen  Gremien  nicht.  Und
das  bedaure  ich  außerordentlich,  und  deswegen  muß  ich
den  Sinn  und  Zweck  dieser  Aktuellen  Stunde  so,  wie  Sie  sie
hier  beantragt  haben,  in  Zweifel  stellen.  Ich  bin  für  meine
Fraktion  bereit,  dazu  den  Beitrag  zu  leisten.  Wir  müssen
gegen  ganz  bestimmte  Entwicklungen  krimineller  Handlungen ­
  an  den  Universitäten  eintreten,  dagegen  Vorgehen,
zusammen  mit  dem  Senat  von  Berlin,  zusammen  mit  den
Universitäten;  denn  nur  zusammen  mit  den  Universitäten
werden  wir  diese  Probleme  lösen  können,  nicht  ohne  sie.  —
Ich  danke  Ihnen.
(BeifaU)

Präsident  Sickert:  Das  Wort  hat  der  Abgeordnete  Dr.
Biewald.

Dr.  Biewald  (CDU):  Herr  Präsident!  Meine  Damen  und
Herren!  Wenn  ich  zunächst  einmal  den  Kollegen  Schulze
und  Rasch  antworten  darf:
In  sechs  Jahren  ist  die  Streikbewegung  schon  in  großem
Maße  abgewiegelt  worden.  Damit  kommen  wir  nicht  weiter.
Und  wenn  ich,  Herr  Kollege  Schulze,  hier  oben  stehe,  dann
eigentlich  nur,  um  Ihnen  die  Historie  dessen,  was  jetzt
als  Bruchhaufen  vor  uns  liegt,  vor  Augen  zu  halten  und
Ihnen  Dinge,  die  zu  Ereignissen  um  Prof.  Scheler  gehören,
noch  einmal  klar  zu  machen.  Anscheinend  ist  es  bisher
immer  noch  nicht  bewußt  geworden,  was  da  angerichtet
worden  ist.
(Zuruf  des  Abg.  Dr.  Rass)
Dazu  möchte  ich  zunächst  einen  Hochschullehrer  anführen, ­
  der  es  sich  —  ich  zitiere  —  „nicht  bequem  macht,
indem  er  dann  ausfallen  läßt,  wenn  der  Staat  ihn  nicht
schützt,  sondern  der  in  unser  aller  Auftrag  zu  seinen  lemwilligen
  Studenten  steht,  selbst  wenn  er  dafür  Prügel  bezieht.“ ­
  Gemeint  ist  Herr  Professor  Dr.  Manfred  Scheler.  Als
Professor  Scheler  in  den  vergangenen  Semestern  —  ich  zitiere ­
  wieder  —  „Rede-  und  Kritikfreiheit  nur  auf  Stoff  und
Methode  zulassen  wollte,  aber  keine  Politpropaganda  und
Agitation  zur  Indoktrlnierung“,  entfachte  der  KSV  persönlichen ­
  Terror  gegen  Professor  Scheler.  Scheler,  der  an  den
Senator  schreibt,  wird  abgewiesen  mit  dem  Hinweis,  der
FU-Präsident  würde  sich  darum  kümmern.  Der  Präsident
reagiert  nicht,  aber  der  KSV:  Die  Vorlesungen  werden  bestreikt, ­
  die  Vorlesungen  Professor  Schelers  werden  gesprengt. ­

            
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