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Volume Nr. 51, 24.05.73

Full text : Plenarprotokoll (Public Domain) Ausgabe 1973, 6. Wahlperiode, Band III, 43.-65. Sitzung (Public Domain)

Abgeordnetenhaus  von  Berlin  -  6.  Wahlperiode

51.  Sitzung  vom  24.  Mai  1973

1864

D-Mark,  macht  es  erforderlich,  neben  einer  Aufstockung
der  Kreditmarktmittel  um  95  Mio  DM  auch  vom  Gesamtvolumen ­
  des  Haushalts  etwas  abzustreichen,  und  zwar  eine
Kürzung  der  Ausgaben  um  50  Mio  DM.  Dabei  sei  erwähnt, ­
  daß  40  Mio  DM  von  der  Hauptverwaltung  und  nur
10  Mio  DM  bei  den  Bezirken  gekürzt  werden  sollen.
Diesen  vom  Senat  vorgeschlagenen  Kürzungen  ist  der
Hauptausschuß  aber  nicht  in  allen  Fällen  gefolgt.  Der
Ausschuß  hat  zwar  am  Volumen  dieser  Kürzungen  nichts
geändert,  wohl  aber  die  Akzente  etwas  anders  gesetzt,  well
er  der  Meinung  war,  daß  insbesondere  für  fürsorgerische
Bereiche  die  finanziellen  Möglichkeiten  nicht  eingeengt
werden  sollten.  So  hat  der  Senat  u.  a.  vorgeschlagen,  die
Ansätze  für  Erholungsreisen,  für  die  Familienerholung  und
für  die  vorbeugende  Gesundheitshilfe  um  insgesamt  rund
620  000  DM  zu  kürzen,  den  größten  Teil  davon  im  Haushalt
der  Bezirke.  Hier  waren  alle  drei  Fraktionen  im  Hauptausschuß ­
  sich  einig  darin,  diese  Beträge  nicht  zu  kürzen,
und  man  war  sich  ebenso  darin  einig,  entsprechende  Abstriche ­
  an  anderer  Stelle  vorzunehmen.  Das  Ergebnis  dieser
Umschichtung  finden  Sie  in  der  Drucksache  6/918,  und  zwar
im  wesentlichen  bezogen  auf  zwei  Positionen.  Einmal  handelt ­
  es  sich  um  den  Zuschuß  an  die  Freie  Universität  für
konsumtive  Zwecke,  der  nach  Meinung  des  Ausschusses,
gemessen  an  dem  Gesamtansatz  von  rund  415  Mio  DM,
r.'ch  eine  weitere  geringfügige,  sogar  sachlich  begründete
Kürzung  um  262  000  DM  verträgt,  und  zum  anderen  ist
betroffen  der  Ansatz  zur  Verbesserung  der  Wirtschaftsstruktur ­
  im  Haushalt  des  Senators  für  Wirtschaft  mit  einer
zusätzlichen  Minusrate  von  300  000  DM.
Insbesondere  im  zuletzt  genannten  Fall  hat  der  Ausschuß ­
  sich  davon  überzeugt,  daß  die  Maßnahmen  selbst
dadurch  nicht  eingeschränkt  werden  müssen,  zumal  diese
Etatposition  noch  mit  einer  Verpflichtungsermächtigung  in
Höhe  von  7,6  Mio  DM  versehen  ist,  die  es  ermöglicht,
längerfristige  Dispositionen  auf  diesem  Gebiet  einzuleiten.
Es  hat  in  der  Ausschußberatung  aber  auch  Punkte  gegeben, ­
  über  die  ein  Einvernehmen  nicht  erzielt  werden
konnte.  So  hatte  beispielsweise  die  CDU-Fraktion  beantragt, ­
  die  im  Grundschul-  und  Gymnasialbereich  vom
Senat  vorgeschlagenen  Kürzungen  für  Schul-  und  Hausgeräte ­
  von  insgesamt  163  000  DM  nicht  zu  akzeptieren
mit  der  Begründung,  daß  es  den  Reformbemühungen  auf
dem  Bildungssektor  widersprechen  würde,  wenn  an  dieser
Stelle  Abstriche  vorgenommen  würden.  Es  geht  hier  in  der
Tat  darum,  daß  lediglich  einige  Ersatzbeschaffungen  etwas
aufgeschoben  werden  müssen.  Selbst  die  Schulverwaltung
hat  anerkannt,  daß  sie  mit  diesem  Nachtragshaushaltsplan,
was  Kürzungen  anbetrilft,  sehr  schonend  behandelt  worden
ist  und  es  ihr  auch  möglich  sein  werde,  diese  Kürzung  ohne
besondere  Einbrüche  in  das  Beschaffungsprogramm  im
Rahmen  der  Haushaltswirtschaft  zu  verkraften.  Unter  diesen ­
  Umständen  ist  der  CDU-Antrag  von  der  Ausschußmehrheit ­
  abgelehnt  worden.
Ein  Antrag  der  CDU-Fraktion,  statt  dessen  die  Mittel
für  die  Berlin-Informationen  im  Haushaltsplan  der  Senatskanzlei ­
  zu  kürzen,  ist  ebenfalls  der  Ablehnung  verfallen.
Neben  diesen  Veränderungen  am  Zahlenwerk  schlägt
Ihnen  der  Hauptausschuß  auch  eine  Ergänzung  zum  Gesetzestext ­
  vor:  Mit  einem  neuen  §  3  soll  der  Senat  ermächtigt ­
  werden,  als  Übergangsregelung  zur  Abdeckung  steigender ­
  Schülerzahlen  sowie  zur  Senkung  der  Frequenzen  in
den  Anfangsklassen  der  Grundschule  bis  zu  insgesamt  542
Lehrerstellen  frühestens  zum  1.  August  1973  neu  zu  schaffen. ­
  Diese  Stellen  sollen  dann  wieder  wegfallen,  wenn  entsprechende ­
  Stellen  in  den  Haushaltsplan  aufgenommen
worden  sind.  Diese  Frage  hat  bereits  in  der  I.  Lesung  durch
eine  entsprechende  Ankündigung  des  Senators  für  Finanzen
eine  Rolle  gespielt.  Insoweit  hat  der  Hauptausschuß  mit
seinem  Beschluß,  der  einstimmig  gefaßt  worden  ist,  daraus
jetzt  die  Konsequenzen  gezogen.
Die  beiden  Oppositionsfraktionen  haben  dem  Nachtragshaushaltsplan ­
  in  seiner  Gesamtheit  nicht  zugestimmt.
Wir  müssen  mit  diesem  Ersten  Nachtragshaushaltsplan,
einem  gewissen  Zwang  folgend,  unser  Etatvolumen  neu

festsetzen.  Sicher  aber  dürfen  wir  davon  ausgehen,  daß  wir
das  Beste  daraus  gemacht  haben  und  im  Ergebnis  nicht
daran  gehindert  sind,  unsere  ursprünglichen  Zielsetzungen
zu  erreichen,  zumal  auch  noch  einige  Zusagen  des  Bundes
im  Hintergrund  stehen,  hier  und  da  zu  helfen,  sofern  der
Haushaltsvollzug  das  erforderlich  machen  sollte.
Trotz  allem  haben  wir  sehr  wohl  Veranlassung,  dem  Bund
auch  diesmal  wieder  für  seine  Finanzierungszusage  zu
danken.  Mit  dieser  Schlußbemerkung,  meine  Damen  und
Herren,  darf  ich  Sie  bitten,  dem  Ersten  Nachtragshaushaltsplan ­
  1973  mit  den  Änderungsbeschlüssen  des  Hauptausschusses ­
  Ihre  Zustimmung  zu  geben.  —  Schönen  Dank.
(Beifall  bei  der  SPD)

Präsident  Sickert:  Meine  Damen  und  Herren!  Ich  eröffne ­
  die  II.  Lesung  und  schlage  vor,  die  Einzelberatung
der  vier  Paragraphen  miteinander  zu  verbinden.  —  Ich
höre  keinen  Widerspruch.  Wir  werden  so  verfahren.
Ich  rufe  auf  die  §§  1  bis  4,  die  Überschrift  und  die  Einleitung ­
  im  Wortlaut  der  Vorlage,  Drucksache  6/875,  unter
Berücksichtigung  der  Beschlußempfehlung  des  Hauptausschusses, ­
  Drucksache  6/918.  Hierzu  liegt  Ihnen  bereits
fotokopiert  ein  Abänderungsantrag  der  CDU-Fraktion  vor.

Der  dem  Gesetz  in  der  Drs.  6/875  als  Anlage  beigefügte ­
  erste  Nachtragshaushaltsplan  zum  Haushaltsplan ­
  von  Berlin  für  das  Rechnungsjahr  1973  wird
wie  folgt  geändert:
1.  HA  03  00  —  Senatskanzlei  —
Zur  Hst  531  02  —  Berlin-Informationen  —  wird
der  Betrag  in  der  Spalte  „Neuer  Ansatz  1973“
von  8  200  000,—  DM  auf  8  036  400,—  DM
(—163  600  —  DM)  festgesetzt.
2.  HA  37  30  —  Grundschulen  —
Zur  Hst  515  07  G  —  Schul-  und  Hausgerät  —
wird  der  Betrag  in  der  Spalte  „Ansatz  1973  —
Insgesamt"  von  2  009  000,—  DM  auf  2  109  000,—
D-Mark  (+  100  000,—  DM)  festgesetzt.
3.  HA  37  33  —  Gymnasien  —
Zur  Hst  515  07  G  —  Schul-  und  Hausgerät  —
wird  der  Betrag  in  der  Spalte  „Ansatz  1973  —
Insgesamt“  von  1  236  600,—  DM  auf  1  300  200,—
D-Mark  (+  63  600,—  DM)  festgesetzt.

Das  Wort  hat  der  Abgeordnete  Diepgen.

Diepgen  (CDU):  Herr  Präsident!  Meine  Damen  und
Herren!  Der  Herr  Berichterstatter  hat  hier  bereits  dargelegt, ­
  daß  es  in  einer  Reihe  von  Punkten  im  Hauptausschuß ­
  zu  einvernehmlichen  Änderungen  des  Nachtragshaushaltes ­
  1973  gekommen  ist.  Er  hat  auch  dargelegt,
daß  die  Oppositionsfraktionen  diesem  Nachtragshaushalt
aus  grundsätzlichen  Erwägungen  ihre  Zustimmung  nicht
gegeben  haben.  Bereits  in  der  I.  Lesung  in  diesem  Hause
hat  mein  Kollege  Mendel  die  grundsätzlichen  Bedenken
hier  vorgetragen,  und  wir  haben  deutlich  gemacht,  daß  es
sich  bei  diesem  Ersten  Nachtragshaushalt  um  ein  Stückwerk ­
  handelt,  weil  eine  Reihe  von  notwendigen  Veränderungen, ­
  die  jetzt  schon  sichtbar  ist,  nicht  berücksichtigt
ist.
Wir  haben  hier  durch  den  Herrn  Kollegen  Mendel  deutlich
gemacht,  daß  allein  durch  die  Kürzung  der  Bundeshilfe
ein  Nachtragshaushalt  der  vorgelegten  Form  nicht  notwendig ­
  ist,  weil  Einsparungen  auch  nach  Kenntnisnahme
durch  das  Abgeordnetenhaus  durchaus  ohne  einen  solchen
            
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