87. Sitzung vom 15. Dezember 1966
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Stein
davon aus, daß die bezirklichen Interessen so gewahrt
bleiben, daß eben eine solche haushaltsrechtliche Rege
lung auch möglich ist.
Dasselbe, meine Damen und Herren, möchte ich von
der beabsichtigten Vereinigung des Konservatoriums
und der Hochschule für Musik sagen. Es liegt Ja heute
keine Entscheidung auf dem Tisch, nachdem der Haupt
ausschuß zunächst einmal zurückgestellt hat, dem ver
einigten Haushalt zuzustimmen. Wir werden eine Vor
lage machen. An Sie, Herr Abgeordneter Lorenz, ist ja
auf eine Kleine Anfrage eine Antwort unterwegs. Sie
, wird ja dadurch auch dem Hause zur Kenntnis kommen
und kann genau wie andere Vorlagen auf diesem Gebiet
zur Vorinformation dienen. Wir werden uns sehr be
eilen, die eigentliche Vorlage auf den Tisch zu bringen.
Immerhin bin ich dankbar, daß hier angedeutet worden
ist, unter welchen Voraussetzungen man diesen Schritt
sich vorstellen könnte. Das was Sie, Herr Abgeordneter
Lorenz, da angedeutet haben, ist eigentlich im Grunde
genommen genau unsere Absicht, so daß ich hoffe, daß
wir uns auch über diese Frage dann bald werden einigen
können.
Nun ein paar Gebiete auf dem Sektor der Kunst, die
hier angesprochen worden sind. Herr Abgeordneter
Dr. Walther, Sie haben mit Recht gesagt: Immer wird
hier gesagt, jetzt kommt die Festwochen-GmbH. Wann
kommt sie denn nun endlich? Nun, nachdem Sie mir
nachgewiesen haben, wie oft meine Prognosen falsch ge
wesen sind, bin ich natürlich jetzt ganz besonders vor
sichtig und sage keinen neuen Termin, sondern sage
nur, daß wir uns mit dem Bundesinnenministerium dar
über einig sind, daß wir jetzt in die letzte Runde der
Beratungen, wie ein GmbH-Vertrag zwischen dem Bund
und dem Lande Berlin aussehen müßte, eintreten, und
daß ich also der Meinung bin, daß damit wirklich die
letzte Runde eingeleitet ist und wir also sehr bald etwas
in der Hand haben werden.
(Abg. Dr. Walther: Gestatten Sie eine
Zwischenfrage ?)
— Bitte!
Dr. Walther (SPD): Noch in dieser Legislatur
periode ?
Dr. Stein, Senator für Wissenschaft und Kunst; Ich
hoffe es, Herr Abgeordneter Dr. Walther. Wenn man
von der Mitwirkung anderer abhängig ist, kann man nie
durch einseitige Erklärungen dieses Problem lösen. Ich
kann immer nur sagen, wir beeilen uns, wenn es an uns
gelegen hätte, hätten wir einen solchen Vertrag zwi
schen Bund und Berlin schon längst unterschreiben kön
nen. Sie wissen vielleicht, daß im Bund zwischendurch
einige Vorgänge gewesen sind, die vielleicht dem
Arbeitstempo nicht so förderlich waren, und dadurch
sind vielleicht auch Verzögerungen hervorgebracht wor
den. Wie gesagt, wir beeilen uns, und ich hoffe natürlich:
noch ln dieser Legislaturperiode. Ich hätte gehofft, es
wäre noch in diesem Jahr gewesen, aber Sie haben
Recht, diese Hoffnungen sind nicht in Erfüllung ge
gangen.
Nun, Herr Abgeordneter Lorenz, Sie haben gesagt,
ja wenn damit das und das erreicht wird, dann stimmen
Sie zu. Leider wird die Reihenfolge umgekehrt sein
müssen. Das heißt, Sie können selbstverständlich auch
ablehnen, aber im Moment der Zustimmung kann ja
niemand ganz genau wissen — auch beim besten Wil
len nicht —, was dann die Wirkung der GmbH sein wird.
Ich sage noch einmal, wir haben Gründe dafür, zu ver
muten, daß damit einige Probleme sich leichter lösen
lassen werden, aber ich werde nicht so leichtsinnig sein,
hier ein Versprechen abzugeben, das ja auch wieder da
von abhängt, daß andere da sind, die es durchkreuzen
können oder die es honorieren können. Also kann ich
nur sagen, wie ich die Lage einschätze. Ich bitte aber
noch einmal, und das möchte ich hier noch einmal mit
aller Deutlichkeit sagen: Diese GmbH-Gründung ist
nicht nur richtig und wichtig etwa für die Frage, ob
Oststaaten sich an den Berliner Filmfestspielen betei
ligen, sondern im Grunde genommen sind staatliche
Festspiele ein Unikum in der Welt, so wie wir sie bis
her durchgeführt haben mit einem Haushalt, der von
einem Parlament beschlossen und von einer Regierung
durchgeführt wird. Das gibt es an keiner anderen Stelle
der Welt. Es gibt gute Gründe dafür, solche Festspiele
in einer etwas anderen Form durchzuführen, und auch
das ist ein Grund dafür, weswegen wir versuchen, eine
GmbH hier zu erreichen, obwohl ich zugebe, daß der
andere Grund ein sehr gewichtiger ist, der mit dazu bei
getragen hat, diesen Versuch hier zu machen.
Nun, Sie haben gesagt: Wenn keine Bundesposition
dabei abgebaut werde. Ich darf Sie bitten, zu glauben,
daß wir keinerlei Interesse daran haben, das zu tun,
sondern daß wir hier im Gegenteil eine stärkere funk
tionale Beziehung zum Bund haben werden; denn es
wird kein Geheimnis sein, daß die beiden Träger dieser
Gesellschaft mit beschränkter Haftung der Bund auf
der einen Seite und das Land Berlin auf der anderen
Seite sind. Wir glauben also, daß damit keine Schwä
chung des Bundeseinflusses in Berlin erzielt wird, son
dern im Gegenteil er noch stärker hier in Berlin in
Erscheinung tritt, d. h. die funktionale Verflechtung
zwischen Berlin und dem Bund dadurch noch deutlicher
hervortritt.
Herr Abgeordneter Lorenz, Sie haben dann das sicher
lich sehr schwierige Problem der Privattheater an
gesprochen. Ich glaube, ich habe schon, als der Etat ein
gebracht wurde, gesagt, daß mit den 3,9 Millionen rund,
die unverändert geblieben sind — es ist da natürlich
eine gewisse Preissteigerung auch im nächsten Jahr zu
erwarten, falls die Konjunktur nicht ganz anders ver
läuft, was, nebenbei gesagt, auch kein Trost wäre —
damit zu rechnen sei, daß eher ein kleines Minus gegen
über dem eintritt, was wir in diesem Jahre hatten, — daß
also ich nach wie vor die Sorge habe, ob es auch im
neuen Haushaltsjahr noch gelingen kann, wie bisher
alle Berliner Privattheater über die Runden zu bringen.
Ich muß das ganz nüchtern und deutlich sagen, daß das
schwerer und schwerer wird und die Zweifel, ob das ge
lingt, auch größer werden. Ich glaube, daß es — ich
meine, das ist ein sehr relativer Erfolg — immerhin ein
Erfolg war, daß es überhaupt die ganzen Jahre bisher
so gegangen ist bei großen Schwierigkeiten, und ich
glaube, daß es im Grunde genommen auch für das Ber
liner System spricht, die Privattheater zu unterstützen,
möchte ich meinen. Und ich würde auf jeden Fall raten,
bevor man zu neuen Systemen kommt, sich erst einmal
zu vergewissern, ob das neue Verfahren tatsächlich bes
ser und effektiver ist als das alte. Man kann schnell
die Mängel eines vorhandenen Verfahrens erkennen,
kann aber dann noch nicht genau erkennen, ob das neue
Verfahren tatsächlich besser ist.
Nun, Sie haben zusammen mit den Privattheatern die
Freie Volksbühne in mehrfacher Hinsicht aufgeworfen.
Einmal haben Sie darauf aufmerksam gemacht, daß
Ihrer Meinung nach dieser Zuschuß an die Freie Volks
bühne e. V., d. h. also an die Besucherorganisation von
400 000,— DM dann auch der Theatergemeinde anteil
mäßig zukommen müßte. Ich sage hier ganz offen, daß
ich in Zukunft dafür eintreten werde, die Mittel, die
dem Theater der Freien Volksbühne zugedacht sind, im
Haushalt klarer und deutlicher auszuweisen. Daß das
noch nicht der Fall ist, ist ein Mangel, den ich mit zu
vertreten habe. Mir ist es also sozusagen nicht gelun
gen, Ihnen einen anderen Haushalt hier vorzulegen, als
so wie er ist. Ich bin der Meinung, daß dieses Haus in
der Schaperstraße an sich — sehen wir einmal im
Moment vom Spielplan ab — einer solchen stärkeren
Unterstützung bedürftig ist, einfach vom Haus her
schon bedürftig ist, wenn es so bespielt werden soll,
wie eben so ein Haus bespielt werden muß. Ich würde
auch der Meinung sein, daß wir bei aller unterschied
lichen Auffassung über den Wert und Unwert der bis
herigen Spielpläne dieses Theaters einfach jetzt sagen
sollen: Lassen wir doch einmal den neuen Intendanten,
Herrn Utzerath, zeigen, was er kann.