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Band Nr. 16 (96), 4. Oktober 1962

Volltext : Stenographischer Bericht (Public Domain) Ausgabe 1962/63, III. Wahlperiode, Band IV, 81.-104. Sitzung (Public Domain)

96.  Sitzung  vom  4.  Oktober  1962

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Skrodzki
Herr  Theis  hat  darauf  hingewiesen,  daß  diese  Bundeshilfe ­
  heute  42,9  %  unseres  Haushaltsvolumens  ausmacht. ­
  Ich  darf  darauf  aufmerksam  machen,  daß  auch
diese  Zahl  sich  sehr  wesentlich  erhöht  hat.  Denn  in  den
Jahren  bis  1961  schwankte  die  Bundeshilfe  ungefähr
um  30  %  unseres  Etatvolumens.  Im  Jahre  1960  war
sie  ungefähr  29  %,  wenn  ich  mich  recht  erinnere.  1962
sprang  sie  aber  auf  39  %,  und  im  Jahre  1963  soll  sie,
wie  Herr  Theis  auch  betont  hat,  ca.  43  %  erreichen.
Sie  sehen,  meine  Damen  und  Herren,  daß  die  Bundeshilfe ­
  für  unsere  Pinanzwirtschaft  eine  ungeheure  Bedeutung ­
  hat.  Wenn  Herr  Theis  darauf  hingewiesen  hat,
daß  der  Bund  auf  Grund  des  Dritten  Überleitungsgesetzes ­
  verpflichtet  ist,  diese  Bundeshilfe  zu  leisten,
so  ist  das  sicher  vom  rechtlichen  Standpunkt  aus  richtig. ­
  Aber  niemand  hier  im  Hause  wird  bestreiten,  daß
der  Bund  die  rechtliche  Verpflichtung  in  einer  unerhört
großzügigen  Welse  für  Berlin  erfüllt  hat.
(Sehr  gut!  bei  der  CDU.)
Denn  er  hätte  durchaus  die  Möglichkeit  gehabt  —  das
weiß  jeder,  der  im  Hauptausschuß  mitgearbeitet  hat  —,
bei  einer  Reihe  von  Positionen  Streichungen  vorzunehmen ­
  oder  Korrekturen  zu  fordern.  Denn  wir  sind  in
einer  ganzen  Reihe  von  Positionen  weit  über  den  Rahmen ­
  hinausgegangen,  den  andere  kommunale  Körperschaften ­
  für  ihr  Ausgabevolumen  gezogen  haben.  Ich
glaube,  man  würde  von  unserem  Standpunkt  aus  eigentlich ­
  nur  verlangen  können,  daß  der  Bund  verpflichtet
ist,  den  Rahmen  zu  decken,  den  auch  andere  kommunale ­
  Körperschaften  in  Westdeutschland  für  ihr  Ausgabevolumen ­
  ziehen.  Ich  möchte  also  nochmals  betonen, ­
  daß  der  Bund  die  rechtliche  Verpflichtung,  die
er  gehabt  hat,  in  einer  sehr  großzügigen  Weise  erfüllt ­
  hat.
Meine  Damen  und  Herren!  Es  erscheint  mir  wichtig
—  und  der  Vorbericht  tut  das  auch  —,  die  Frage  zu
beantworten,  welchen  Teil  unseres  öffentlichen  Haushalts ­
  unsere  Steuereinnahmen  decken.  Auch  Herr  Theis
ist  auf  diese  Frage  eingegangen  und  hat  die  Zahl  von
etwa  einem  Drittel  genannt  und  sie  mit  Hamburg  verglichen, ­
  wo  sie  ungefähr  zwei  Drittel  beträgt.  Es  ist
klar,  daß  wir  auf  Grund  unserer  politischen  Situation
nicht  in  der  gleichen  finanziellen  Assiette  sind,  wie  es
z.  B.  in  Hamburg  der  Fall  ist.  Aber  es  erscheint  mir
doch  wichtig,  darauf  hinzuweisen,  daß  sich  auch  diese
Zahl  für  das  Jahr  1963  zu  unseren  Ungunsten  verändert ­
  hat.  Während  wir  im  Jahre  1962  noch  35  %  unserer ­
  ordentlichen  Ausgaben  durch  unsere  Steuereinnahmen ­
  decken  konnten,  sind  es  nach  dem  Haushaltsvoranschlag ­
  für  1963  nur  noch  30  %.  Gewiß,  meine
Damen  und  Herren,  niemand  wird  uns  daraus  einen
Vorwurf  machen  können  und  wollen.  Es  sind  die  Folgen ­
  des  13.  August,  die  sich  ln  diesen  Zahlen  niederschlagen.
  Ich  darf  aber  nochmals  betonen:  Es  zeigt  sich
auch  hier  wiederum,  wie  stark  wir  in  unserer  ganzen
Finanzgebarung  auf  die  großzügige  Hilfe  des  Bundes
angewiesen  sind.
Und  noch  ein  anderes  scheint  mir  wichtig  hier  hervorgehoben ­
  zu  werden.  Unser  eigenes  Steueraufkommen ­
  deckt  heute  nicht  einmal  mehr  die  Personalausgaben. ­
  In  den  Jahren  1961  und  62  konnten  wir  noch
davon  ausgehen,  daß  unsere  eigenen  Steuereinnahmen
ungefähr  den  Personalaufwand  deckten,  also  sowohl
die  Ausgaben  für  das  aktive  Personal  wie  auch  die
Versorgungsausgaben.  Für  das  Jahr  1963  gilt  das  in
keiner  Weise.  Unser  Steueraufkommen  wird  mit  1154
Millionen  beziffert,  die  Aufwendungen  für  Personal  und
Versorgung  mit  1536  Millionen.  Es  zeigt  sich  also,  daß
unser  Steueraufkommen  heute  nur  noch  75  %  der  Personalaufwendungen ­
  deckt.  Alles  andere,  was  in  Berlin
an  Ausgaben  vollzogen  wird,  geht  also  im  wesentlichen
auf  die  Bundeshilfe  zurück.  Wenn  es  auch  richtig  ist,
meine  Damen  und  Herren,  daß  diese  Entwicklung  in
der  Tendenz  zwangsläufig  ist,  und  zwar  deswegen,  weil
wir  auf  der  einen  Seite  bei  den  Steuereinnahmen  durch
die  Vergünstigungen,  die  ä  Conto  des  13.  August  1961

gewährt  worden  sind,  mit  einem  gewissen  Ausfall
rechnen  müssen  und  weil  auf  der  anderen  Seite  Erhöhungen ­
  bei  den  Personalaufwendungen  eingetreten
sind,  so  werden  wir  doch  die  Frage  prüfen  müssen,  ob
bei  aller  Anerkennung  der  Tendenz  hier  doch  in  dem
Ausmaß  nicht  vielleicht  des  Guten  zuviel  getan  worden
ist,  und  ob  wir  nicht  in  der  Lage  sein  werden,  bei
den  Prüfungen  im  Hauptausschuß  hier  vielleicht  gewisse ­
  Korrekturen  anzubringen.
Der  Vorbericht,  meine  Damen  und  Herren,  widmet
den  finanziellen  Leistungen  des  Bundes  für  Berlin  ein
sehr  umfangreiches  Kapitel.  So  scheint  es  mir  auch
wichtig  —  Herr  Theis  hat  es  auch  angedeutet  —,  daß
wir  uns  über  das  Ausmaß  dieser  finanziellen  Hilfeleistung ­
  des  Bundes,  gerade  wenn  wir  vor  den  Beratungen ­
  des  Haushaltsplans  1963  stehen,  ein  erschöpfendes
Bild  machen.  Denn,  meine  Damen  und  Herren,  die
finanziellen  Leistungen  des  Bundes  erschöpfen  sich  ja
nicht  nur  in  der  Bundeshilfe,  auf  die  Herr  Theis  auch
eingegangen  ist,  die  mit  42,9,  also  ca.  43  %  angegeben
worden  sind,  sondern  dazu  treten  eine  ganze  Reihe  von
weiteren  Hilfeleistungen.  Wenn  man  den  gesamten
Umfang  dieser  finanziellen  Hilfeleistung  zusammenrechnet, ­
  dann  stellt  man  fest,  daß  die  Bundeshilfe,  wie
ich  vorhin  auch  ausgeführt  habe,  nur  ein  reichliches
Drittel  dieser  gesamten  Hilfeleistung  ausmacht.  In  dem
Vorbericht  wird  darauf  hingewiesen,  daß  man,  wenn
man  den  Gesamtumfang  dieser  Hilfeleistung  zusammenrechnet, ­
  dabei  natürlich  berücksichtigen  muß,  daß
in  Berlin  auch  gewisse  Einnahmen  zugunsten  des
Bundes  aufkommen,  wie  z.  B.  die  Einkommen-,  Körperschaft- ­
  und  Umsatzsteuer,  die  man  natürlich  als
Gegenrechnung  zu  den  Leistungen  des  Bundes  in  Anschlag ­
  bringen  muß.  Wenn  man  diese  gegenseitige
Verrechnung  macht,  dann  ergibt  sich,  daß  der  Gesamtumfang ­
  der  Hilfeleistung  des  Bundes  für  Berlin  den
Betrag  von  3,9  Milliarden  ausmacht,  also  fast  4  Milliarden, ­
  wobei  man  natürlich  in  diesen  Betrag  auch  das
mit  eingerechnet  hat,  was  an  Einkommen-  und  Körperschaftsteuer ­
  im  Bundesgebiet  ausfällt  und  als  Vergünstigung ­
  zugunsten  Berlins  zu  werten  ist.  Umgekehrt ­
  muß  man  natürlich  bei  dieser  Berechnung  das
Tabaksteueraufkommen  absetzen,  das  praktisch  als  im
Bund  aufgekommen  zu  verrechnen  ist.  Natürlicherweise ­
  kann  man  beim  Tabaksteueraufkommen  als  Verrechnungsposten ­
  nur  das  berücksichtigen,  was  auf  den
Berliner  Verbrauch  entfällt;  denn  die  Tabaksteuer  ist
eine  Verbrauchsteuer,  und  das,  was  der  Bundesbürger
für  die  in  Berlin  hergestellten  Zigaretten  an  Zigarettensteuer ­
  zu  zahlen  hat  —  jede  dritte  Zigarette
wird  ja  heute  ln  Berlin  hergestellt  —,  kann  man  nicht
als  Berliner  Steueraufkommen  betrachten.
Meine  Damen  und  Herren!  Diese  Hilfeleistung  von
ca.  4  Milliarden,  die  für  Berlin  aufgebracht  wird,  uns
in  ihrem  gewaltigen  Ausmaß  immer  wieder  vor  Augen
zu  führen,  scheint  mir  gerade  in  einem  Zeitpunkt
wichtig,  in  dem  wir  uns  mit  den  Beratungen  über  die
Haushaltsgebarung  für  1963  befassen,  wobei  wir  uns
wieder  zu  einer  sparsamen  und  auf  das  unbedingt  Notwendige ­
  konzentrierten  Haushaltsführung  verpflichten
wollen.  4  Milliarden,  meine  Damen  und  Herren!  Ich
entsinne  mich  an  Zeiten,  wo  der  ganze  Etat  des  deutschen ­
  Reiches  nur  eine  Summe  von  5  Milliarden  ausgemacht ­
  hat.
Meine  Damen  und  Herren!  Diese  finanzielle  Hilfe
des  Bundes  war  die  eine  Säule,  auf  der  die  Lebenskraft ­
  und  die  Lebensfähigkeit  Berlins  ruht.  Nun
einige  Worte  zu  der  anderen  Säule,  der  Wirtschaft!
Der  Vorbericht  gibt  einen  ausgezeichneten  überblick
über  die  großartige  Entwicklung  der  Wirtschaft  und
insbesondere  über  die  Entwicklung  der  Industrie  seit
dem  Jahre  1956.  Die  Warenlieferungen  der  Industrie
in  das  Bundesgebiet  —  und  das  ist  ja  der  Hauptquell
unserer  Lebensfähigkeit  aus  eigener  Kraft  —  haben  sich
von  1958  bis  zum  Jahre  1961  um  60  %  erhöht,  und  zwar
in  einem  Zeitraum,  der  unter  der  ständig  wiederholten ­
  Drohung  Chruschtschows  stand.  Der  Vorbericht
würdigt  diese  Leistung  und  wir  sollten  das  hier  eben-
            
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