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Volume Nr. 16 (96), 4. Oktober 1962

Full text : Stenographischer Bericht (Public Domain) Ausgabe 1962/63, III. Wahlperiode, Band IV, 81.-104. Sitzung (Public Domain)

96.  Sitzung  vom  4.  Oktober  1962

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Theis
bereit  ist,  Beträge  nach  Berlin  zum  Ausgleich  des  hiesigen ­
  Haushaltsplans  zu  geben.  Dem  ist  nach  den
Unterlagen  des  Vertrages  über  das  Dritte  Überleitungsgesetz ­
  nicht  so.  In  diesem  Falle  ist  der  Bund  verpflichtet,
und  Berlin  hat  einen  Rechtsanspruch  auf  den  Ausgleich, ­
  d.  h.  auf  den  Betrag,  der  notwendig  ist,  um  die
gesamte  Deckungsseite  des  Haushalts  in  Berlin  zu  sichern. ­
  Es  scheint  mir  notwendig  zu  sein,  von  Fall  zu
Fall  das  Problem  der  Bezuschussung  des  Berliner  Haushaltes ­
  immer  auf  diesen  Rechtsgrundsatz  zurückzuführen, ­
  damit  in  keiner  Weise  der  Eindruck  entsteht,  daß
wir  so  quasi,  wie  es  mitunter  aus  Berichterstattungen
herauszuhören  ist,  Kostgänger  des  Bundes  sind.  Wir
erfüllen  dem  Bund  gegenüber  eine  große  politische  Aufgabe, ­
  und  der  Bund  deckt  zu  einem  Teil  den  Haushaltsplan ­
  zur  Erfüllung  kommunalpolitischer  Aufgaben  auf
Grund  einer  Verordnung,  auf  Grund  einer  Vereinbarung, ­
  auf  Grund  eines  miteinander  abgeschlossenen
Vertrages  fast  auf  Gegenseitigkeit  gegenüber  der
Stadt  Berlin.
Meine  Damen  und  Herren!  Im  Rahmen  der  Aufgaben,
die  wir  ln  Berlin  auch  für  den  Bund  zu  erfüllen  haben,
muß  auch  darauf  hingewiesen  werden,  daß  Entschädigungsleistungen ­
  sowie  soziale  Hilfeleistungen  für  den
Bund  seitens  der  Stadtverwaltung  erfüllt  werden.
Nun  zur  Ausgabenseite!  Auf  der  Ausgabenseite  finden ­
  wir  neben  einer  Fülle  von  Einzelausgaben,  die  bei
der  Einzelberatung  des  Etats  seitens  meiner  Fraktion
einer  besonderen  Prüfung  unterliegen  werden,  noch
einen  kurzen  überblick  über  große  Projekte,  die  anstehen. ­

Das  große  Projekt  der  inneren  Schulreform  steht
eigentlich  mit  im  Mittelpunkt  der  Diskussion  über  das
Berliner  Schulwesen  überhaupt.  Wenn  wir  von  der  Gesamtausgabe ­
  etwa  7,6  %  für  das  Berliner  Schulwesen
ausgeben  —  das  sind  über  300  Millionen  DM  —,  so  ist
in  diesen  Betrag  eingebettet  ein  Betrag  von  ungefähr
5  Millionen  für  das  Jahr  1963.  Das  ist  ein  Ansatz,  der
in  jedem  Jahr,  auch  in  den  folgenden,  noch  zur  Verfügung ­
  gestellt  werden  muß,  um  die  Maßnahmen  der
inneren  Schulreform  durchzuführen.
So  haben  wir  auch  einen  großen  Betrag  von  ungefähr ­
  286  Millionen  als  Ausgaben  für  unser  Volksbildungswesen ­
  vorgesehen,  der  gleichzeitig  die  Ausgaben
für  unsere  Universitäten,  für  die  Einrichtung  der  Oper
und  für  die  städtischen  Theater  beinhaltet.  Die  großen
kulturpolitischen  Aufgaben,  die  Berlin  zu  erfüllen  hat,
umfassen  einen  Betrag  von  etwa  6,5  %  der  Gesamtausgaben ­
  unseres  Haushalts.
Eine  dritte  Position,  die  sehr  bemerkenswert  ist,  ist
die  Ausgabe  für  das  gesamte  Gesundheitswesen,  die
etwa  9  %  der  gesamten  Ausgaben  unseres  Berliner  Haushalts ­
  ausmacht.  Neben  den  gesamten  Haushaltsansätzen
für  Arbeit,  Sozialwesen,  Jugend  und  Sport,  die  unter
der  Gesamtposition  B  4  verzeichnet  sind,  und  den  Ausgabeansätzen ­
  der  Finanzabteilung  sind  die  Positionen
für  Schule  und  Volksbildung  die  größten  Ausgaben
der  gesamten  Etatgestaltung.  Im  Rahmen  der  Einzelberatung ­
  werden  wir  auf  der  Grundlage  des  üblichen
Systems  diese  Beratung  in  die  Wege  leiten.
Es  möge  mir  heute  erspart  bleiben,  hier  zu  einer
Fülle  von  Einzelansätzen  Stellung  zu  nehmen,  weil
das  den  Rahmen  der  anderen  Besprechung  des  eingereichten ­
  Haushaltsplans  sprengen  würde.  Es  gibt  aber
einige  Positionen,  von  denen  die  Sozialdemokratische
Partei  heute  schon  sagen  kann,  daß  sie  in  der  Haushaltsberatung ­
  den  Versuch  unternehmen  wird,  im  Rahmen
der  Diskussion  und  der  Stellung  von  Anträgen  einige
Korrekturen  vorzunehmen  bzw.  einige  Positionen
finanziell  so  abzusichern,  daß  die  Ausgaben  besser  placiert ­
  werden,  als  es  bisher  der  Fall  war.
So  werden  wir  ein  Augenmerk  zu  legen  haben  auf
die  Einrichtung  des  Radio-Symphonie-Orchesters,  auch
ein  Anliegen,  das  der  Herr  Senator  für  Volksbildung
seit  Jahren  dem  Hause  vorträgt.  Wir  haben  uns  immer
bemüht,  eine  gemeinsame  Basis  zu  finden,  wie  wir  diesen ­

  Klangkörper  finanziell  ein  bißchen  besser  absichern ­
  können,  einen  Klangkörper,  der  über  den  Rahmen ­
  Berlins  hinaus,  wir  können  sagen,  über  den
Rahmen  Deutschlands  hinaus  einen  großen  Wert  hat.
Es  ist  zu  bedauern,  daß  die  Rundfunkanstalten  bis
heute  nicht  in  der  Lage  gewesen  sind,  so  viel  Konzerte
dieser  Einrichtung  abzunehmen,  daß  das  Radio-Symphonie-Orchester
  sich  sein  notwendiges  Etatgeld  selbst  erarbeiten ­
  konnte.  Die  Bemühungen  seitens  des  Parlaments, ­
  einen  Teil  dieser  Unterstützungen  aus  dem
Haushaltsplan  zu  tragen,  haben  also  zunächst  zu  einem
sehr  befriedigenden  Abschluß  geführt.  Wir  werden  uns
bemühen,  gemeinsam  mit  allen  an  diesem  Unternehmen ­
  beteiligten  Instituten  einen  Weg  zu  finden,
damit  die  finanziellen  Sorgen  dieser  städtisch  geförderten ­
  Einrichtung  möglichst  beseitigt  werden.
Weiter  scheint  es  uns  ein  Anliegen  der  Stadt  Berlin
insgesamt  zu  sein,  daß  wir  das  Problem  der  finanziellen ­
  Unterstützung  der  Berliner  Volksbühne  anders  als
bisher  regeln.  Die  Berliner  Volksbühne  hat  in  den  vergangenen ­
  Jahren  gezeigt,  daß  sie  eigentlich  den  Rahmen ­
  der  Aufgaben  der  Privattheater  sprengt.  Das  wird
besonders  deutlich  werden,  wenn  die  Berliner  Volksbühne ­
  im  Mai  des  Jahres  1963  die  Türen  des  neuen,
eigenen  Hauses  öffnet.  Wir  werden  uns  bemühen,
die  Frage  der  finanziellen  Unterstützung  dieser  durch
das  neue  Haus  in  Berlin  dokumentierten  Einrichtung
so  zu  lösen,  daß  die  Einnahme-  und  Unterstützungsposition ­
  der  Volksbühne  allein  durch  eine  eigene  Etatstelle ­
  etwas  in  den  Mittelpunkt  der  Behandlung  rückt.
Es  sei  bemerkt,  daß  auch  im  Rahmen  der  großen  Kulturabgaben ­
  und  der  Wissenschaft  und  Forschung  die
Universitäten  in  diesem  Jahr  wieder  erhebliche  Zuschüsse ­
  erhalten.  Neben  den  Baumitteln  von  etwa  16
Millionen  beträgt  der  Zuschuß  für  beide  Universitäten,
die  FU  und  die  TU,  etwa  122  Millionen.  Das  ist  eine
stolze  Unterstützung,  und  wir  dürfen  erwarten,  daß
die  großen  Fakultäten  die  ihnen  gestellten  Aufgaben
hier  in  Berlin,  soweit  die  Platzkapazität  ausreicht,  auch
wirklich  erfüllen  können.  In  diesem  Zusammenhang
wird  sich  uns  das  Problem  einer  eventuellen  Reform
unserer  Universitäten  stellen.  Die  sozialdemokratische
Fraktion  darf  heute  schon  sagen,  daß  wir  schon  seit
Jahren  erwarten,  daß  sich  bei  den  großen  Universitäten ­
  eine  Reformbewegung  von  der  Stellung  der  Aufgaben ­
  her  hätte  durchsetzen  sollen.  Wir  sind  der  Auffassung, ­
  daß'wir  die  Universitäten  anregen  und  mahnen ­
  sollten,  nun  alles  zu  tun,  um  den  gegebenen  Anforderungen ­
  auch  Rechnung  zu  tragen  und  in  Zukunft
ihre  innere  Organisation  etwas  zu  reformieren.  Am
Rande  entwickelt  sich  eine  Diskussion  über  eine  eventuell ­
  neu  einzurichtende  dritte  Universität.  Wir  haben
im  Rahmen  unserer  Debatten  diese  Frage  noch  nicht
bis  zu  Ende  durchberaten.  Es  scheint  aber  heute  schon
angebracht  zu  sein,  darauf  hinzuweisen,  daß,  wenn  die
bestehenden  Universitäten  ihre  Aufgaben  nicht  in  dem
von  uns  erhofften  Rahmen  voll  erfüllen  können,  man
sich  mit  dem  Gedanken  einer  dritten  Universität  immerhin ­
  beschäftigen  sollte,  zumal  sich  auch  die  Finanzquellen ­
  dazu  etwa  anbieten.
Auf  dem  Gebiete  unseres  Kunstwesens  leistet  die
Stadt  Berlin  wiederum  Erhebliches  in  Fragen  der  Unterstützungen ­
  und  Zuschüsse.  Unsere  städtischen  Theater ­
  sowie  unsere  Oper  haben  dann  und  wann  die  Möglichkeit, ­
  auch  im  Ausland  zu  gastieren.  Dieses  Angebot ­
  des  befreundeten  Auslandes,  unsere  Bühnen  auch
einmal  dort  zu  sehen,  wird  immer  größer,  und  wir  haben ­
  uns  im  Rahmen  der  Haushaltsberatungen  zu  überlegen, ­
  ob  wir  unseren  städtischen  Theatern  die  Möglichkeit ­
  geben,  solche  Angebote  anzunehmen.  Dazu
wird  und  muß  sich  eine  gewisse  finanzielle  Grundlage
finden  lassen.
Im  Zusammenhang  mit  der  Haushaltsberatung  des
Einzelplans  4  darf  ich  darauf  hinweisen,  daß  die  Familiengründungsdarlehen, ­
  die  für  das  Jahr  1963  mit  51
Millionen  zu  Buche  stehen,  ein  brennendes  Anliegen
sind.  Wir  sollten  diese  Familiengründungsdarlehen
auch  noch  über  diese  Zeit  hinaus  nach  Möglichkeit  zur
            
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