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Periodical volume Nr. 64, 16. November 1950, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

64. Sitzung vom
Suhr
Es handelt sich um, Punkt 29 der Tagesordnung, Drucksache 1177:
Antrag der Fraktion der CDU über Hallenneubauten im Messegelände am Funkturm,
und um Nr. 30, Drucksache 1178:
Antrag der Fraktion der CDU über Überprüfung
der Vermietungsgebühren der Ausstellungshalle I
für Sportzwecke.
Ich darf also Ihr Einverständnis mit dieser Verbindung, annehmen. Zur Begründung beider Anträge hat
Herr Dumstrey das Wort.
Stadtv. Dumstrey (CDU): Meine Damen und Herren!
Was eben zur Avus über die Geltung Berlins gesagt
worden ist, gilt natürlich auch für einen solchen Sporthallenbau. Wir wissen, daß von Berlin der Hallensport ausgegangen ist. Alle Berliner Sportler haben
ein großes Interesse daran, wieder eine Übungsstätte
und eine Kampfstätte zu haben, die dem Sportbedürfnis
entspricht. Sie kennen die Bemühungen zum Umbau
der Deutschlandhalle, des Sportpalastes usw., Dinge,
die aus bestimmten Gründen nicht zum, Zuge gekommen
sind. Jetzt kamen bei der Erweiterung des Ausstellungsgeländes die Eissportler darauf, wenn so vieles
gebaut wird, vielleicht eine Halle zu schaffen, die dann
auch gleichzeitig den Sportzwecken dienen könnte,
besser, als es jetzt provisorisch in der Halle I der Fall
ist. Sie haben sogar die Möglichkeit ausländischer
Beziehungen ausgenutzt. Aber als sie nach Berlin
kamen, wurde ihnen gesagt: Das ist zu spät, die Pläne
liegen fertig, und wir können hier nichts mehr ändern.
Um diese Situation nicht wiederkehren zu lassen,
halte ich es für nötig, daß wir uns schon jetzt darüber
klar werden, daß man die entsprechenden Stellen des
Magistrats beauftragt, wenn das Ausstelungsgelände
erweitert wird, dann eine Halle in dem Ausmaß zu
schaffen, wie es für den Hallensport notwendig ist.
Natürlich müßte es eine Halle sein, die auch eine
Vereisungsanlage hat, die mit etwa 150 000 bis 180 000
DM veranschlagt wird. Dann kommen die Abdeckungsnotwendigkeiten, um die Hallen wieder für Ausstellungszwecke bereit zu machen. Das würde im Höchstfalle eine Summe von vielleicht 500 000 DM ausmachen.
Es bleibt der Berechnung, die der Magistrat hier mit
den internationalen Stellen doch vornehmen muß, überlassen, wieviel dann noch von städtischen Mitteln aufzubringen ist. Die Sportler selbst sind der Meinung,
wie ich das schon bei dem Antrag von vorhin sagte, daß
die Möglichkeit gegeben ist, daß ein Bankenkonsortium
eintritt. Denn sie selbst sind sich sicher, daß sie eine
Summe, die 500 000 DM oder weniger erreicht, durch
ihre Veranstaltungen in fünf Jahren amortisieren können, und damit wäre der Schmerz dann ausgestanden.
Wir wissen ja von der Existenz des alten Sportpalastes
her, daß die Veranstaltungen gerade der Eissportler
stets gern besucht wurden und immer eine gute Kasse
gehabt haben. Selbst sogenannte Pleiten wie die des
Sportpalastes verdunkeln und verschieben dieses Bild
nicht.
Ich bin mir hier nicht im klaren, ob wir uns auf eine
Debatte beim nächsten Mal allein beschränken können
oder ob sich nicht die Interessierten doch zu einer Ausschußberatung zusammenfinden sollten. Denn anscheinend ist das Bedürfnis nach besonderen Magistratserklärungen beim Plenum des Hauses nicht sehr groß.
Ich glaube, eine Ausschußberatung ist dann richtiger,
vor allen Dingen auch, weil der nächste Antrag den
Ausschuß aus einem bestimmten Grunde beschäftigen
sollte. Wir haben uns gefreut, daß das Dasein unseres
Antrages bereits die entsprechende Stelle veranlaßt hat,
die Miete für die jetzige Sporthalle, die Halle I, in ganz
erheblichem Umfange herabzusetzen. Da die Ausstellungsgesellschaft, die die Halle zu vermieten hat, aber
nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten oder,
sagen wir, wenigstens nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten operiert und nicht für den Amateursport ein
besonderes Interesse hat, scheint es mir trotzdem geboten, in einer Ausschußberatung noch die Stellen her-

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anzuziehen, die für besondere Fälle dann einspringen
könnten, um den Sportlern, die ihre Veranstaltungen in
der neuen Halle durchführen, wenigstens finanziell zu
helfen, wenn auch die jetzt ermäßigten Sätze noch zu
hoch sein sollten.
Ich möchte hieran noch eine kurze Bemerkung
knüpfen. Für den Bau dieser besonderen Halle bitte
ich, sehr genau zu überlegen, ob wir nicht das Gebiet
diesseits der Masurenallee nehmen, weil es für den
Verkehr günstiger liegt und weil es mit dem übrigen
Ausstellungsgelände durch einen Tunnel verbunden
werden kann und weil wir dann sparen, indem wir
Sportplätze, die wir eben erst angelegt haben und in
die eine Viertelmillion hineingesteckt ist, schonen
können.
Vorsteher Suhr: Das Wort hat Herr Stadtrat Dr.
Hausmann.
Stadtrat Dr. Hausmann: Meine Damen und Herren!
Die Ausführungen meines Vorredners zu der Frage,
bei der zukünftigen neuen Ausstellungshalle den
Gedanken einer Eisarena zu berücksichtigen, haben
gezeigt, daß in diesem Problem sehr viele schwierige
Fragen enthalten sind. Ich kann für den Magistrat
erklären — das ist auch von Herrn Dumstrey anerkannt worden —, daß wir bei der Errichtung der
sechs Hallen, die wir im Sommer dieses Jahres vorgenommen haben, einfach aus zeitlichen Gründen und
auch, wie ich hinzusetzen darf, aus finanziellen Gründen nicht in der Lage waren, diesen, wie ich ausdrücklich bemerken möchte, sehr berechtigten Wunsch nach
einer Eisarena in Westberlin durchzuführen. Es ist
selbstverständlich, daß wir, wenn der Zeitpunkt kommt,
in dem wir etwa an den Bau neuer Hallen denken
können, dabei dann erneut prüfen werden, ob und in
welcher Weise sich eine Eisarena dabei einbauen läßt
und ob und in welcher Weise wir die zusätzliche Finanzierung durchführen können.
Soviel hierzu.
Da
zur Zeit der Bau weiterer Hallen nicht akut ist,
kann ich hierzu im Augenblick seitens des Magistrats
auch weiter nichts sagen. Ich möchte aber noch einmal
unterstreichen, daß der Magistrat die Notwendigkeit
oder den Wunsch, in Westberlin eine Eisarena zu
haben, vollkommen anerkennt und alles tun will und
tun wird, was zur Verwirklichung dieses Wunsches beitragen kann.
Zu dem zweiten Antrag der Fraktion der CDU
möchte ich folgendes sagen. Es ist nicht ganz richtig,
wie es Herr Dumstrey gesagt hat — aber wir brauchen
uns ja darüber nicht zu streiten, ich möchte es nur
aussprechen —, daß die Tatsache des Vorliegens des
Antrags dazu geführt hätte, daß der Eigenbetrieb Ausstellungen für die Wünsche der Amateursportler Verständnis bekommen hätte, sondern es ist so, daß die
Leitung der Ausstellung von Anfang an schon im
Frühsommer dieses Jahres, als die Besprechungen über
die Verwendung der Hallen oder die Zurverfügungstellung der Sporthalle auf dem Ausstellungsgelände
eingeleitet wurden, mit den Sportverbänden und auch
mit dem Hauptsportamt des Magistrats verhandelt hat
und das Hauptsportamt des Magistrats darauf hingewiesen hat, daß die Ausstellungen grundsätzlich ein
wirtschaftlicher Betrieb sind, der nach kaufmännischen
Gesichtspunkten zu führen ist, daß also bei der Bemessung der Miete von seiten der Ausstellungsleitung
eine Grenze für das Entgegenkommen gezogen ist.
Denn es würde der Etatwahrheit widersprechen, wenn
die Ausstellungen als wirtschaftlicher Eigenbetrieb
über die Grenze des Vertretbaren hinaus auf Ersatz
von Aufwendungen verzichten, die sie selbst haben,
um den Amateursport zu fördern. Das ist im wesentlichen Angelegenheit des Hauptsportamtes, und auf die
Notwendigkeit, daß das Hauptsportamt hier eingreifen
und eventuell finanzielle Zuschüsse leisten müßte, ist
von der Ausstellungsleitung von Anfang an hingewiesen
worden.
        
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