Path:
Periodical volume Nr. 39, 9. Februar 1950, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

39. Sitzung vom 9. Februar 1950

W

Peschke
die hier genannt worden sind, für die Errichtung eines
Autohofes auf der Avus nicht stichhaltig sind. Es
müßte doch möglich sein, den Autohof eventuell anderswo einzurichten, und zwar auf einem ebenso günstigen
Platz, wo er tatsächlich allen Forderungen gerecht
werden könnte. Es ist auch noch fraglich, ob überhaupt eine solche Konzentration notwendig ist, worüber
auch die Experten absolut verschiedener Meinung sind.
Ich glaube jedenfalls, daß es zweckmäßig gewesen
wäre, die ganze Diskussion über diese Frage vorher
zu klären durch eine entsprechende Mitteilung an die
Presse oder durch eine Mitteilung an die Stadtverordnetenversammlung oder durch die sonstige
Schaffung einer möglichst breiten Diskussionsgrundlage
für die gesamte Bevölkerung, bevor man hier seitens
des Magistrats die Bevölkerung und im besonderen alle
die an der Sache Beteiligten vor eine endgültige Entscheidung stellte, die selbstverständlich alle Gemüter
erregt hat. Leider hat auch die heutige Beantwortung
unserer Anfrage nicht die Schwierigkeiten in dieser
Frage beseitigt und eine Klärung herbeigeführt.
Stellv. Vorsteher Frau Dr. Maxsein: Das Wort hat
der Herr Stadtverordnete Dr. Stadie.
Stadtv. Dr. Stadie (CDU): Meine Damen und Herren!
Es ist eigentlich eine erfreuliche Tatsache, daß gerade
in einer Zeit wie der heutigen die Frage, ob Avus oder
Autohof, in der Bevölkerung ein derartiges Echo gefunden hat. Die Diskussion über die Große Anfrage der FDP in diesem Hause hat gezeigt, daß auch
die Stadtverordneten mit heißem Bemühen versuchen,
dieses Problem so gut wie nur möglich zu lösen.
Auch die Fraktion der CDU ist durch die Ausführungen des Herrn Stadtrat Dr. Hausmann nicht
überzeugt worden. Es ist eine Fülle von Problemen,
die hier berücksichtigt werden müssen, und wenn man
den Widerstreit der einzelnen Interessenten und das
Ergebnis des Magistratsbeschlusses betrachtet, so ist
damit noch nicht zum Ausdruck gebracht, ob nun tatsächlich das Beste nach dieser Richtung hin Wirklichkeit wird.
Meine Damen und Herren! Die Zweckmäßigkeit, einen
oder mehrere Autohöfe hier in Berlin zu errichten, wird,
glaube ich, von keiner Seite bestritten. Aber es ist doch
die große Frage, ob man heute gewissermaßen aus dem
Blickpunkt nur nach dem Westen eine derartige Anlage,
wie es die Avus darstellt, vollkommen umgestaltet und
ein Investitionskapital von immerhin damals 2Vi Millionen ganz anderen Zwecken zuführt.
Ich hoffe, daß auch die Abteilung Gesamtplanung sich
sehr eingehend mit dieser Frage beschäftigt hat; denn
es wäre ein betrübliches Zeichen, wenn als erstes Ergebnis einer fünfjährigen Arbeit der Abteilung für
Gesamtplanung nun dieses Projekt Wirklichkeit werden
sollte, die Avus, die immerhin noch einen internationalen Ruf von früher her genießt, verschwinden zu
lassen und einen Autohof in die Nordkurve der Avus
einzubauen.
Wenn man selbst die Nordschleife aus eigenem Besuch der Avus kennt, so erscheint es mir auch immerhin
fraglich, ob es nun wirklich das zweckmäßigste ist, dort
einen Autohof hinzulegen. Denn wenn der Verkehr sich
tatsächlich verstärkt, dann wird man ja nicht mit
einem Autohof für 70 bis 80 Wagen auskommen, sondern wird ein wesentlich größeres Gelände dafür nötig
haben. Daher glaube ich, daß es zweckmäßiger ist,
wenn wir heute eine Zwischenlösung für einen Autohof
finden, sofern nicht die Verkehrskreise der Ansicht sein
sollten, daß die bestehenden Autohöfe ausreichen. Wir
sollten uns aber auf keinen Fall die Zukunft auf zunächst 15 Jahre und weiter für immer verbauen, indem
wir nunmehr die Avus endgültig schließen und dort
einen Autohof errichten. Für eine derart grundsätzliche Entscheidung ist, glaube ich, der Zeitpunkt gegenwärtig nicht gegeben.

Daß der Berliner immer noch ein großes Interesse
am Automobilsport hat, zeigt ja der Besuch in der
Sporthalle am Funkturm, zeigt der Besuch der Motorradrennen, die man auf einer provisorischen Zehlendorfer Bahn in den Vorjahren abgehalten hat. Ich
glaube, wir sollten uns nicht beschämen lassen durch
die Ostzone, die in Teterow immer noch die alten
Motorradrennen abhält und Berlin gewissermaßen aus
dem internationalen Motorsport vollkommen ausschaltet. Ich bin mir vollkommen bewußt, daß die
Avus in ihrem augenblicklichen Zustand keine Spitzenbahn ist und nicht für Spitzengeschwindigkeiten geeignet ist. Aber ich glaube doch, daß es für den sportlichen Ruf Berlins zweckmäßiger ist, die Mittel aufzuwenden, um wieder eine Bahn herzurichten, die den
Anforderungen des modernen Motorsports genügt.
Die Fraktion der CDU hat den Wunsch, daß die Angelegenheit nicht durch einen Magistratsbeschluß zur
Kenntnisnahme ihre Erledigung findet, sondern daß das
Stadtparlament durch eine entsprechende Vorlage des
Magistrats Gelegenheit bekommt, hier im Plenum und
auch in Ausschußsitzungen die Dinge noch einmal sehr
reiflieh zu überlegen. Wir würden es bedauern, wenn
der Magistrat dies nicht tun würde, zumal ich darauf
hinweisen darf, daß auch das Bezirksparlament von
Charlottenburg sich positiv für die Beibehaltung der
Avus ausgesprochen hat, und es würde doch eine Verkennung der Aufgaben und Pflichten der Stadtverordneten und Bezirksverordneten sein, wenn man sich
einfach über ihre Ansichten hinwegsetzen wollte.
(Beifall bei der CDU.)
Stellv. Vorsteher Frau Dr. Maxsein: Herr Stadtverordneter Bach hat das Wort.
Stadtv. Bach (SPD): Meine Damen und Herren!
Gestatten Sie mir auch einige Worte in dem Dreiklang
der Einmütigkeit dieses Hauses. Ich brauche insbesondere den Worten meines Vorredners, des Herrn
Kollegen Stadie, nicht vieles hinzuzufügen. Dieser Plan,
einen Autohof an der Avus zu errichten, ist zweifellos
außerordentlich interessant. Aber ich muß sagen, das
Projekt ist keineswegs ausgegoren und keineswegs so
geklärt, daß wir im Lichte der Tatsachen und im Lichte
der öffentlichkeit einen so weitgehenden Entschluß
fassen könnten. Deshalb möchte ich einleitend den Antrag stellen bzw. dia Anregung unterstützen, die von
Herrn Stadie ausgegangen ist, daß diese Angelegenheit
uns nicht in einer Vorlage zur Kenntnisnahme, sondern
in einer Vorlage zur Beschlußfassung unterbreitet wird.
(Zuruf: Es ist ja überhaupt keine Vorlage da!)
— Jawohl, aber wenn wir uns damit befassen wollen,
muß ja eine Vorlage kommen.
(Zuruf: Oder ein Antrag von uns!)
— Oder ein Antrag von uns, jawohl. Jedenfalls wollen
wir nicht, daß hier seitens des Magistrats ein fait
accompli geschaffen wird. Wir wissen, wie solche Pläne
zustande kommen. Der Vorschlag, einen Autohof an
der Avus zu schaffen, ist nicht neu. Einige Berliner
Experten sind schon seit Jahren am Werk, und es gibt
noch mehr solcher Vorschläge. Aber einer dieser Vorschläge ist nun besonders favorisiert worden, und ich
bedauere, daß es in dieser Weise geschehen ist. Denn
auch hier hat Herr Kollege Stadie gan*. recht, wenn er
sagt: diese Frage muß im Zusammenhang mit einer
Gesamtplanung des Verkehrs in Berlin behandelt
werden und nicht ad hoc, wie das hier jetzt geschieht.
In der kommenden Entwicklung des Verkehrs — und
damit sage ich meinem verehrten Freunde Herrn
Stadtrat Dr. Hausmann durchaus nichts Neues —
werden auch die Auseinandersetzungen über die Frage
Schiene und Straße wieder in verschärfter Form auftreten. Wir werden uns mit diesem Problem auseinandersetzen müssen. Aus dieser Frage und ihrer Lösung
ergibt sich aber auch die Notwendigkeit der Kraftverkehrsplanung. Ein Autohof am Ausgang der Avus
ist keine Lösung. Wenn wir eine Lösung auf lange
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.