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Periodical volume Nr. 60, 19. Oktober 1950, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

60. Sitzung vom 19. Oktober 1950

671

Swolinzky
Personalkredit — eine reine V e r t r a u e n s s a c h e — gegeben
wird. W i r hoffen i m m e r noch, daß wir beim M a g i s t r a t
dafür ein williges Ohr finden. Jedenfalls w e r d e n w i r
alles, w a s w i r t u n können, i m m e r wieder daransetzen,
um diese K r e d i t f r a g e n für Berlin z u lösen. W i r toben
im A u s s c h u ß d a z u den folgenden Beschluß formuliert:
D e r M a g i s t r a t w i r d beauftragt, den beratenden
E R P - A u s s c h u ß zu ersuchen,
— ich wiederhole: der E R P - A u s s c h u ß h a t nicht zu entscheiden! —
z u prüfen, in welcher geeigneten Weise die für Berlin z u r Verfügung stehenden E R P - M i t t e l s t ä r k e r als
bisher für die kleinen und mittleren Betriebe z u r
V e r f ü g u n g gestellt w e r d e n können.
Ich b i t t e Sie, diesem Beschluß z u z u s t i m m e n . F ü r meine
F r a k t i o n darf ich h e u t e schon erklären, d a ß w i r z u r
geeigneten S t u n d e neue A n t r ä g e einbringen werden,
koste es, w a s es wolle. E s m u ß Betriebsmittelkredite
für die kleine und mittlere W i r t s c h a f t geben.
Stellv. Vorsteher H a u s b e r g : W o r t m e l d u n g e n ?
H e r r S t a d t v e r o r d n e t e r Will h a t das W o r t .

—

Stadtv. Dr. Will ( F D P ) : Meine D a m e n und H e r r e n !
Den Ausführungen des H e r r n B e r i c h t e r s t a t t e r s , denen
ich i m wesentlichen z u s t i m m e , sind einige E r g ä n z u n g e n
und wohl auch einige Richtigstellungen anzufügen. Die
F r a g e der K r e d i t l a g e in Berlin ist keineswegs einfach
zu b e a n t w o r t e n . U m f r a g e n haben ein völlig undurchsichtiges Bild ergeben. In einer V e r s a m m l u n g der S P D ,
die v o r k u r z e m s t a t t g e f u n d e n hat und in der vor den
Gewerbetreibenden des Bezirks K r e u z b e r g F r a g e n des
Kredits für mittlere Betriebe angeschnitten wurden,
ist z u m A u s d r u c k g e k o m m e n , d a ß die anwesenden Gewerbetreibenden i m wesentlichen K r e d i t e g a r nicht
haben wollten. I h r e Auffassung w a r , sie m ü ß t e n Auft r ä g e h a b e n und keine Kredite.
(53uruf von der S P D : Beides m ü s s e n sie h a b e n ! )
Die F r a g e , ab g e n ü g e n d Mittel vorhanden sind, ist auch
nicht so ohne weiteres zu b e a n t w o r t e n , wie das häufig
geschieht. Die Berliner Z e n t r a l b a n k ist der Auffassung,
daß es an den erforderlichen Mitteln in Berlin überhaupt nicht fehlt, sondern lediglich a n den erforderlichen Sicherheiten und an dem Eigenkapital, ohne das
eine Wirtschaft n a t ü r l i c h nicht d e n k b a r ist. E s ist ja
nicht möglich, d a ß j e m a n d , der vielleicht eine persönliche Befähigung hat, eine F i r m a lediglich mit f r e m d e n
Mitteln finanziert und erwartet, d a ß ihm alle P r o d u k tionsmittel an die H a n d gegeben werden, ohne d a ß er
selbst irgendeine Sicherheit zu bieten v e r m a g .

Bei den ersten Zuteilungen, die wir in Berlin erhalten
haben, die j a n u r wenige Monate zurückliegen, ist das
Verhältnis der g r o ß e n Kredite zu den kleinen a u ß e r ordentlich u n g ü n s t i g gewesen. N a c h den Zahlen, die i m
Wirtschaftspolitischen A u s s c h u ß seitens der Abteilung
Wirtschaft vorgelegt worden sind, ergibt sich folgendes
Bild. Bei der ersten T r a n c h e h a b e n die g r o ß e n K r e d i t e
41,5 Millionen g e g e n ü b e r 15 Millionen kleinen K r e d i t e n
betragen, bei der zweiten T r a n c h e 65,9 Millionen g r o ß e
Kredite gegenüber 8 Millionen kleinen Krediten und bei
der dritten T r a n c h e 110 Millionen g r o ß e Kredite g e g e n über 8 Millionen kleinen Krediten. D a s Mißverhältnis
h a t also zugenommen, und es ist mit R e c h t darauf hinzuweisen, d a ß hier in Berlin eben a n d e r e Verhältnisse
vorliegen als im Bundesgebiet. D o r t werden bekanntlich
die E R P - M i t t e l n u r a l s g r o ß e Kredite über 100 000 M a r k
gegeben. Dort sind a b e r a u c h ganz a n d e r e V o r a u s setzungen, weil das Betriebskapital der U n t e r n e h m u n gen durch die W ä h r u n g s r e f o r m nicht aufgezehrt w o r den ist. Hier in Berlin liegen die Dinge a n d e r s . W i r
h a b e n bisher von unseren U r a l t k o n t e n n u r ein Drittel
ausgezahlt. Die zahlreichen Gesuche, die dahin gehen,
d a ß w i r schon vorzeitig a u c h die zweite und dritte
T r a n c h e auszahlen dürfen, sind bisher seitens der Milit ä r r e g i e r u n g e n , die allein dafür z u s t ä n d i g sind, a b schlägig beschieden worden. Sie h a b e n sich noch nicht
einmal damit einverstanden erklärt, B a g a t e l l b e t r ä g e
bis zu 50 M a r k auszuschütten oder sie an P e r s o n e n
über 70 J a h r e , die als besonders bedürftig gelten müssen,
auszuzahlen. E s ist daher picht zu e r w a r t e n , d a ß in
naher Zukunft a u s diesem besonders naheliegenden
F o n d s erhebliche Mittel bereitgestellt werden könnten,
obwohl sie g e r a d e für die hier in F r a g e k o m m e n d e n
Kreise von erheblichem Nutzen w ä r e n .
Bei dieser Gelegenheit möchte ich eines b e m e r k e n .
Die Gutschriften des ersten Drittels a u s den U r a l t konten haben gezeigt, d a ß in manchen F ä l l e n — jedenfalls ist m i r das für diejenige B a n k b e k a n n t , die die
meisten Konten umgestellt h a t — davon nicht weniger
als 55 % nicht abgehoben worden sind. D a s heißt also:
wenn eine Möglichkeit bestanden hätte, d u r c h A u s gleichsforderungen des M a g i s t r a t s zu einer schnelleren
Bereitstellung der zweiten und d r i t t e n T r a n c h e zu k o m men, so w ü r d e das eine ganz wesentliche E r l e i c h t e r u n g
für die Wirtschaft bedeutet haben, die d a n n entsprechend g r o ß e Kredite seitens der P r i v a t b a n k e n h ä t t e
b e k o m m e n können. Dieses Ziel ist i m Augenblick nicht
erreichbar, da w i r in Berlin einen K a p i t a l m a r k t zur
Zeit nicht haben und in n a h e r Zukunft a u c h noch nicht
damit rechnen können. E s bleibt i m m e r n u r das übrig,
w a s vorhanden ist, nämlich d a ß diese Mittel von der
E C A z u r Verfügung gestellt werden, d a ß sie aber
a n d e r s und g ü n s t i g e r verteilt werden müssen, als es
bisher geschehen ist. Dieses Ziel verfolgt der A n t r a g
der F r a k t i o n der Freien D e m o k r a t i s c h e n P a r t e i , und in
der Sitzung des Wirtschaftspolitischen Ausschusses h a t
H e r r Ma°ristratsdirektor Hertz sich in A n e r k e n n u n g
dieser T a t s a c h e auch bereit erklärt, in diesem Sinne mit
der Militärregierung zu verhandeln. E s bleibt n u r zu
hoffen, d a ß in naher Zukunft ein g r ö ß e r e r Anteil dieser
Mittel, soweit sie in Zukunft zur Ve'rfügung gestellt
werden, für die gewerbliche Wirtschaft mittleren und
kleineren U m f a n g s z u r Verfügung gestellt wird, als es
bisher der F a l l w a r .

D a s hindert a b e r nicht, d a ß diese F r a g e trotzdem
für weite Bezirke der Berliner gewerblichen Wirtschaft
eine g r o ß e Rolle spielt. Wir haben zu prüfen gehabt,
w a s geschehen kann, u m diese Mittel bereitzustellen.
Ich möchte im Gegensatz zu den Ausführungen des
H e r r n B e r i c h t e r s t a t t e r s ausdrücklich bemerken, d a ß
keineswegs die p r i v a t e n G r o ß b a n k e n sich der Anforderung nach mittleren K r e d i t e n nicht geneigt gezeigt
hätten. T a t s a c h e ist, d a ß bei der g r ö ß t e n P r i v a t b a n k ,
die wir augenblicklich hier in Berlin haben, die i m m e r hin eine B i l a n z s u m m e von über 100 Millionen M a r k
aufweist, nicht weniger als 80 % der Kredite u n t e r
10 000 M a r k liegen. D a v o n bitte ich besonders Kenntnis
zu nehmen. Bei den a n d e r n G r o ß b a n k e n ist es nicht
Stellv. Vors*eher Hansberg: H e r r S t a d t v e r o r d n e t e r
anders. E s k a n n also g a r keine Rede davon sein, d a ß
H e n n e b e r g h a t das W o r t .
etwa die Berliner P r i v a t b a n k e n mittlere und kleinere
Kredite nicht gaben, sondern es ist u m g e k e h r t . Diese
S t a d t v . H e n n e b e r g ( S P D ) : Meine D a m e n und H e r r e n !
Dinge lassen sich im einzelnen nachweisen, und das Bei der B e r a t u n g von K r e d i t f r a g e n wird i m m e r der
wird auch noch auf Anfordern geschehen.
Anschein erweckt, als w e n n die Beschaffung von Geldmitteln für die Berliner W i r t s c h a f t das Vordringlichste
E s k a n n a b e r t r o t z d e m nicht e r w a r t e t werden, d a ß
w ä r e . E s ist gewiß eine Angelegenheit, die mit Vordie relativ g e r i n g e A u s s t a t t u n g mit Kapital es den pridringlichkeit zu behandeln ist. Aber noch wichtiger ist
vaten B a n k e n bereits nach so k u r z e r Zeit ermöglicht,
j a die Beschaffung von A u f t r ä g e n für die Berliner
a l l e n Anforderungen gerecht zu werden. W i r haben
Wirtschaft. W e n n hier g e r a d e das Kreditbedürfnis der
deshalb n a c h anderen Mitteln gesucht, und eines davon
kleinen und mittleren Betriebe und der H a n d w e r k e r
ist die Zurverfügungstellung von Mitteln a u s G A R I O A
angesprochen wird, so m u ß doch b e k a n n t werden, d a ß
bzw. a u s dem E R P - F o n d s .
        
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