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Periodical volume Nr. 60, 19. Oktober 1950, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

60. Sitzung: vom 19. Oktober 1950 669 Swolinzky wie d a s der Rundfunk a u s dem Osten g e t a n h a t . I c h weiß nicht, ob Sie d a Verbindungen haben. Sie behaupten, Spielberg h ä t t e solche Verbindungen früher gehabt; Sie selbst scheinen d a bessere Verbindungen zu haben; denn n u r i m Osten h a t m a n behauptet, Spielberg w ä r e Mitglied der Sozialdemokratischen P a r t e i gewesen. Also Sie werden uns dafür den Beweis e r b r i n g e n müssen, w e n n Sie für die Zukunft ernst g e n o m m e n werden wollen. Ich glaube allerdings, die n ä c h s t e n Wochen werden u n s der Mühe entheben, diese I h r e B e h a u p t u n g e n nachzuprüfen, da Sie persönlich dann u n i n t e r e s s a n t geworden sind. begrüßen. Aber die B a n k k o n n t e doch nicht jede Kalkulation nachprüfen. D a s k a n n eine Zeitlang i m m e r verborgen bleiben. Dazu sind die F a c h g e m e i n s c h a f t e n da, dazu haben w i r eine I n d u s t r i e - und H a n d e l s k a m m e r , d a ß sie Schleuderer a n die Ohren n i m m t . A n s o n s t e n aber wird bei dem freien W e t t b e w e r b , dem Sie j a besonders huldigen, m a n c h e s m a l a u c h ein U n t e r n e h m e n niedriger kalkulieren, als die K o n k u r r e n z es w ü n s c h t . W e n n dabei kriminelle Delikte vorliegen, dann w i r d sich d a s i m m e r erst im Laufe einiger M o n a t e h e r a u s stellen, so d a ß m a n d a n n einzuschreiten genötigt oder berechtigt ist, und das haben w i r g e t a n . N u n z u r Sache selbst. H e r r Fischer n a n n t e mich den Politiker und d a n n n a c h h e r den B e r i c h t e r s t a t t e r . Sehr v e r e h r t e r H e r r Fischer, ich bin n a t ü r l i c h in jeder Situation in meinem Leben Sozialdemokrat. Ich habe mich hier a b e r durchaus a l s B e r i c h t e r s t a t t e r gefühlt und habe g a r nicht d a r a n gedacht, irgendwie gegen die a n d e r e n P a r t e i e n zu polemisieren. A b e r eines m u ß ich I h n e n s a g e n : W e n n in einem Ausschuß, dem m a n diese Aufgabe zugewiesen hat, e i n s t i m m i g festgestellt wird, es liegt kein A n l a ß zu irgendwelchen Beschwerden vor, d a n n k a n n das der eine g e n a u s o g u t sagen wie der andere, ob er ein Sozialdemokrat oder ein a n d e r e r Mann ist. N u n w a r n t H e r r Fischer. Mit erhobenem F i n g e r spricht er z u m Magistrat, m a n m ö g e doch in den B ü r g schaftsausschüssen die nötige Sorgfalt w a l t e n lassen. E s w a r einmal ein F a s s a d e n k l e t t e r e r schon 50 E t a g e n hoch geklettert, da h a t eine alte F r a u i h m zugerufen a u s dem N a c h b a r h a u s : Vergessen Sie n u r nicht, sich festzuhalten! D a r a n erinnert jetzt der drohend erhobene F i n g e r : V e r g e ß t n u r nicht, euch u m die notwendigen Sicherheiten in den B ü r g s c h a f t s a u s s c h ü s s e n zu kümmern! N u n die F r a g e , ob w i r wie ein S t a a t s a n w a l t haben prüfen können. Ich habe eine n e t t e kleine Episode in E r i n n e r u n g . Da hat einmal j e m a n d g e s a g t : Die ganze Kompanie m a r s c h i e r t falsch, bloß der Einjährige Meier hat den richtigen T r i t t . D a s ganze P a r l a m e n t w a r d e r Meinung, d a ß d e r Wlrtschaftspölltische A u s schuß diesen F a l l prüfen solle, und n u r H e r r Fischer sagt heute, das w ä r e nicht richtig gewesen. Der Einj ä h r i g e F i s c h e r h a t also seine eigene Meinung. ( S t a d t v . F i s c h e r : S t i m m t zufällig! — Heiterkeit.) — E r sagt, es w ä r e ein Zufall, d a ß seine Meinung s t i m m t . E s soll i m m e r so bei ihm bleiben, hoffen wir. A b e r n u n z u r Sache selbst! E s sind j a viele ähnliche Dinge v o r h e r g e g a n g e n . W i r nahen uns in der Bank, d e r e n A u f s i c h t s r a t ich angehöre, mit diesen Fällen zu beschäftigen g e h a b t . Die B a n k h a t t e j a früher noch nicht den jetzt verantwortlich zeichnenden K r e d i t a u s c h u ß ; die B a n k w a r d a m a l s noch s t ä d t i s c h e s Unternehmen. W i r haben uns sehr eingehend m i t allen diesen F ä l l e n beschäftigt. Dabei ist, H e r r Fischer, folgendes zu s a g e n : W i r w e r d e n noch m e h r Risiken dieser A r t eingehen m ü s s e n ; denn wir haben in Berlin infolge der g r a u s a m schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse H u n d e r t e von Betrieben, für die man nicht jede G e w ä h r ü b e r n e h m e n könnte. Wir haben b e s t i m m t noch manchen Z u s a m m e n b r u c h hier in Berlin zu e r w a r t e n . D a s wissen wir, und doch geben w i r eine S t ü t z u n g mit R ü c k s i c h t auf den Arbeitsplatz der Menschen, wo w i r es irgend v e r a n t w o r t e n können. Wir wollen eher einmal ein p a a r M a r k verlieren, als d a ß wir Berlins W i r t s c h a f t aufgeben und n u r noch A r b e i t s l o s e n u n t e r s t ü t z u n g zahlen. (Sehr richtig! bei der SPD.) Ich glaube, das ist ein Prinzip, dem nachzueifern den anderen B a n k e n d u r c h a u s zu empfehlen w ä r e . Wl> fühlen uns Berlin g e g e n ü b e r verpflichtet und sind nicht n u r Leute, die die Gewinn- und V e r l u s t r e c h n u n g in der B a n k zu prüfen haben. Und n u n die F r a g e , ob w i r die nötige Sorgfalt walten ließen! H e r r Fischer, H a n d aufs Herz, h ä t t e es Ihnen nicht genügt, w e n n eine p r i v a t e Treuhandgesellschaft, eine F a c h g e m e i n s c h a f t , ein Buchprüfer a l l e s a m t die allergünstigsten Bescheide g e b e n ? N u n hat ein Mann, den ich nicht in Schutz zu n e h m e n die Absicht hatte, in seinem -Übereifer, nicht in der ersten Zeit, sondern als er nachher seine U m s ä t z e nicht g r o ß g e n u g bekam, um den Betrieb zu halten, Schleuderpreise gemacht. H e r r F i s c h e r ist V e r w a l t u n g s b e a m t e r , und ich bin K a u f m a n n . Ich Bin der Meinung — im Gegensatz zu ihm —, wir sollten Schleuderpreise niemals S o geht es doch nicht, sondern wir s a g e n : W e n n ein fremder Mann hier n a c h Berlin k ä m e und prüfen würde, w ü r d e er s a g e n : Berlins W i r t s c h a f t ist sehr, sehr krank, und ich habe nicht die Absicht, mein Geld in Berlin zu investieren. D a s w ü r d e d a s n o t w e n d i g e Urteil für die Wirtschaft i n s g e s a m t sein. Und nun sind wir -belastet durch unsere sozialen Verpflichtungen gegenüber der Stadt, gegenüber der Arbeitnehmerschaft und der Geschäftswelt und haben uns zu f r a g e n : W o ist da noch irgendwie zu helfen? W o k ä m e n wir hin, w e n n w i r dieses Prinzip auf die Behandlung von k r a n k e n Menschen anwenden wollten und s a g e n wollten: es lohnt nicht, l a ß t ihn sterben! ? So geht es doch nicht. W i r bemühen uns unentwegt, w a s an Berlins W i r t s c h a f t zu halten und zu r e t t e n ist, aufrechtzuerhalten. Wir zahlen an Erwerbslose und an Sozialunterstützung H u n d e r t e von Millionen. Sollen wir da nicht einmal wie hier bei Spielberg mit einer ähnlichen S u m m e als Verlust rechnen, wenn wir einen Teil der Wirtschaft dadurch retten k ö n n e n ? D a r u m hinweg mit dem Bakel der E r ziehungsberechtigten! Wir w e r d e n noch m a n c h e s Mal schwere Kopfschmerzen haben. Wir werden uns m a n c h e s Mal noch zu sagen haben — das s a g e ich jetzt schon —: Donnerwetter, ja, es schien doch, als wenn der Betrieb zu. halten w ä r e ! W i r wissen, d a ß Berlin noch J a h r e hindurch k r a n k sein wird. W i r w e r d e n uns a b e r den Mut nicht nehmen lassen. Selbst auf die Gefahr hin, d a ß diejenigen, die keine Risiken eingehen, uns nachher kluge R a t s c h l ä g e geben, werden wir weiter alles tun, w a s notwendig ist, um der Berliner W i r t s c h a f t zu helfen, auch auf die Gefahr hin, d a ß wir ein p a a r P r o z e n t Verluste werden einstecken müssen. (Lebhafter Beifall bei der SPD.) Stellv. Vorsteher H a u s b e r g : Meine D a m e n und H e r r e n ! H e r r Geisler h a t sich noch einmal z u m W o r t gemeldet. N a c h den getroffenen Vereinbarungen h a t jede F r a k t i o n 10 Minuten Redezeit. H e r r Geisler h a t bereits 5 Minuten gesprochen. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, einem Einzelgänger dieselbe Redezeit zu gew ä h r e n . Ich bitte das H a u s , d a r ü b e r zu entscheiden. (Zuruf von der SPD.) Zur Geschäftsordnung H e r r Swolinzky! Stadtv. Swolinzky ( S P D ) ( z . G O . ) : Ich stelle hier g a n z formell den A n t r a g , einem H e r r n , der keiner F r a k t i o n angehört, nicht m e h r das V/ort zu geben. E s gehört zur menschlichen Disziplin, zur Grundidee jeder Gemeinschaft, d a ß m a n sich irgendwie einordnet. Die H e r r e n , die allein als Wilde hier auftreten, haben nicht das Recht, hier in der Diskussion zu sprechen, besonders a b e r in einer Diskussion, in der sie schon einmal gesprochen haben. Ich b e a n t r a g e deswegen, dem H e r r n nicht m e h r das W o r t zu geben, und bitte, d a r ü b e r a b s t i m m e n zu lassen.
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