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Periodical volume Nr. 56, 1. Oktober 1950, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

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56. Sitzung vom 1. Oktober 1950

General Bourne, vorsitzführender Kommandant der
Alliierten Kommandantur (mit Beifall empfangen):
Herr Stadtverordnetenvorsteher! Herr Bundespräsident!
Herr Oberbürgermeister! Meine sehr verehrten Damen
und Herren! Bitte, begnügen Sie sich mit dieser deutschen Anrede. Mein Deutsch reicht leider nicht aus, um
eine ganze Rede in Ihrer Sprache zu halten.
(Die Rede wird in englischer Sprache fortgesetzt und vom Dolmetscher übersetzt.)
Als vorsitzführender Kommandant für den Monat
Oktober ist es für mich eine Ehre und ein Vergnügen,
vor dieser auserwählten Versammlung der Stadt und
dem Lande Groß-Berlin die wärmsten Glückwünsche
der alliierten Kommandanten zum Ausdruck zu
bringen.
Es ist ein glücklicher Zufall, daß das Inkrafttreten
der Berliner Verfassung gerade zu einer Zeit erfolgt,
in der das von den drei Außenministern in New York
herausgegebene Kommunique noch neu in unserer Erinnerung ist. Die drei Minister zollten der Berliner
Bevölkerung die von dieser so reichlich verdiente Anerkennung. Ja, sie gingen sogar noch weiter. Sie versprachen, die wirtschaftliche Hilfe fortzusetzen und die
Stadt gegen jedwede Aggression zu verteidigen.
(Beifall.)
Außerdem machten sie die Anregung, die noch von der
Alliierten Kommandatura in Angelegenheiten der Stadt
ausgeübten Kontrollen soweit als möglich zu vermindern.
(Bravo!)
Diese Erklärungen sind den Berlinern, die ihr Heim
in dieser schwergeprüften Stadt haben, genau so willkommen, wie das bei uns nur vorübergehend Ansässigen
der Fall ist. Sie stärken die Grundlage und betonen die

Wahrheit des Fortschrittes, den Berlin in konstitutioneller Hinsicht seit dem Falle des Hitler-Regimes und
dem Ende des preußischen Staates gemacht hat.
Sie glauben vielleicht, daß Ihre Verfassung nicht
perfekt ist. Dem könnte ich zustimmen. Als Engländer
möge man mir verzeihen, wenn ich glaube, daß keine in
Schrift gefaßte Verfassung perfekt ist. Meine Kollegen
werden vielleicht in diesem Punkt anderer Meinung
sein als ich, aber in e i n e r Sache stimmen wir meines
Erachtens alle überein: die Stärke und Wirksamkeit
der neuen Berliner Verfassung liegt vor allem in der
Festigkeit und den Tugenden der Berliner selbst, und
das, fürwahr, ist eine sichere Grundlage.
(Beifall.)
Zum Schluß möchte ich noch sagen, daß Sie sich
bestimmt auf uns Kommandanten verlassen können,
und zwar in bezug auf die Zusammenarbeit mit Ihnen,
meine Damen und Herren, indem wir nicht nur die
neue Verfassung in einer wahren demokratischen Weise
auslegen werden, sondern indem wir auch bestrebt sein
werden, die Versprechen unserer Außenminister einzulösen und Berlin nach unseren besten Kräften zu
helfen und es zu verteidigen.
(Lebhafter Beifall.)
Vorsteher Suhr: Herr General, darf ich den Beifall
der Stadtverordneten mit einem Satz übersetzen: Berlin
dankt seinen Alliierten!
(Starker Beifall.)
(Die festliche Sitzung wird beendet mit dem 1. Satz aus
dem 3. Brandenburgischen Konzert von Joh. Seb. Bach.)
(Schluß der Sitzung 10 Uhr 29 Minuten.)

Druck: BBA (Verwaltungsdruckerei), Berlin SO 36, Waldemarstr. 24
        
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