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Periodical volume Nr. 53, 3. August 1950, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

53. Sitzung

3. A u g n s t 1950

515

Fleischmann
abgewandelte Fassung- der Ziffer 2 d e s § 6 vorlegen. D a mit w ü r d e für die T a r i f v e r t r ä g e der Abs. 2 des § 6 im
allgemeinen n u r deklamatorische B e d e u t u n g haben. N u r
bei einigen besonderen Fällen, die in dem W o r t „Unabhängige G e w e r k s c h a f t " b e g r ü n d e t sind, wird eventuell
eine konstitutive W i r k u n g vorliegen.
Vorsteher Suhr:

H e r r Stadtverordneter Pesehke!

Stadtv. Pesehke ( P D P ) : Meine D a m e n und H e r r e n !
Den W o r t e n des H e r r n Kollegen Schellin und auch den
W o r t e n von H e r r n S t a d t r a t F l e i s c h m a n n b r a u c h e ich
nicht viel hinzuzusetzen; denn der H e r r Kollege Schellin
hat die historische E n t w i c k l u n g g e n a u so geschildert,
wie sie sich a u c h in den A u s s c h u ß b e r a t u n g e n darstellte.
An und für sich s t e h t die F r e i e Demokratische P a r t e i
auf d e m S t a n d p u n k t , d a ß es nach S t r e i c h u n g der §§ 2
Abs. 5 und 10 A b s . 5 nicht notwendig wäre, den § 6 in
der vorgeschlagenen F o r m zu ändern. Denn wenn er gestrichen würde, wie hier vorgeschlagen wurde, dann
w ä r e eine völlige 'Übereinstimmung müt Westdeutschland vorhanden. D a Westdeutschland und Berlin in
dieser Beziehung u n s e r e s E r a c h t e n s nicht auseinandergehen und a u c h keine besondere Notwendigkeit einzusehen ist, w ä r e die U r s p r u n g f a s s u n g an sich genügend,
um alle Sicherungen zu bieten. Da wir uns a b e r — auch
in verschiedenen B e s p r e c h u n g e n mit den interessierten
Kreisen — überzeugt haben, d a ß hier keine Einflußn a h m e ins materielle R e c h t erfolgt, und in A n b e t r a c h t
der T a t s a c h e , d a ß die einzelnen V e r t r a g s p a r t n e r und die
alliierten Offiziere d a m i t einverstanden sind — das w ä r e
für uns kein zwingender Grund, dem Gesetz zuzustimmen, d a s m a g n u r a m R a n d e r w ä h n t sein —, da andererseits a u c h eine gewisse Sicherungsmöglichkeit zugestanden w e r d e n m u ß , sind w i r der Auffassung, daß das
Gesetz nicht noch einmal in den Ausschuß für Arbeit
zu k o m m e n b r a u c h t . D a w i r die dringende Notwendigkeit der I n k r a f t s e t z u n g des Gesetzes durchaus würdigen,
können w i r der Vorlage in der F o r m der Drucksache
944 gleich hier im P l e n u m unsere Z u s t i m m u n g geben.
Vorsteher Suhr: Meine D a m e n und H e r r e n ! E s ist
jetzt eine e t w a s schwierige geschäftsordnungsmäßige
Situation e n t s t a n d e n . Ich h a b e schon darauf hingewiesen, d a ß das Gesetz ursprünglich hier schon verabschiedet w o r d e n ist. N a c h der Verabschiedung haben
dann m e h r e r e V e r h a n d l u n g e n stattgefunden, wobei,
soweit m i r mitgeteilt w u r d e — d a s möchte ich allerdings mit aller Deutlichkeit s a g e n —, zwischen den
F r a k t i o n e n ein E i n v e r s t ä n d n i s erzielt worden ist, d a ß
das Gesetz h e u t e zur Verabschiedung kommen sollte.
N u n ist hier wieder ein Gegensatz aufgerissen und eine
nochmalige B e r a t u n g i m A u s s c h u ß gefordert worden.
Ich möchte deshalb z u n ä c h s t n a c h der Geschäftsordn u n g feststellen, d a ß wir uns hier rein formal in folgender Situation befinden. E s handelt sich u m eine
Gesetzesänderung, die in e r s t e r und zweiter Lesung
beraten und beschlossen werden m u ß . Ich möchte daher, um bei dieser A r t des Verfahrens gegen alle Einsprüche in Zukunft g e w a p p n e t zu sein, ausdrücklich
feststellen, d a ß es sich hier u m die erste und zweite
B e r a t u n g eines A b ä n d e r u n g s g e s e t z e s handelt, wenn
es a u c h nicht formal die Überschrift „Abänderungsgesetz" t r ä g t . Weil d a s Gesetz selbst ja noch nicht in
Kraft g e t r e t e n ist, k a n n m a n nicht von einem Gesetz
zur A b ä n d e r u n g eines Gesetzes sprechen. E s wird trotzdem a b e r ein Gesetz geändert, und folglich m u ß d a s in
erster und zweiter B e r a t u n g geschehen.
Ich m ö c h t e nun, um j e d e r Schwierigkeit aus dem
Wege zu gehen, vorschlagen, d a ß w i r hiermit heute die
erste B e r a t u n g dieses Gesetzes abschließen, daß wir
dann, w e n n Sie eine Ü b e r w e i s u n g an den Ausschuß
wünschen, diese B e r a t u n g mit dem Ausschuß noch
heute n a c h m i t t a g v o r n e h m e n und dann morgen die
zweite B e r a t u n g im P l e n u m abschließen. Denn das
Gesetz verliert seinen Sinn, soweit ich sehe, wenn wir
es nicht s p ä t e s t e n s morgen verabschieden.
(Zustimmung.)

Ich darf also feststellen: h i e r m i t ist die erste B e r a t u n g
dieses
„Abänderungsgesetzes" —
in Anführungsstrichen, denn es ist noch k e i n in K r a f t g e t r e t e n e s Gesetz abzuändern — beendet. Die Vorlage wird dem zuständigen A u s s c h u ß zur B e r a t u n g h e u t e n a c h m i t t a g
überwiesen mit der Auflage, morgen Bericht zu erstatten und morgen die S c h l u ß b e r a t u n g in zweiter Lesung
vorzunehmen.
Meine D a m e n und H e r r e n ! W i r k o m m e n d a n n zum
P u n k t 36, Drucksache 946:
Vorlage zur Beschlußfassung über die Übernahme
einer Ausfallbürgschaft für Betriebsmittel-Kredite
der Westberliner Wirtschaft in Höhe von 15 Millionen DM West.
Hier bestand im Ältestenrat Übereinstimmung, d a ß
keine Aussprache stattfinden sollte. Aber bitte, H e r r
Stadtverordneter Swolinsky!
(Stadtv. Swolinsky: Ich wollte n u r Überweisung an
den Wirtschaftspolitischen A u s s c h u ß b e a n t r a g e n . )
— D a s wollte ich gerade a n r e g e n . Ich darf also, wenn
kein Widerspruch erfolgt, feststellen, d a ß die Vorlage
946 dem Wirtschaftspolitischen A u s s c h u ß zur B e r a t u n g überwiesen worden ist. — Es ist so beschlossen.
Ich rufe dann N r . 37 auf, D r u c k s a c h e 947:
Vorlage zur Beschlußfassung über die E r h ö h u n g
der Kur- und Verpflegungskostensätze in den
K r a n k e n a n s t a l t e n der Gebietskörperschaft GroßBerlin.
Auch hier w a r im Ältestenrat angeregt, aber noch nicht
endgültig abgesprochen worden, die Vorlage, die viele
Einzelheiten enthält, dem zuständigen A u s s c h u ß zu
überweisen. — Ich höre keinen Widerspruch und stelle
fest: die Vorlage 947 ist dem zuständigen A u s s c h u ß
zur B e r a t u n g überwiesen.
Wir kommen dann zur Nr. 39, Drucksache 949:
Vorlage zur Beschlußfassung über Regelung der
Haushaltswirtschaft, ab 1. Juli 1950 bis zum Ink r a f t t r e t e n des Gesetzes über die Feststellung des
H a u s h a l t s p l a n s von Groß-Berlin für das Rechnungsj a h r 1950.
Meine Damen und H e r r e n ! Ich darf mir erlauben, von
hier aus zugleich als Stadtverordnetenvorsteher und als
Vorsitzender des H a u p t a u s s c h u s s e s einige B e m e r k u n g e n
zu dieser Vorlage zu machen.
Diese Vorlage ist bereits dem H a u p t a u s s c h u ß zur
Vorberatung überwiesen worden. Der H a u p t a u s s c h u ß
h a t Ihnen heute morgen eine von der M a g i s t r a t s v o r l a g e
abweichende Formulierung über die Regelung der
Haushaltswirtschaft h e k t o g r a p h i e r t auf den Tisch gelegt. E s handelt sich um zwei wichtige F r a g e n .
E s handelt sich erstens u m die F r a g e , ob bei der
Wirtschaftsführung jetzt, nachdem der Haushaltsplan
1950 zwar beschlossen, aber noch nicht in Kraft g e t r e ten ist, weil noch die Z u s t i m m u n g der Alliierten Komm a n d a n t u r fehlt, schon nach dem Haushaltsplan 1950
gewirtschaftet werden k a n n oder nicht. Durch diese
Vorlage und den Beschluß des H a u p t a u s s c h u s s e s soll
der Magistrat das Recht erhalten, unbeschadet der
noch fehlenden Z u s t i m m u n g der Alliierten K o m m a n d a n t u r nach dem H a u s h a l t s p l a n 1950 zu wirtschaften.
Das ist aber n u r ein G r u n d s a t z : denn dieser Grundsatz
wird in der P r a x i s dadurch wesentlich in F r a g e gestellt,
daß der Haushaltsplan 1950 bekanntlich einen Fehlb e t r a g aufweist. Solange dieser F e h l b e t r a g nicht durch
die Bundeshilfe gedeckt ist, stehen die Ansätze des
Haushaltsplans zu einem Teil auf dem Papier. E s m u ß
daher, solange w i r auf unregelmäßige, nicht feste
Monatszuschüsse des Bundes angewiesen sind, nach
einem Kassenplan gewirtschaftet werden. Wir müssen
bedauerlicherweise die Wirtschaft des vorigen H a u s haltsjahres noch so lange fortsetzen, bis mit dem Bund
eine endgültige Vereinbarung über dessen Hilfe getroffen ist.
Deshalb fordert der Beschluß des Hauptausschusses
in seinem zweiten Teil die Vorlage des Kassenplans
seitens des M a g i s t r a t s an den H a u p t a u s s c h u ß , damit die
        
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