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Periodical volume Nr. 51, 6. Juli 1950, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

5 1 . Sitzung vom 6. J u l i 1950

±05

Stadie
sozialen B e t r e u u n g nicht n u r den einen Personenkreis
zu berücksichtigen haben, sondern auch den andern.
Wir h a b e n die E m p f i n d u n g , d a ß bei der E t a t g e s t a l tung, wie sie augenblicklich vorliegt, die Alten und
Gebrechlichen nicht in dem gleichen U m f a n g berücksichtigt w e r d e n wie die J u g e n d . Ich bitte mich da nicht
falsch zu verstehen. W i r sind voll und g a n z davon
überzeugt, d a ß jeder P e r s o n e n k r e i s in ausreichendem
M a ß e b e t r e u t w e r d e n m u ß . A b e r wir h a b e n bei der
Überprüfung
des U n t e r a b s c h n i t t e s H a u p t j u g e n d a m t
feststellen müssen, d a ß die fiskalischen Kosten für die
J u g e n d a r b e i t so hoch sind, d a ß sie zu den praktischen
Erfolgen, die w i r doch alle wünschen, eigentlich nicht
in richtiger Relation stehen. W e n n z. B . i n einem Heim
—• es Ist m i r i m Moment nicht erinnerlich, welches
Heim es Ist —, in dem 200 Kinder, die allerdings im
Laufe des J a h r e s i m m e r wieder wechseln, betreut
werden, die G e s a m t k o s t e n 500 000 M a r k betragen, so
bedeutet d a s eine B e l a s t u n g von 2500 D M j e Kind.
Hier w ä r e es der E r w ä g u n g wert, festzustellen, ob
nicht eine a n d e r e A r t der J u g e n d b e t r e u u n g und J u g e n d förderung möglich ist. Ich könnte m i r sehr g u t vorstellen, d a ß m a n vielleicht doch m e h r die privaten
k a r i t a t i v e n I n s t i t u t e und A n s t a l t e n berücksichtigen
sollte. Sie b r a u c h e n nicht i m m e r konfessionellen Char a k t e r zu t r a g e n — d a m i t w i r uns nicht falsch verstehen. I c h glaube jedenfalls, es w ä r e besser, die fiskalischen K o s t e n h e r u n t e r z u d r ü c k e n und a u c h sonstige
S p a r m a ß n a h m e n durchzuführen. Kollege Neumann, wir
haben oft g e n u g über die Telephonspesen, Heizungsund T r a n s p o r t s p e s e n bei diesen H e i m e n gesprochen.
Wenn m a n die E t a t s von p r i v a t e n Kinderheimen und
ähnlichen A n s t a l t e n kennt, weiß man, mit wieviel g e ringeren Mitteln dort wesentlich g r ö ß e r e Erfolge erzielt w e r d e n und ein wesentlich g r ö ß e r e r Personenkreis e r f a ß t wird.
Meine D a m e n und H e r r e n ! Erfreulieherweise h a t der
Gesundheitszustand von Berlin eine wesentliche Besser u n g erfahren. W i r w e r d e n uns a u c h beim Gesundheitsetat die F r a g e vorlegen müssen, ob und in welchem U m f a n g der A u s b a u der K r a n k e n a n s t a l t e n notwendig bzw. z w e c k m ä ß i g zu s t e u e r n ist. W i r legen
selbstverständlich W e r t darauf, d a ß Berlin wieder den
alten K r a n k e n h a u s b e s t a n d b e k o m m t , den es früher g e h a b t h a t . W i r m ü s s e n a b e r eine Überprüfung der ges a m t e n V e r w a l t u n g s k o s t e n vornehmen. Die Ansätze
für die V e r w a l t u n g s k o s t e n zeigen gegenüber den privaten A n s t a l t e n im V e r h ä l t n i s zu der Zahl der P l a n betten eine Ü b e r s t e i g e r u n g , die w i r uns von städtischer
Seite nicht leisten können.
B a u - u n d W o h n u n g s w e s e n ! H e r r S t a d t r a t Nicklitz
will u n s i n den n ä c h s t e n Wochen nun endlich den
S t a d t p l a n vorlegen, damit die Bauwirtschaft und die
B a u h e r r e n wissen, wie und wo sie nun eigentlich bauen
können. W i r hoffen, d a ß w i r in den nächsten Wochen
und M o n a t e n noch Gelegenheit h a b e n werden, diese
Vorlage der Abteilung Bau- und Wohnungswesen zu
verabschieden. Denn ich möchte nicht in die Verlegenheit • kommen, d a ß uns im n ä c h s t e n J a h r e bei einer
neuen Z u s a m m e n s e t z u n g
des M a g i s t r a t s n a c h den
Wahlen und eventuell u n t e r einem neuen H e r r n Stadtr a t wieder n e u e P l ä n e vorgelegt werden. Ich glaube,
daß die B a u w i r t s c h a f t Berlins eine derartige Verzögerung nicht w i r d hinnehmen können. In den letzten
Monaten ist u n t e r der Leitung der Abteilung Bau- und
Wohnungswesen die h e u t e schon mehrfach e r w ä h n t e
G r ü n p l a n u n g mit den GARIOA-Mitteln durchgeführt
worden, und w i r h a b e n in den letzten T a g e n eine Vorlage über diese G r ü n p l a n u n g und über die V e r w e n d u n g
der E R P - M i t t e l b e k o m m e n . Ich m u ß offen sagen, wir
hätten gewünscht, d a ß der M a g i s t r a t die Stadtvero r d n e t e n v e r s a m m l u n g e t w a s früher über diese Dinge
unterrichtet h ä t t e , schon damals, als diese Dinge in
der E x e k u t i v e durchgearbeitet w u r d e n . Denn wir haben
feststellen müssen, d a ß die M a ß n a h m e n des M a g i s t r a t s
von der Bevölkerung außerordentlich unterschiedlich
beurteilt w u r d e n . E s ist für einen Abgeordneten immer
mißlich, w e n n i h m nicht das amtliche Material zur Ver-

f ü g u n g steht und er deshalb nicht g e n a u e Aufklärung
über die Dinge geben k a n n . Zweifellos h a t sich der
M a g i s t r a t in einer Z w a n g s l a g e befunden, gebunden
durch die Befehle, die für diese Aktion gegeben w u r den. W i r w ü r d e n es begrüßen, wenn wir in Zukunft
über solche Dinge — wir hoffen doch, d a ß diese Aktion
in etwas v e r ä n d e r t e r F o r m weitergeführt wird —
orientiert werden; denn wir wollen nicht a u ß e r a c h t
lassen, d a ß es sich um S u m m e n handelt, die sowohl
innerhalb wie a u ß e r h a l b des E t a t s zu Buch schlagen.
Ebenso haben wir es bedauert, d a ß wir von der Abteilung Bau- und Wohnungswesen bisher kein offizielles
Zahlenmaterial über die V e r w e n d u n g der ERP-Mittel
bekommen haben. Ich m u ß offen sagen, d a ß g e r a d e in
Kreisen des privaten Hausbesitzes über die Verwendung der ERP-Mittel, der ersten T r a n c h e über 35 Millionen und n u n m e h r der zweiten über 15 Millionen,
ä u ß e r s t unterschiedliche Meinungen herrschen.
Ich
glaube, daß es n u r im Interesse des M a g i s t r a t s liegen
kann, daß er seine K a r t e n nach dieser R i c h t u n g hin
offen aufdeckt, damit nicht der Eindruck erweckt wird,
als ob diese oder jene Kreise der Bauwirtschaft und
der Bauherren eine besondere Bevorzugung erfahren
hätten.
Meine Damen und H e r r e n ! Die Wirtschaft Berlins
konnte im vergangenen J a h r leider nicht die A u f w ä r t s bewegung nehmen, die wir nicht allein im Interesse
der Haushaltswirtschaft des Berliner M a g i s t r a t s , sondern a u c h im Interesse der Gesamtbevölkerung Berlins
gewünscht hätten. Die Gründe hierfür sind so vielfältig, d a ß hier weder die Zeit noch der O r t ist, n ä h e r
darauf einzugehen. W i r stellen a b e r mit Befriedigung
fest, d a ß die Wirtschaft allein a u s sich h e r a u s vieles
z u r eigenen Gesundung g e t a n hat und a u c h heute noch
t u t . I n den Dank, den w i r hier der Wirtschaft abzus t a t t e n haben, schließen wir auch die Kreise der A r beiter und Angestellten ein, die selbstlos a n dieser Gesundung der Wirtschaft mitgearbeitet haben. Wir erkennen d a n k b a r die Hilfestellung an, die der Berliner
Wirtschaft seit einigen Monaten seitens der Westalliierten im besonderen durch die E R P - K r e d i t e i m
R a h m e n des Marshall-Plans gegeben wird. W i r wissen
auch, d a ß die S t a d t v e r o r d n e t e n v e r s a m m l u n g in allen
ihren Teilen bemüht war, der Wirtschaft d u r c h g e eignete Gesetze und M a ß n a h m e n zu helfen und damit
gleichzeitig die soziale L a g e der Berliner Bevölkerung
zu bessern. Wir erkennen im besonderen die Bemühungen des H e r r n Oberbürgermeisters
und des H e r r n
S t a d t k ä m m e r e r s an, durch ihre zahllosen Besprechungen mit der Bundesregierung die notwendigen Mittel
für den Berliner E t a t bereitzustellen.
W i r h ä t t e n es aber b e g r ü ß t , w e n n die Abteilung
Wirtschaft auch ihrerseits alles Erdenkliche z u r Lösung des Berliner Wirtschaftsproblems g e t a n h ä t t e .
Wir haben leider den Eindruck, d a ß dies nicht in dem
wünschenswerten U m f a n g geschehen ist, wenigstens
nicht so offen nach a u ß e n hin, und daß n a c h dem F o r t fall der Zwangswirtschaft in der Wirtschaftspolitik der
Abteilung Wirtschaft ein gewisses V a k u u m eingetreten
ist. Wir h ä t t e n es b e g r ü ß t , wenn die Abteilung W i r t schaft
mehr
auf
die W ü n s c h e der
Wirtschaft
selbst eingegangen wäre, im besonderen auf die
Wünsche in organisatorischer Hinsicht. Wir glauben,
d a ß in der Zwischenzeit manches besser geworden wäre,
w e n n die E r r i c h t u n g von p r i v a t e n Banken, von Industrie- und H a n d e l s k a m m e r und a n d e r e r wirtschaftlicher Selbstverwaltungsorgane — auch die E i n r i c h t u n g
der Börse gehört hierher — früher in Angriff genommen
worden w ä r e . Die wachsende Zahl der Arbeitslosen h ä t t e
für die betreffende F a c h a b t e i l u n g ein warnendes Menetekel sein m ü s s e n . Ich glaube, d a ß auch n a c h dieser
R i c h t u n g hin manches an Zwischenlösungen seitens der
Abteilung Wirtschaft g e t a n werden k a n n .
Meine D a m e n und H e r r e n ! E s ist heute schon viel
über die Abteilung V e r k e h r und Betriebe gesprochen
w o r d e n d . h . über die Betriebe, die größtenteils mit
kaufmännischer B u c h f ü h r u n g arbeiten. Wir haben allerdings den Eindruck, d a ß m i t d e r kaufmännischen Buch-
        
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