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Periodical volume Nr. 37, 12. Januar 1950, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

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37. Sitzung vom 12. Januar 1950

Stadtv. Swolinzkj, Berichterstatter: Meine Damen
und Herren! Wir haben zur Drucksache Nr. 280, dem
Antrag der Fraktion der CDU, Stellung genommen.
Der Ausschuß war einstimmig der Meinung, in Rücksicht darauf, daß der Magistrat in der Zwischenzeit
durch eine Erklärung dem Gedanken des Antrages beigetreten ist, solle man diesen Antrag als erledigt betrachten. Praktisch Ist er durch die Verhältnisse überholt.
Vorsteher Suhr: Ich stelle fest, Wortmeldungen liegen
nicht vor. Ich darf daher ohne Abstimmung gleichzeitig
feststellen, daß das Plenum dem Beschluß des Wirtschaftspolitischen Ausschusses vom 20. Dezember 1949
so, wie er in der Drucksache Nr. 563 formuliert ist,
seine Zustimmung gibt.
Wir kommen dann zu Punkt 22 unserer Tagesordnung, Drucksache Nr. 564:
Beschluß des Sportausschusses vom 21. Dezember
1949 zum Antrag der Fraktion der CDU über
Errichtung einer Hochschule für Leibesübungen.
Berichterstatter ist Herr Stadtverordneter Barthelmann.
Stadtv. Barthelmann, Berichterstatter: Meine Damen
und Herren! Der Sportausschuß der Stadtverordnetenversammlung hat sich in zwei Sitzungen mit dem vorliegenden Antrag der CDU beschäftigt. Es ist vielleicht notwendig, daß ich dem Hause einmal sage, wie
der Zustand dieses Instituts früher war. Bis 1933 bestand eine Hochschule für Leibesübungen in Berlin, die
vom Staat subventioniert wurde, aber in der Verwaltung
des Reichsausschusses für Leibesübungen stand, also
der Spitzenorganisation der damaligen bürgerlichen
Sportverbände. In Leipzig bestand eine Bundesschule
des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, die ebenfalls vom
Staat subventioniert wurde und ebenfalls unter der
Verwaltung der Spitzenorganisation der damaligen Arbeitersportverbände stand. Diese beiden Institute hatten
das Recht, Lehrer auszubilden für den freien Sportlehrerberuf, und sie hatten außerdem die Aufgabe
durchzuführen, Funktionäre für die freie Sportbewegung
in ihrer Weiterentwicklung zu fördern. Daneben bestanden an den Universitäten Institute, die den Universitätssport förderten, und außerdem hatte selbstverständlich
die Schulverwaltung die Aufgabe, die Ausbildung der
Schullehrer für den Turn- und Sportunterricht durchzuführen. Alle diese Einrichtungen sind nach 1933 zum
Teil beseitigt worden. 1945 nach dem Zusammenbruch
war nichts mehr von diesen Instituten vorhanden.
Der Ausschuß glaubte nun, daß es notwendig ist, daß
der Magistrat an die Lösung dieser unerhört dringend
notwendigen Aufgaben herangeht. Wenn wir uns einmal den Zustand des Schulsports betrachten, dann können wir feststellen, daß durch die Nichtausbildung von
Turn- und Sportlehrern, die für die Schulen eingesetzt
werden können, eine große Lücke entstanden ist. Es
ist vielleicht bezeichnend dafür, daß in einem Berliner
Bezirk das Durchschnittsalter des Turn- und Sportlehrers in der Schule an 60 Jahre heranreicht. Es fehlt
also der Nachwuchs. Eis ist notwendig, daß diese Ausbildung in Angriff genommen wird.
Nun besteht bei der Pädagogischen Hochschule eine
Einrichtung, die diese Ausbildung durchführt. Auf der
anderen Seite hat sich bei der Freien Universität ebenfalls das Institut für Leibesübungen gebildet, das nunmehr daran gegangen ist, Anfänge zu entwickeln für
eine zukünftige Hochschule für Leibesübungen.
Der Ausschuß war nun der Meinung, daß das Problem
einmal angepackt werden muß, um diese Aufgaben zu
lösen. Der Ausschuß war sich klar darüber, daß die
finanzielle Lage der Stadt einer großzügigen Lösung
hindernd im Wege steht. Aber ebenso klar war sich
der Ausschuß darüber, daß verhindert werden müsse,
daß sich innerhalb der Stadt Berlin von den verschiedensten Seiten aus ein Nebeneinanderorganisieren auf
diesem Gebiet ergibt, und daß von der Abteilung Volksbildung, die federführend dafür ist, nunmehr der Versuch gemacht werden sollte, die Aufgaben zu koordi-

nieren und der Stadtverordnetenversammlung eine entsprechende Vorlage zu machen, nachdem zunächst einmal ein Plan über den Finanzbedarf aufgestellt worden ist.
Wenn auch eine großzügige Lösung der Gesamtaufgabe zur Zeit nicht möglich sein wird, so ist es doch
notwendig, mit den geringen Mitteln, die der Stadt
Berlin hierfür zur Verfügung stehen, Anfänge zu schaffen. Jedenfalls wünscht und hofft der Ausschuß, daß
die Stadtverordnetenversammlung seinem formulierten
Antrag zustimmt, wonach der Magistrat beauftragt
wird, die geeigneten Schritte zur Errichtung einer Hochschule für Leibesübungen, die unter anderem auch einer
bestehenden Hochschule angegliedert werden könnte,
zu unternehmen. Ich bitte Sie, diesem Antrag zuzustimmen.
Vorsteher Suhr: Ich eröffne die Aussprache über den
Bericht. Das Wort hat Herr Stadtverordneter Weigelt.
Stadtv. Weigelt (SPD): Meine Damen und Herren!
Wir begrüßen von Seiten der sozialdemokratischen
Partei diesen Antrag. Der Zusatz, daß die Errichtung
einer Hochschule für Leibesübungen unter anderem auch
einer bestehenden Hochschule angegliedert werden
könnte, findet nicht unseren Beifall. In der Weimarer
Zeit hat die Stadt Berlin zwei Hochschulen für Leibesübungen gehabt, eine deutsche Hochschule und eine
preußische. Damals ging der Streit darüber, was wohl
wertvoller sei für die Ausbildung: der Sport oder das
Turnen. Diese Auseinandersetzung ist überwunden, sie
liegt zurück. Aber die Notwendigkeit besteht, erstens
Lehrer für den Turnunterricht und den Sportunterricht
in den Schulen heranzubilden, und zweitens geeignete
Lehrkräfte den Vereinen zu stellen.
Es würde Schwierigkeiten machen, diese Hochschule
für Leibesübungen einer der bestehenden Hochschulen
anzugliedern; denn es könnte möglich sein, daß man
dann die Hochschulreife verlangt. Das ist bei den
Sportlern nicht immer möglich. Wenn jetzt zwei Institute im Entstehen begriffen sind, eine an der Pädagogischen Hochschule und eine an der Universität, so
wäre es wünschenswert, daß aus diesen Anfängen baldmöglichst eine selbständige Hochschule für Leibesübungen gestaltet wird, um den besonderen Aufgaben,
die auf diesem Gebiet zu erfüllen sind, die Möglichkeit
der Entwicklung zu schaffen.
Wir sehen ein, daß die finanziellen Schwierigkeiten
der Stadt Berlin im Augenblick noch groß sind. Aber
es wäre möglieh, daß die finanzielle Belastung durch
die beiden Institute ähnliche Ausgaben erfordert wie
eine eigene Hochschule für Leibesübungen. Und wenn
dann ein Teil der Ergebnisse des Sporttotos hier noch
eingesetzt werden könnte, so ließe sich in absehbarer
Zeit wahrscheinlich die Verwirklichung einer Hochschule
für Leibesübungen erstreben.
Im Augenblick stimmen wir dem Antrag zu, möchten
aber, daß die Abteilung für Volksbildung in ihren Vorschlägen darauf abzielt, einer selbständigen Hochschule
für Leibesübungen in Berlin die Bahn zu öffnen und
ihr die Möglichkeit der Entwicklung zu geben.
Vorsteher Suhr: Das Wort hat Herr Stadtverordneter
Dumstrey.
Stadtv. Dumstrey (CDU): Meine Damen und Herren!
Ich wundere mich über die Ausführungen des Kollegen
Weigelt, denn im Ausschuß waren wir alle der Auffassung, wie sie auch der Vertreter der SPD als
Sprecher des Ausschusses hier zum Ausdruck gebracht
hat: Wir wünschen eine Hochschule für Leibesübungen.
Nur, wenn im Augenblick die finanziellen Mittel nicht
ausreichen, würden wir damit einverstanden sein, daß
mit diesem Arbeitsgebiet irgendwo angefangen wird,
wo etwas Ähnliches bereits läuft: an der Pädagogischen
Hochschule oder an der Freien Universität. Wir haben
alle die Bedenken, die eben hier geäußert worden sind,
auch im Ausschuß schon von allen Seiten beleuchtet
und haben uns grundsätzlich auf den Standpunkt ge-
        
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