Path:
Periodical volume Nr. 43, 6. April 1950, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

216

43. Sitzung; vom 6. April 1950

May
daß den Studierenden der Hochschulen Im Durchschnitt je 90 DM umgetauscht wurden und denen der
Fachschulen 70 DM. Wie diese Unterschiede zustandegekommen sind, möchte ich im einzelnen hier nicht entwickeln. Sie sind seinerzeit vom Währungsausschuß
In dieser Form festgelegt worden. Es gab bestimmte
Gründe dafür, das jetzige Verfahren, das in seinem
Grundsatz wohl von allen gutgeheißen wird, einzuführen, nämlich diese ganze Zahlung aus der Lohnausgleichskasse herauszunehmen und sie durch einen
besonderen Fonds zu regeln. Daß hierbei nun eine
Herabsetzung der bisherigen Sätze erfolgte, und zwar
bei den Studierenden der Hochschulen von 90 auf
80 DM und bei den Studierenden der Fachschulen von
70 auf 65 DM, bedeutet keine endgültige Regelung.
Das möchte ich hier ausdrücklich feststellen. Es Ist
eine Übergangslösung für die Monate April und Mal,
und sie ist in dieser Form gewählt worden, um mit
möglichst geringem Zeltverlust schon jetzt den
Studierenden die Möglichkeit zu geben, in den Genuß
dieser Beträge zu kommen. Ab 1. Juni wird das gesamte Verfahren unter Neufestsetzung von Sätzen auf
eine andere Basis gestellt werden, und auch die Abteilung für Volksbildung steht dabei auf dem Standpunkt, daß eine gleiche Behandlung aller Studierenden
erfolgen muß, ganz gleichgültig, ob es Studierende der
Hochschulen oder Studierende der Fachschulen sind.
Mit diesen Dingen muß sich noch der Hauptausschuß beschäftigen, weil im Rahmen des Etats 1950
erst einmal festgestellt werden muß, welche Beträge
überhaupt für diesen Zweck zur Verfügung gestellt
werden.
Ich möchte also sagen, daß für die prekäre Lage der
Studierenden seitens der Verwaltung durchaus Verständnis vorherrscht, daß auf der anderen Seite aber
auch mit den verfügbaren Mitteln in sparsamster
Weise umgegangen werden muß, und daß man versuchen muß, diese beiden Dinge in eine vernünftige
Relation zu bringen.
Stellv. Vorsteher Frau Dr. Maxsein: Das Wort hat
Herr Stadtverordneter Landsberg.
Stadtv. Landsberg (SPD): Meine Damen und Herren!
Nach den Ausführungen von Herrn Stadtrat May kann
ich mich sehr kurz fassen. Ich möchte vor allem darauf
hinweisen, daß die Mittel, die die Berliner Stadtverwaltung den Studenten aller Hochschulen und Fachschulen an Unterstützungen, Stipendien usw. zur Verfügung gestellt hat, so groß sind wie in keinem
anderen deutschen Land der Bundesrepublik. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat in einem Umfang die Möglichkeit zum Studium für diejenigen
Kreise gegeben, die nicht bemittelt sind, wie es kein
anderes deutsches Land bisher getan hat.

Umständen zu gewährleisten. Darüber, wie dann die
endgültige Regelung erfolgt, werden wir uns im Hauptausschuß zu unterhalten haben.
Dann aber habe ich zum Schluß noch eine besondere
Bitte an die Verwaltung, sowohl an die Abteilung
Volksbildung wie an die Abteilung Finanzwesen. Unsere
Studenten haben darunter sehr gelitten, daß sie bis
zum letzten Augenblick völlig im Unklaren darüber
waren, was überhaupt mit den Zahlungen an sie geschieht, und das ist das besorgniserregende Moment
gewesen. Sie wußten nicht: wann kriegen wir etwas
bezahlt, in welchem Umfang wird gezahlt, in welchen
Raten wird gezahlt? Wir haben das schon einmal vor
einem Jahr erlebt, und auch damals haben wir die
gleiche Bitte an die Verwaltung gerichtet. Es muß dafür gesorgt werden daß durch ein rechtzeitiges Zusammenwirken der Abteilungen für Finanzwesen und
Volksbildung die Studenten einigermaßen übersehen
können, wann und in welchem Umfange sie Geld bekommen.
(Bravo! bei der SPD.)
Stellv. Vorsteher Frau Dr. Maxsein: Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Damit ist dieser Punkt
erledigt. Das Haus hat Kenntnis genommen.
Wir fahren fort in der Beratung der Vorlagen zur
Kenntnisnahme. Es war Beratung beantragt worden
bei Punkt 3, Drucksache 639:
Vorlage zur Kenntnisnahme über Übernahme
des Instituts für Ernährungs- und Verpflegungswissenschaft.
Wird das Wort gewünscht? Herr Stadtverordneter
Dr. Tiburtius!
Stadtv. Dr. Tiburtius (CDU): Meine Damen und
Herren!
In dieser Vorlage zur Kenntnisnahme
scheint uns das beste zu sein, daß der Westberliner Magistrat sich hiermit zu der Verpflichtung
bekennt, aus der ansehnlichen Hinterlassenschaft
der alten Landwirtschaftlichen
Hochschule, der
späteren landwirtschafts-wlssenschaftlichen
Fakultät
der alten Berliner Universität diese wichtigen Institute zu übernehmen, von denen das eine hier in dieser
Vorlage behandelt wird, während eine Reihe anderer
Institute durch Sondervorlagen unserer Aufmerksamkeit nähergebracht werden. Ich glaube, daß diese Aufzählung so zahlreicher Institute wie für Ernährung und
Verpflegung auf der einen Seite, Gärungsgewerbe, Studien auf dem Gebiet der Spirituosenherstellung, Brauereltechnik auf der anderen Seite, daß diese Mannigfaltigkeit von Instituten uns doch zu einer zusammenfassenden Überlegung darüber nötigt, was mit all diesen
einzelnen Instituten künftig werden soll. Wünschenswert wäre es ja, wenn wir wieder eine Landwirtschaftliche Hochschule in Westberlin anstreben könnten. Dazu
fehlt es uns einstweilen an der Landwirtschaft, die uns
beklagenswerterweise abhanden gekommen ist. Aber
man könnte sehr wohl daran denkein, zunächst einmal
ein landwirtschaftliches Institut als Zelle künftiger Entwicklung aufzubauen und ihm diese Institute als
Ansatzpunkte eines Aufbaus unter besseren politischen
Bedingungen anzugliedern.

Bei der Situation, die Herr Stadtrat May geschildert
hat, ist vor allem auch wichtig, zu erkennen, daß diese
Umstellung auch aus bestimmten anderen Gründen
notwendig geworden ist. Es ist bedauerlich daß man
hat feststellen müssen, daß es gewisse Studenten gegeben hat — und ihre Zahl ist nicht gering —, die
leider die Möglichkeit des Währungsumtausch^ zu
Täuschungen benutzt haben, die sich sogar eine Tante
im Ostsektor besorgt haben, um sich offiziell dort anWir sollten bei der Übernahme solcher Institute aber
zumelden, aber bei ihren Eltern im Westsektor wohnen
blieben, um auf diese Art und Weise schnell aus beizeiten daran denken, daß es eine gute Überlieferung
der deutschen Wissenschaft ist, bei derartigen Insti90 Ostmark 90 Westmark zu machen. Es sind zum
Teil mehr Anmeldungen bei den Währungsstellen von tuten Forschungsarbeit und Lehrtätigkeit miteinander
Studenten dagewesen, als es überhaupt Studenten gab; zu verbinden. Akademische Lehre gibt es nicht ohne
Forschung, und es ist schade, wenn wertvolle Foreine sehr ernste Situation.
schungsarbeiten irgendwo geleistet werden, die nicht
Im Hinblick aber auf die Regelung, die nun am
dazu benutzt werden können, jungen Menschen einen
1. Juni Platz greift, möchte ich doch Herrn Stadtrat Anhaltspunkt für ihre eigene berufliche Vor- und FortMay als Dezernenten bitten zu überlegen, ob man bildung zu bieten.
nicht für eine Übergangszeit eine Anglelchung der
Darum sollten wir Anschluß dieser Institute an die
beiden Beträge von 60 und 80 DM vornehmen sollte.
vorhandenen Berliner Hochschulen suchen. Und da
(Sehr richtig! bei der SPD.)
macht mich ein Satz in der Vorlage etwas besorgt. Es
Man sollte das zum mindesten tun, um das Existenz-, wird hier in einer, wie mir scheint, etwas einseitigen
minimum auch für die Fachschulstudenten unter allen Weise vom Amt für Volksbildung darauf hingewiesen,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.