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Periodical volume Nr. 42, 23. März 1950, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1950

42. Sitzung vom 23. März 1950

183

Knappe
werden auf diese Weise „ausgerichtet", mit dem offengeringe Ergänzungen ausreichend gemacht werden könsichtlichen Ziel, in ihren zukünftigen Stellen Träger der
nen, um den berechtigten Bedarf von Nachwuchskräften
kommunistischen Ideologie zu werden. Hierin liegen für die chemische Industrie zu sichern. Wir wissen ja
meiner Auffassung nach bedeutende Gefahren für West- hoffentlich alle, wie schwierig und wie kostspielig es ist,
berlin und im allgemeinen.
gerade diese Laboratorien neu zu schaffen, und es
wenn wir vielleicht an einzelnen Stellen ErgänAuch in sozialer Hinsicht ergeben sich für die Stu- würde,
zungen vornehmen könnten, der Aufgabe, die hier gedierenden aus den Westsektoren bedeutende Nachteile,
stellt ist, gedient werden.
da die Bewilligung ihrer Stipendien von ihrer politischen Haltung und Einstellung abhängig gemacht wird.
Wir sind also aus diesen Gründen dafür, daß im
Auch wird von ihnen verlangt, daß sie ihre Wohnung Volksbildungsausschuß eine genaue Durchprüfung der
im Ostsektor nehmen.
Angelegenheit erfolgt mit dem Ziel, dem Nachwuchs
für die Westberliner chemische Industrie unter allen
Damit erwächst auch für die chemische Industrie
Umständen zu helfen.
Westberins und zugleich Westdeutschlands eine Gefahr
dadurch, daß wertvolle Kräfte verlorengehen oder in
ein unerwünschtes Fahrwasser gelangen. Die Gefahr
Vorsteher Suhr: Herr Stadtverordneter Swolinzky!
ist um so bedeutender, weil es hier nur eine Ingenieurschule gibt, der die Sorge für den Nachwuchs obliegt.
Stadtv. Swolinzky (SPD): Ich schlage aus formalen
In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, daß Gründen eine Abänderung vor. Es heißt in der Vorlage,
das Amt für Volksbildung solle den Auftrag bekommen.
hier auch große Gefahren für die Dozenten bestehen,
Es ist nicht üblich, daß das Stadtparlament mit den
von denen weit über die Hälfte in den Westsektoren
einzelnen Dienststellen des Magistrats verkehrt. DesBerlins wohnen.
halb hat es zu heißen: der Magistrat wird beauftragt.
Aus diesen Gründen, die sich noch beliebig vermehren lassen, dürfte die Notwendigkeit der Errichtung
Im übrigen aber wollen wir den Magistrat beauftragen, eine Vorlage dieser Art zu schaffen. Alle Dinge,
einer Chemie-Ingenieur-Schule in Westberlin erwiesen
die eben von Herrn Dumstrey vorgetragen wurden, die
sein. Nicht unerwähnt soll in diesem Zusammenhang
eventuell zu Bedenken führen könnten, haben wir ja
sein, daß auch die Errichtung von Abendlehrgängen
dann nach Vorlage durch den Magistrat hinreichend
notwendig wäre, um Facharbeitern Gelegenheit zur
Weiterbildung zu geben. Gerade diese Abendkurse Gelegenheit, sowohl in den Diskussionen hier als auch
im Wirtschaftspolitischen Ausschuß zu behandeln.
liegen mir besonders am Herzen, da ich aus eigener
Erfahrung weiß, daß das in Jahren an den AbendIch bitte deshalb, folgende Abänderung vorzunehmen.
schulen erworbene Wissen die Möglichkeit schafft, späEs soll heißen:
ter leitende Stellungen in der Industrie einzunehmen.
Der Magistrat wird beauftragt, eine Vorlage zu
Schließlich können auch zur Milderung der augenmachen zum Zwecke der Schaffung einer Chemieblicklichen Situation Lehrgänge für Erwerbslose einIngenieurschule.
gerichtet werden, die somit der chemischen Industrie
erhalten bleiben und nicht in andere Berufe abwandern.
Vorsteher Suhr: Herr Stadtverordneter Peschke!
Die bislang unternommenen Schritte sind trotz
wärmster Befürwortung seitens der Industrie und der
Stadtv. Peschke (FDP): Meine Damen und Herren!
Gewerkschaften ohne Ergebnis geblieben. Insbesondere
Nachdem dieser Abänderungsvorschlag des Kollegen
die Industrie legt Wert darauf, auch in Zukunft tüchSwolinzky hier gemacht worden ist, sehen wir nach der
tigen Nachwuchs, frei von kommunistischer Einstellung,
eingehenden Begründung des Kollegen Knappe, der wir
zu haben. Das gleiche gilt auch für die zahlreichen
nichts weiter hinzuzusetzen haben, durchaus keine Notmit der chemischen Industrie zusammenhängenden
wendigkeit, den Antrag im Ausschuß zu besprechen,
Zubringer, wie Maschinen-, Elektroindustrie usw. Ersondern wir würden hier gleich zustimmen. Denn die
fahrungsgemäß geht auch ein Teil der Studierenden
Vorlage ist ja dann erst die richtige Diskussionsbasis,
nach dem Westen Deutschlands und sogar ins Ausland,
auf Grund derer alle Fragen hinsichtlich der Bereitso daß auch diese Kreise Interesse daran haben, in stellung von Mitteln usw. besprochen werden können.
politischer Beziehung einwandfrei erzogene Kräfte zu
übernehmen. Diese Verbindung nach auswärts aufVorsteher Suhr: Weitere Wortmeldungen liegen nicht
rechtzuerhalten, ist im Hinblick auf die zukünftige
vor. Wir kommen zur Abstimmung. Ich fasse den AnEntwicklung Berlins besonders wertvoll.
trag, der eben von Herrn Swolinzky vorgelegt wurde,
Deshalb müssen wir uns meines Erachtens bereitfinnicht als einen Abänderungsantrag auf, sondern ich
den, dafür Sorge zu tragen, daß Mittel bereitgestellt
stelle fest, daß die Antragsteller, die sozialdemokrawerden, um im Interesse des Nachwuchses und der
tische Fraktion, ihre ursprüngliche Fassung, wie sie in
Wirtschaft Berlins eine Chemie-Ingenieur-Schule er- Drucksache 660 formuliert wurde, zurückgezogen und
richten zu können. Die für die Errichtung der Schule
ersetzt haben durch den eben verlesenen Antrag.
bereitzustellenden Mittel sind relativ gering und komEs ist kein formeller Antrag auf Überweisung gemen letzthin der Wirtschaft Berlins durch das
stellt worden, sondern im Gegenteil eben durch den
beträchtliche Steuervolumen der chemischen Industrie
letzten Redner erklärt worden, daß auch seine Fraktion
wieder zugute.
die unmittelbare Abstimmung hier im Hause wünscht.
Wer also dem neuformulierten Antrag der sozialdemoMeine Damen und Herren, ich möchte Sie bitten,
dem Antrag der sozialdemokratischen Fraktion Ihre kratischen Fraktion in dem Wortlaut „Der Magistrat
wird beauftragt, eine Vorlage zu schaffen zum Zwecke
Zustimmung zu geben.
der Schaffung einer Ingenieurschule für Chemie" zustimmen will, den bitte ich, das Handzeichen zu geben.
Vorsteher Suhr: Herr Stadtverordneter Dumstrey!
— Das ist einstimmig beschlossen.
Stadtv. Dumstrey (CDU): Meine Damen und Herren!
Wir kommen nunmehr zu Punkt 33 unserer TagesBen Ausführungen des Kollegen Knappe habe ich nicht
ordnung, Nr. 677 der Drucksachen:
viel hinzuzufügen. Die Sorgen kennen wir durchaus.
Antrag der Fraktion der FDP über Verlängerung
Wir kennen aber in Westberlin eine Reihe von Frivatder Blockadehilfe.
schulen, die dieselbe Aufgabe erfüllen, die hier bis jetzt
allein vom Standpunkt der öffentlichen Schule aus erDas Wort zur Begründung hat Frau Stadtverordnete
füllt worden ist. Aus diesem Grunde sind wir für eine
Dr. Barowsky.
Ausschußüberweisung, damit im Ausschuß geprüft werIch bitte die nachfolgenden Redner, sich freundlicherden kann, ob die Ziele und das Fassungsvermögen dieweise bei dem Schriftführer zum Wort zu melden.
ser Privatschulen nicht eventuell ausreichen oder durch
        
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