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Periodical volume Nr. 18, 21. Juni 1949, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Und nun. Ich e r k l ä r e noch einmal: es wäre nett von Ihnen gewesen,
wenn Sie zu u n s e r e r k l a r e n Forderung auf absolute Gleichberechtigung B e r lins hier Stellung genommen hätten. Darf ich dabei an eines erinnern, m e i ne Damen und H e r r e n von der CDU! Würde nicht doch, wenn Berlin eine
g r ö ß e r e Anzahl von Abgeordneten nach dort entsendet, ein ganz klein wenig
das P r i m a t der CDU dort gefährdet sein? Sollte das vielleicht in Ihren E r wägungen eine Rolle gespielt haben?
(Stadtv. Landsberg: Ach, Sie nehmen das sowieso für Westdeutschland an. Vielen Dank, H e r r Swolinzky!)
- Auch diese kleine Replik, H e r r Landsberg, will ich Ihnen nicht übelnehmen.
Denn das ist doch nur ein Ausweichen. E s ist jedem Menschen bekannt, daß
Sie keinen allzu großen W e r t auf diese Dinge legen; sonst hätten Sie bei I h r e r
starken Betonung des Deutschtums doch sagen m ü s s e n : wer hat das Recht,
Berlin zu i s o l i e r e n ? Man sagt, es gäbe Mächte in der Welt, die Berlin geteilt
hätten. Und ich behaupte hier auf die Gefahr hin, daß es m i r von dem einen
oder andern übelgenommen wird: es hat auch kein Mensch das Recht, uns
Berliner zu isolieren. Nach vier J a h r e n der Besatzung, nachdem man i m m e r
wieder von einem einheitlichen Deutschland spricht, haben wir auch den Eindruck, Berlin wäre nicht deutsch, und darum wünschen wir von den A l l i i e r ten: gebt die Isolierung Berlins auf! Und darum, weil das über das, was sie
wollen, hinausgeht, fordern und wünschen wir, daß Berlin als gleichberechtigtes Stück des andern Deutschlands nun endlich einmal anerkannt werde.
Wir B e r l i n e r sind doch Deutsche. Wer hat das Recht, uns i m m e r wieder zu
isolieren?
(Sehr richtig!)
Und d a r u m e r w a r t e n wir, daß die Alliierten uns nicht in den A r m fallen,
wenn wir u n s e r e Leute in dieses P a r l a m e n t delegieren. Und wir erwarten,
daß man jetzt, nachdem man in P a r i s wieder zu einem modus vivendi gekommen ist, nun endlich die Idee aufgibt, Berlin müßte einer Sonderbehandlung unterzogen werden. Wir wünschen, daß Berlin jetzt endlich einmal als
Teil Deutschlands anerkannt wird. Dabei ist es für uns selbstverständlich,
daß man sich dazu offen ohne a r i t h m e t i s c h e Betrachtungen bekennt, üerlin
ist ein gleichberechtigtes Stück des anderen Deutschlands, und wir würden
es nicht verstehen, wenn irgendwelche alliierten Mächte uns die Genehmigung zur Wahl in Berlin v e r s a g e n würden. Wir wollen zu Deutschland. Wir
sind Deutsche. Aber wir wollen auch gleichberechtigte Deutsche sein.
(Lebhafter Beifall bei der SPD..)
Vorsteher S U H R : Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.
Wünscht der H e r r Stadtverordnete Landsberg noch das Wort zur Geschäftsordnung? - Nein. Dann ist die Aussprache geschlossen. Wir kommen zur
Abstimmung. E s liegt ein Antrag der S P D - F r a k t i o n vor, der folgendermaßen lautet:
        
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