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Periodical volume Nr. 18, 21. Juni 1949, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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bei dieser Angelegenheit geht. E s geht um das Recht der Stadtverordnetenv e r s a m m l u n g von G r o ß - B e r l i n , darüber zu entscheiden, auf welchem Wege
die Abgeordneten dieser Stadt in das e r s t e Bundesparlament entsandt w e r den, ob durch freie Volkswahlen oder durch eine Wahl, die wir hier von uns
aus treffen. Als einer der Abgeordneten, die Berlin i m P a r l a m e n t a r i s c h e n
Rat v e r t r e t e n durften, möchte ich in Zusammenhang mit den Ausführungen
des H e r r n Dr. Suhr zunächst noch einmal m e i n e m tiefen Bedauern darüber
Ausdruck geben, daß es u n s , den Abgeordneten i m P a r l a m e n t a r i s c h e n Rat
in Bonn, nicht gelungen ist, B e r l i n in dem sich bildenden deutschen K e r n staat a l s zwölftes Bundesland volles Heimatrecht zu geben. Wir, die fünf
Abgeordneten von Berlin, hatten es a l s u n s e r e eigentliche Aufgabe, als uns e r e unabweisbare nationale Pflicht angesehen, das zu e r r e i c h e n , a l s u n s e r e
Pflicht d i e s e r Stadt Berlin gegenüber, als u n s e r e Pflicht der von uns getrennten Ostzone gegenüber und als u n s e r e Pflicht Deutschland gegenüber. Daß uns
das nicht gelungen ist, war nicht u n s e r e Schuld. Daß es uns nicht gelungen
ist, war auch nicht die Schuld - das darf ich in d i e s e r Stunde sagen - des viel
gescholtenen und so viel verkannten P a r l a m e n t a r i s c h e n Rats in Bonn; denn
es muß festgehalten werden, daß gegen die vollberechtigte Eingliederung B e r lins in die werdende deutsche Bundesrepublik sich nur die beiden kommunistischen Mitglieder des P a r l a m e n t a r i s c h e n Rats e r k l ä r t haben. Alle anderen
haben ihr Bestes getan. E s darf festgestellt werden, daß der P r ä s i d e n t des
P a r l a m e n t a r i s c h e n Rates selbst, Konrad Adenauer, es war, der den Antrag
einbrachte, Berlin a l s Gründerland der Bundesrepublik Deutschland mit aufzuführen. Ich kann nur sagen, daß ich mich verpflichtet fühle, auch an d i e s e r
Stelle mit aufrichtigem Dank an die Beweise der Verbundenheit zu denken,
denen ich a l s B e r l i n e r Abgeordneter i m K r e i s e meiner Fraktion, der c h r i s t l i c h - d e m o k r a t i s c h e n Fraktion, in Bonn begegnet bin. Weder meinen politischen Freunden noch m i r selbst i s t e s je zum Bewußtsein gekommen, daß
ich eigentlich nur b e r a t e n d e s Mitglied des P a r l a m e n t a r i s c h e n R a t s w a r . Ich
weiß auch, daß die B e r l i n e r Kollegen der beiden anderen P a r t e i e n , die Kollegen Reuter, Suhr, P a u l Lobe und Dr. Reif das gleiche für sich sagen können.
Aber wir, die Abgeordneten von Berlin, hatten doch die Hoffnung, daß es für
das e r s t e P a r l a m e n t der deutschen Bundesrepublik nun mit dem beratenden
Zustand der Berliner V e r t r e t e r ein Ende haben würde.
(Sehr richtig!)
Wir bedauern tief, daß das nicht der F a l l ist. Der Beschluß der M i n i s t e r p r ä sidenten mußte - wir hörten e s eben - erneut den a n d e r s gerichteten Auffassungen d e r Alliierten mit Bezug hierauf Rechnung tragen. Die Alliierten
hielten es wohl in Rücksicht auf die außenpolitische Situation, wie sie nun einm a l noch besteht, für richtig, aus Berlin nur acht beratende Mitglieder entsenden zu lassen. Was ist dazu zu sagen? Der Berliner könnte sehr leicht
den Eindruck gewinnen, a l s sei e r trotz seines mannhaften Kampfes in den
zurückliegenden Monaten doch noch ein Staatsbürger zweiter Klasse.
(Sehr wahr!)
        
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