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Periodical volume Nr. 16, 2. Juni 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Befehlen verlangt wird, nämlich Bewirtschaftung von Treibstoff und Reifen,
Registrierung und Zulassung der Kraftfahrzeuge, Fahrzeugeinsatz zur B e hebung von Verkehrsnotständen usw.
Wir haben aber weiterhin festzustellen, daß die I n t e r e s s e n g e m e i n schaft der Berliner Kraftdroschkenbesitzer sich sehr dafür einsetzt, den
Kraftdroschkenbetrieb in Berlin wieder aufzunehmen. Auch wir sind der Meinung, daß der Kraftdroschkenverkehr baldmöglichst in aller F o r m wieder
in Erscheinung t r e t e n sollte. Wir sind uns absolut darüber i m klaren, daß
eine Stadt wie Berlin unbedingt einen Kraftdroschkenverkehr benötigt. Aber
man muß auch auf dem Boden der Tatsachen bleiben, und es ist nun einmal
so: wenn ein Befehl der Alliierten uns vorschreibt, daß auf 450 P e r s o n e n
ein PKW kommt, so kann man in dieser Zeit nicht von sich h e r a u s fordern
und wünschen, daß ad hoc 1000 Kraftdroschken jetzt in Betrieb genommen w e r den. Was bedeutet das, 1000 Kraftdroschken in Berlin in Betrieb zu setzen?
Die Mindestzuteilung für eine Kraftdroschke wäre - und ich glaube, das ist
sehr minimal gegriffen - doch am Tage 5 Liter Benzin, und das würde pro
Monat auf nur 100 Droschken 15 000 1 Benzin und auf 1000 Droschken pro
Monat 150 000 1 Benzin ergeben.
Der Abteilung Verkehr und Betriebe wird aber zur Zeit einschließlich
der Abteilung Ernährung nur ein monatliches Kontingent von 200 000 1 Benzin
zugebilligt und zur Verfügung gestellt. Es ist also ganz klar ersichtlich, daß
man schon allein aus diesem Grunde einer Forderung von 1000 Kraftdroschken
unter den jetzt waltenden Umständen nicht die Zustimmung geben kann, es sei
denn, daß es als reiner Propagandaantrag hier gewertet wird.
Der Antrag der Abteilung für Verkehr und Betriebe auf Genehmigung
der Kraftdroschken ersucht das Transport-Komitee um Erteilung eines zusätzlichen Kontingents für Treibstoffe für diese Fahrzeuge. Also auch auf
diesem Wege ist alles unternommen worden, was überhaupt unternommen
werden konnte.
Und, meine Damen und H e r r e n , ich glaube, es gibt hier i m Plenum
nicht einen, der sich auf die Dauer für eine Zwangsbewirtschaftung a u s s p r e chen würde und für Bindungen d e r a r t , daß man für jeden Fahrbefehl sich e r s t
einen Stempel holen und dafür 50 Pfennig oder eine Mark zahlen muß. Darüber
sind wir uns alle k l a r . Aber wir halten es für absolut unsachlich, wenn z. B.
H e r r Drewitz von der CDU sich am 2. April 1949 mit der I n t e r e s s e n g e m e i n schaft der Berliner Kraftdroschkenbesitzer in Kliems F e s t s ä l e begeben hat
und dort als Versammlungsleiter und Referent zu den Dingen in einer F o r m
Stellung genommen hat, die mit Sachlichkeit nur noch sehr wenig zu tun hat.
H e r r Drewitz hat dort z. B. ausgeführt: Sie sind selbst schuld, meine H e r r e n ,
an den Zuständen in Berlin; hätten Sie am 5. 12. richtig gewählt, dann hätten
wir heute keine Fahrbereitschaften und ähnliches mehr auf uns nehmen müssen.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit einmal die F r a g e stellen: wer ist H e r r Schnei
der-, und wie kommt H e r r Schneider, der seinen Wohnsitz in Leipzig hat, zu
diesen Besprechungen und Verhandlungen hier hinzu?
(Hört! Hört! bei der SPD.)
        
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