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Periodical volume Nr. 16, 2. Juni 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Dem gegenüber beläuft sich die Handelsspanne bei der SBV auf 10,49 M,
(hört! hört! bei der SPD)
und zwar unter "Voraussetzungen, die mit denen des privaten Handels ü b e r haupt nicht vergleichbar sind. Sehen Sie sich doch einmal die Löhne und G e hälter an, die i m privaten Kohlenhandel an die Arbeiter gezahlt werden, und
vergleichen Sie einmal die sozialen Dinge, die den Angestellten und A r b e i t e r n
bei der SBV geboten werden! Obschon diese Mehraufwendungen vorhanden
sind, beträgt die Handelsspanne, wie ich schon ausführte, 10,49 M gegenüber
18, 76 M bis 19, 73 M beim privaten Kohlenhandel.
Das kennzeichnet eigentlich ganz klar die Ausführungen des H e r r n
Dr. Stadie, der hier von einem Schaden der Allgemeinheit sprach und meinte,
i m I n t e r e s s e der Steuerzahler m ü s s e die SBV verschwinden. Diese Zahlen b e weisen genau das Gegenteil. E s hat sich nämlich herausgestellt, daß durch die
Brennstoffversorgung, die ja keine neue Einrichtung ist, sondern b e r e i t s seit
1917 besteht und die in den Jahren bis 1933 i m m e r bewiesen hat, daß sie den
Anforderungen nachgekommen ist, den wirtschaftlichen Belangen nach 1945
durchaus Rechnung getragen worden ist. Wenn man von einem Schaden der Allgemeinheit spricht, H e r r Dr. Stadie, dann kann man das meines E r a e h t e n s doc
nur tun, wenn man nachweist, daß diese Einrichtung gegenüber dem privaten
Handel unwirtschaftlich ist. Die Zahlen beweisen aber, daß genau das Gegenteil der F a l l ist. Die E r s p a r n i s s e , die sich aus dem Unterschied der Handelsspannen ergeben, betragen 1, 5 Millionen M. Nun stelle ich die F r a g e : was
ist unwirtschaftlich und was ist wirtschaftlich? Ich möchte diese F r a g e a l l e r dings der Berliner Bevölkerung zur Beantwortung übergeben. Die Berliner B e völkerung wird die Antwort an dem Tage geben, an dem sie zur Wahl schreiten
wird. Darauf können Sie sich v e r l a s s e n .
(Beifall bei der SPD. - Lachen bei der F D P . )
Stadtv. Dr. T I B U R T I U S (CDU) : Meine Damen und H e r r e n !
Ich möchte nicht ganz so laut sprechen, ich möchte mich dafür ein wenig mehr
an das Nachdenken wenden als mein sehr v e r e h r t e r H e r r Vorredner.
(Zuruf von der SPD: E r hat doch Zahlen genannt!)
- Man kann auch von Zahlen einen Gebrauch machen, der den sonstigen w i s senschaftlichen Ansprüchen des Gebrauchs von Zahlen nicht ganz gerecht wird.
Darauf möchte ich einmal ganz k u r z eingehen.
(Zuruf des Stadtverordneten W i s s e l l . )
Das i s t aber nicht die richtige Art, Wirtschaftsrechnungen anzusehen. Es
handelt sich hier u m eine der schwersten Aufgaben sämtlicher Wirtschaftsunternehmungen. Das weiß fast jeder Fachmann, und der Dilettant wolle es
freundlichst lernen. Der Fachmann weiß, daß man, wenn man eine P r e i s v e r gleichung von Unternehmen vornehmen will, dazu eine Strukturuntersuchung
benötigt, nicht bloß einen Vergleich der Zulänglichkeit von Handelsspannen
auf der Seite des Privathandels und des öffentlichen Handels. Man muß zunächst einmal wissen: welche Kosten werden aus der jeweiligen Spanne
        
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