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Periodical volume Nr. 11, 28. April 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Stadtv. F I S C H E R (FDP) : Meine Damen und H e r r e n ! Die Fraktion der FDP hat mit dem auf der Drucksache 91 vorliegenden Antrag die
Absicht, die ganze F r a g e der Preispolitik in Berlin einmal grundsätzlich
zu e r ö r t e r n und zu lösen- Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die bisherige
Preispolitik in Berlin versagt hat. Ich will hier nicht eine Vorlesung über
die verschiedenen P r e i s t h e o r i e n halten. Es genügt, glaube ich, der Hinweis
darauf, daß nach der Währungsreform, nach m e h r e r e n Währungsreformen
ein Kaufkraftüberhang nicht mehr besteht und die Preisauftriebstendenzen
nicht mehr erkennbar sind. Es ist kaum anzunehmen, daß ungerechtfertigte
P r e i s e in die Erscheinung t r e t e n bei einem Mangel an Kaufkraft. E s würde
das aller wirtschaftlichen Erfahrung widersprechen. Auf der anderen Seite
scheint es uns richtig, die Wirtschaft sowohl wie den Konsumenten von bürok r a t i s c h e n Hemmungen zu befreien und vor allen Dingen von den Kosten, die
damit verbunden sind.
Das P r e i s a m t hat offenbar auch jetzt noch die Vorstellung, es könne
preisbildende Funktionen ausüben. Der Markt r e a g i e r t hinsichtlich der Preisbildung aber sehr viel schneller und sehr viel billiger als die P a r a g r a p h e n wirtschaft des P r e i s a m t e s . Die bisherige Tätigkeit, die das P r e i s a m t auf diesem Gebiet entwickelt hat, findet nicht nur in den Kreisen der FDP heftige
Kritik. Wir befinden uns da in durchaus angenehmer Gesellschaft etwa mit
H e r r n Kressmann, der ja als früherer Magistratsdirektor der Abteilung Wirtschaft einigen Einblick in die Dinge hat; wir befinden uns auch in der angenehmen Gesellschaft des "Telegraf", der kürzlich über das Versagen der P r e i s politik sich sehr eindeutig geäußert hat. Wir glauben, daß der frische Westwind, der nach Berlin h e r e i n s t r ö m t ,
auch einmal die Bürokratie der P r e i s behörden etwas auslüften kann.
Das, was zu tun übrig bleibt, wäre eine neue Fassung, die den Gegebenheiten der Wirtschaft entspricht, eine neue Fassung der P r e i s t r e i b e r e i verordnung vom 28. 9. 1945, glaube ich, die damals unter ganz anderen wirt- J
schaftlichen Voraussetzungen e r l a s s e n wurde, die man aber jedenfalls den ge-3
gebenen wirtschaftlichen Verhältnissen anpassen könnte. Man kann die Wirtschaft nicht mit P a r a g r a p h e n r e g i e r e n . Die Wirtschaft hat ihre Eigengesetzlichkeit, und auch die P r a x i s der Handhabung der Preispolitik in Berlin hat die
se Eigengesetzlichkeit nicht beeinträchtigen oder gar unterbinden können. Wir
m ü s s e n - auf dem Standpunkt steht die Fraktion der F r e i e n Demokratischen
P a r t e i - den Mut haben, F r e i h e i t zu üben und nicht nur F r e i h e i t zu üben, son-1
dern auch das Vernünftige zu tun. Und das Vernünftige scheint uns hier zu sein
einmal eine echte Kostensenkung herbeizuführen, eine Kostensenkung zugunsten der Steuerzahler durch entsprechende Senkung des E t a t s für das Preisamt
und die B e z i r k s p r e i s s t e l l e n .
Stellv. Vorsteher R A U S C H :
Swolinzky.

Das Wort hat H e r r Stadtverordneter

Stadtv. S W O L I N Z K Y (SPD) : Meine Damen und H e r r e n ! Bei der
E r ö r t e r u n g dieses Antrages kann es sich nicht um theoretische Auseinandersetzungen über P r e i s grundlag en oder ähnliches handeln. Wir haben uns mit
der P r a x i s zu beschäftigen, und da stelle ich fest, daß wir im augenblicklichen
        
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