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Periodical volume Nr. 36, 22. Dezember 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Menschenraub unter Umständen a m n e s t i e r t werden soll. Ich möchte doch
diesen Ausführungen im " K u r i e r " " gegenüber klar zum Ausdruck bringen,
daß das Gesetz gegen Menschenraub, das wir hier verabschiedet haben,
e r s t am 21. September in Kraft getreten ist, und daß nur diejenigen Delikte
a m n e s t i e r t werden sollen, die vor dem 15. September begangen worden sind.
E s liegt also in der Natur der Dinge, daß d i e s e s Gesetz gegen Menschenraub,
sofern eine Bestrafung d a r a u s erfolgt ist, n i e m a l s d i e s e r Amnestierung u n t e r liegen kann. Das möchte ich mit aller Klarheit zum Ausdruck bringen. Denn
es ist ja t r a u r i g genug, daß wir in Berlin gezwungen waren, ein b e s o n d e r e s
Gesetz gegen Menschenraub zu verabschieden, und niemand hier im Hause
wird der Meinung sein, daß man d e r a r t i g e fluchwürdige Delikte irgendwie
auch nur im geringsten als leicht betrachten und a m n e s t i e r e n könnte.
Meine Damen und H e r r e n ! Wir empfinden es in der CDU als einen
wertvollen F o r t s c h r i t t gegenüber früheren Amnestierungen, daß man die Möglichkeit geschaffen hat, daß ein Angeklagter oder auch nur ein Angeschuldigt e r verlangen kann, daß das Verfahren durchgeführt wird. E s war bei früher e n Amnestierungen i m m e r eine peinliche Angelegenheit, wenn jemand, der
durch irgendeinen Zufall in ein Strafverfahren hineinverwickelt war, aber völlig unschuldig war, dann einen Schein bekam: Das Verfahren ist eingestellt
auf Grund der Amnestie von dem und dem Datum, so daß i m m e r der Eindruck
entstehen konnte, mindestens bei böswilligen Leuten: E r hat etwas a u s g e f r e s sen, hätte eigentlich bestraft werden m ü s s e n und w ä r e bestraft worden, wenn
die Amnestie nicht gekommen w ä r e . Dieser Ehrenschutz des Beschuldigten
scheint uns wichtig. Aber genau so wichtig erscheint uns auf der anderen
Seite der Ehrenschutz für denjenigen, der in seiner E h r e gekränkt worden ist,
gegen den eine üble Nachrede oder eine Verleumdung oder eine falsche Anschuldigung begangen worden ist, und der nun bei den früheren Amnestien nie die
Möglichkeit hatte, seine E h r e wieder h e r z u s t e l l e n und ein Gerichtsverfahren zu '
beantragen, daß über die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, Aufklärung
b r a c h t e . E s ist nach u n s e r e r Meinung außerordentlich glücklich, daß wir in d i e sem Amnestiegesetz die Möglichkeit geschaffen haben, daß ein solcher in seiner
E h r e gekränkterMensch die Gelegenheit hat, auch wenn die Amnestie auf den F a l l
Anwendung findet, doch den Tatbestand in aller Öffentlichkeit behördlich aufklär e n zu lassen, damit kein Vorwurf gegen ihn weiter bleibt.
Noch e i n s ! E s ist in dem Amnestiegesetz vorgesehen, daß Steuerdelikte
nicht unter die Amnestie fallen. Ich habe nicht gehört, ob der H e r r B e r i c h t e r statter darauf aufmerksam gemacht hat, welches die Begründung war. Ich möchte jedenfalls noch b e s o n d e r s darauf hinweisen, daß die Steuerdelikte ausgenommen worden sind, weil wir vor k u r z e m eine Vorlage über Schuldverschreibungen der Stadt Berlin verabschiedet haben, in der eine beschränkte Steueramnestie
vorgesehen ist. Infolgedessen war es berechtigt, hier in dem Gesetz S t e u e r d e likte nicht b e s o n d e r s zu a m n e s t i e r e n .
        
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