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Periodical volume Nr. 36, 22. Dezember 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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und Woche .zul Woche in ununterbrochener Kleinarbeit gewissermaßen
auf der Jagd zu sein, um dafür zu sorgen, daß nun wirklich auch all
die Dinge, die dort besprochen worden waren, durch die Fülle von Schwierigkeiten hindurchgeschleust wurden.
An der Spitze aller Vereinbarungen standen die Überlegungen, daß
Berlin auf die Dauer in den Stand gesetzt werden muß, finanziell wieder auf
eigenen Füßen zu stehen, und daß das nur möglich sein wird, wenn die B e r liner Wirtschaft in ausreichendem Maße zur Lebensfähigkeit erwacht und
wenn ihr durch kredit-politische und andere Maßnahmen die Blutzufuhr
verschafft wird, die ihr infolge der Blockade und all der damit z u s a m m e n hängenden E r e i g n i s s e entzogen war.
Zwei Dinge auf wirtschaftlichem Gebiet waren infolgedessen für
uns von der v.ordrii^gliTcixdten Bedeutung, das eine die Einbeziehung B e r l i n s
in den M a r s h a l l - P l a n , das andere die Aufwertung der Uraltkonten. Was die
Einbeziehung Berlins in den M a r s h a l l - P l a n anlangt, so haben wir, wie Sie
wissen, seit m e h r als einem halben Jahr intensiv Verhandlungen in d i e s e r
Richtung geführt. Die Ungeklärtheit u n s e r e r staatsrechtlichen Lage hat die
Einbeziehung Berlins in den M a r s h a l l - P l a n lange Zeit verhindert. E s sah
eine Zeitlang sogar so aus, als ob es nicht möglich sein würde, bis schließlich die Lösung gefunden wurde, Berlin in der F o r m einzubeziehen, daß in
den zwischen der Bundesregierung und der amerikanischen Regierung über
die Verwendung von Marshall-Geldern für Deutschland abzuschließenden V e r t r a g Berlin einbezogen werden sollte. Sie werden aus der P r e s s e entnommen
haben, daß dieser V e r t r a g vor k u r z e m abgeschlossen worden ist, und in dies e m V e r t r a g befindet sich jetzt der P a s s u s , der die Bundesregierung verpflichtet,
für die wirtschaftlich-finanzielle Situation der westlichen Sektoren B e r l i n s die
Verantwortung zu übernehmen. Die amerikanische Regierung i h r e r s e i t s e r k l ä r t
in dem V e r t r a g , daß sie bei ihren endgültigen Entscheidungen und Zuweisungen
aus dem M a r s h a l l - P l a n die wirtschaftliche Lage sowohl des Bundesgebietes
wie auch der Stadt Berlin berücksichtigen werde.
Infolge dieser Vereinbarungen ist es möglich gewesen, daß bei der e r sten Zuteilung aus der e r s t e n Rate, die auf Grund des M a r s h a l l - P l a n s für
Deutschland freigegeben wurde, die Stadt Berlin in der Ihnen bekannten
Größenordnung von 95 Millionen beteiligt worden ist. Diese Mittel stehen heute
faktisch zu u n s e r e r Verfügung und sind nach Berlin überwiesen worden, so
daß also die Zuweisung auf Grund der einzelnen Projekte nach Erledigung der
notwendigen F o r m a l i t ä t e n erfolgen kann.
Ich möchte aber in diesem Zusammenhang einen I r r t u m berichtigen,
der in weiten Kreisen auch der Berliner Wirtschaft i A n e r wieder auftaucht,
nämlich die Vorstellung,4|(esft 95 Millionen seien die Zuteilung für Berlin aus
dem M a r s h a l l - P l a n . Davon kann keine Rede sein. Wir bearbeiten eine neue
T r a n c h e einer neuen Zuteilung aus dem M a r s h a l l - P l a n in einer Größenordnung,
        
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