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Periodical volume Nr. 33, 10. November 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Schreiben des Magistrats vom 24. Oktober abgewendet werden Daß das
nicht geschehen ist, können wir nur bedauern. Es ist in dem Schlußabsatz
des Schreibens eingehend darauf hingewiesen worden, warum der Magis t r a t glaubte und mit Recht glaubte bitten zu sollen, von der Sprengung a b zusehen. Nach den Unterlagen, die m i r vorliegen, kann ich nicht sagen,
daß dem Magistrat, weder dem Bezirksamt Wilmersdorf noch dem Hochbauamt, noch dem Magistrat im ganzen, irgendein Vorwurf gemacht werden
könnte. Vielleicht hätte die Textierung des Schlußabsatzes etwas e n e r g i s c h e r
sein können. I m m e r h i n sind hier gewichtige wirtschaftliche und finanzielle
Gründe vorgetragen, um zu bitten, daß dort nicht gesprengt wird.
E s ist dann kurzfristig von der britischen Militärregierung t r o t z d e m
die Sprengung für den 3. November angekündigt worden, und zwar i s t das
a m 26. Oktober geschehen, zwei Tage nach dem Empfang des Schreibens
des Magistrats, und in der Anweisung der britischen Militärregierung heißt
es ausdrücklich:
E s sind Vorkehrungen zu treffen, daß in einer Gefahrenzone
von 300 m durch ein Polizeiaufgebot abzuriegeln ist und ges p e r r t werden soll.
Meine Damen und H e r r e n ! Wenn die b r i t i s c h e Militärregierung diese Anordnung ausdrücklich traf, so hätte man billigerweise voraussetzen dürfen,
daß die technischen Vorkehrungen für die Sprengung auch diesem b e r e c h n e t e n
U m k r e i s von 300 m Schadenswirkung oder Gefahrenzone entsprechen würden.
Das i s t leider nicht der F a l l gewesen. Ich habe m i r von technisch v e r s i e r t e n
Leuten sagen lassen, daß die technische Art der Anbringung der Sprengladung und auch die Verteilung der verschiedenen Sprengmittel offenkundig so
geschehen ist, daß die Druckwirkung eben seitwärts weggegangen ist, anstatt
nach oben zu gehen. Mir ist in Berlin kein F a l l bekannt, ich glaube, auch
Ihnen nicht, daß bei einer Sprengung in den Jahren nach der Kapitulation
eine d e r a r t i g unvorhergesehene und bestimmt auch unbeabsichtigte Wirkung
e r z i e l t wurde. Ich kann mich sehr deutlich an die Sprengung des großen
Bunkers auf dem P l a t z der Dreifaltigkeitskirche erinnern, weil die Abteilung
Volksbildung, der ich angehöre, unmittelbar daneben in der Mauer Straße
i h r e Diensträume hatte, noch nicht 50 m Luftlinie entfernt. Die Mauern waren
genau so stark. Wir haben im-ganzen Hause i m vorigen J a h r nicht eine einzige Glasscheibe bei dieser Sprengung verloren. Soviel ich weiß, sind es
deutsche Stellen gewesen, die damals gesprengt haben. Man ist versucht,
wenn man die Angelegenheit nicht e r n s t nehmen müßte und darüber keine
Scherze machen dürfte, an die drei zunächst vergeblichen Versuche der Sprengung des Zoobunkers sich zu erinnern. Wir dürfen wohl hoffen, daß nicht
nur der Gedanke, den Bunker in Schmargendorf gleich beim e r s t e n Male
in die Luft zu bringen, der Anlaß gewesen ist, diese Ladung b e s o n d e r s s t a r k
zu machen.
Meine Damen und H e r r e n ! Eine halbe Million Mark sind aufzuwenden,
u m diese Schäden zu beseitigen. E s ist vielleicht doch gut, hier vor dem
P a r l a m e n t noch einmal zu sagen, was gewesen ist. E s sind 47 Häuser mit
Dachschäden, rundherum Wohnräume, 100 Häuser mit 350 Wohnungen, die
Glasschäden hatten; multiplizieren Sie das bitte mit der Menschenzahl, die
darin wohnt. 90 Häuser mit 300 Wohnungen hatten Schäden an Türen und
F e n s t e r n , die durch den Luftdruck weggedrängt wurden. Das sind insgesamt
        
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