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Periodical volume Nr. 32, 1. November 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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wenn der Mangel nicht m e h r das Gesetz des Handelns b e s t i m m t , wenn
an die Stelle des Mangels Fülle tritt, den Wunsch hat, Fülle zu b e w i r t schaften.
(Sehr richtig! bei der SPD.)
Das ist der einzige Grund für das Gesetz gewesen. E s gibt keinen Grund,
irgendeine Bewirtschaftung um eines Dogmas willen durchzuführen. Ich
ü b e r l a s s e es dem Geschmack des Hauses und der Öffentlichkeit, die E r klärung, die heute in dieser F r a g e abgegeben worden ist, zu beurteilen.
Ich kann sie nicht verstehen, da sie nicht zu v e r s t e h e n ist. Es muß n a t ü r lich der Wille v o r h e r r s c h e n , eine F r a g e , in der für jeden verständigen
Menschen Klarheit besteht, an d i e s e r Stelle noch einmal zum Gegenstand
der politischen Polemik zu machen. Ich würde es begrüßt haben, wenn die
F r e i e Demokratische P a r t e i auch i h r e r s e i t s aus d i e s e r Lage die Konsequenzen gezogen hätte.
(Beifall bei der SPD. )
V o r s t e h e r S U H R : Damit ist die Aussprache erledigt. Wir k o m men zur Abstimmung. Wer der Vorlage Nr, 375 seine Zustimmung geben
will, bitte ich, das Handzeichen zu geben, - Die Vorlage ist damit b e s c h l o s sen.
Wir kommen zur laufenden Nr. 32:
Drucksache Nr. 376: Vorlage zur Beschlußfassung über
Gesetz über die Anerkennung als politisch, r a s s i s c h oder
religiös Verfolgte.
Das Wort hat zur Begründung F r a u Stadtrat Dr. Lüders.
Stadtrat F r a u Dr. L t l D E R S ; Meine Damen und H e r r e n ! Wir
sind uns gewiß alle darüber einig, daß ein Gesetz, das endlich die A n e r kennung als politisch, r a s s i s c h oder religiös Verfolgte bringt, wodurch
endlich ihre Stellung auf wirklich feste gesetzliche Grundlagen kommt, dringend notwendig ist und eigentlich schon lange der Erledigung bedurft hätte.
Sie wissen ja alle, daß durch die Spaltung Berlins diese F r a g e von neuem
akut geworden ist. F r ü h e r sind die r a s s i s c h , politisch oder religiös V e r folgten von dem ehemaligen Hauptamt OdF am Wilhelmplatz anerkannt
worden. Diese Anerkennung hatte nicht den Charakter einer gesetzlichen
Bestimmung, und sie genügte auch nach u n s e r e n Erfahrungen sachlich
nicht den praktischen E r f o r d e r n i s s e n , die im I n t e r e s s e der Verfolgten unbedingt notwendig sind. Das Fehlen einer echten gesetzlichen Grundlage
hatte aber noch einen anderen Nachteil. E s e r s c h w e r t e nämlich die Nachprüfung der Entscheidung, die ehedem am Wilhelnnplatz getroffen war, und
es führte eben, ohne eine gesetzliche Grundlage zu sein, zu E r m e s s e n s überschreitungen und gewiß nicht selten auch zu E r m e s s e n s m i ß b r ä u c h e n .
Mit diesen Tatsachen aufzuräumen und für die Betreffenden unanfechtbare
gesetzliche Grundlage zu geben, scheint dem Magistrat im I n t e r e s s e der
Betroffenen dringend geboten zu sein.
        
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