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Periodical volume Nr. 30, 27. Oktober 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Nummer 2! Bei dem Fleischpreis und bei der Auswirkung der Futtermitteiverknappung, die wieder als Folge der jetzigen innervalutarischen
und weltwirtschaftsvalutarischen Verschiebung entstanden ist, deren mein
Freund Kunze gedachte, ist Abhilfe möglich, aber Abhilfe nur auf dem
schwierigen Weg einer Verstärkung unserer Einkaufskraft. Das sind Grundprobleme des Kredits und des Exports, die man hier doch nicht so in etwas
drastischer, aber, ich glaube doch, etwas obenhinstreifender Weise erledigen kann.
Nun die Frage, die hier in mehreren sehr begreiflichen Zwischenrufen
uns laut vorgetragen wurde: Wie könnt ihr eine Marktwirtschaft, die solche
Notstände übrigläßt, noch sozial nennen? - Meine Damen und Herren! über
diese Frage haben wir uns mit Herrn Dr. Wagenführ, dessen Autorität Sie
gelten lassen werden, dem ausgezeichneten Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften in der Bizone in Köln, sehr eingehend unterhalten. Er war mit uns der Meinung: die soziale Konsequenz,
mittels deren man diesen Notständen abhelfen kann, heißt nicht Ißhnsteigerung - also nicht, Herr Kollege Neumann, die von Ihnen, wie ich glaube,
doch wahrscheinlich auch mit schwerer Sorge an die Wand gemalte Konsequenz einer Erhöhung der Geldlöhne - , sondern heißt Mehrbeschäftigung. Das
ist der soziale Sinn der Maßnahmen, mit denen man auch im Westen versucht,
diesen Notständen zu Gunsten der Konsumenten zu begegnen. Daß das zum
Teil mit Arbeitslosigkeit, mit Friktionen und Reibungen bei der Arbeitslosigkeit verbunden ist, ist klar. Aber wir kommen auf keinem anderen Wege zu
einer Mehrbeschäftigung als dadurch, daß wir uns hier augenblicklich bei
allen Beteiligten bemühen, Vernunft walten zu lassen. Es ist auch das Berliner Ziel und die Berliner Hoffnung, hier durch Mehrbeschäftigung den Menschen zu helfen.
Wir haben dann im Westen die Debatte über den Reallohn erlebt.
•••••••

(Zuruf von der SPD. )

Meine Damen und Herren! Sie beziehen in Ihre Anfrage das Verhältnis zur
Bundesrepublik ein und verlangen von uns, wir sollten jetzt zur Lage der Arbeiter in der Bundesrepublik - das geht leider Gottes einstweilen über unsere
Grenzen hinaus - Stellung nehmen. Nun, diese Arbeiter dort haben selber aus
der Statistik erkannt, daß ihr Reallohn nicht so stark abgesunken ist, wie es
anfänglich in der Statistik von Dr. Wagenführ ausgewiesen war. Man hat Dr.
Wagenführ jetzt kleine Irrungen statistischer Art nachweisen können, die
einem guten Gelehrten wie ihm auch unterlaufen können. Ich glaube, daß das
Reallohn-Niveau nicht so schlecht aussieht, wie Sie vielleicht nach Ihren eigenen Ausführungen vermuten.
Meine Damen und Herren! Wenn man dann an die Grenzen herankommt, die
einer Politik der Beschäftigung gezogen sind, um die Verbraucher vor dem
        
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