Path:
Periodical volume Nr. 30, 27. Oktober 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

30

39

Lager gründen in Berlin nicht ermöglichen können, für die Gesamtbevölkerung B e r l i n s Kartoffeln einzulagern, denn das würde eine Menge von
150 000 t bedeuten. Wir sind aber nur in der Lage, ca. 30 000 t w i n t e r f e s t
einzulagern. Wenn die B e r l i n e r Bevölkerung die Kartoffeln nicht abnimmt
und nicht selbst einkellert, m ü s s e n wir bei Eintreten des F r o s t e s zu e r h e b l i chen Schwierigkeiten in der Versorgung kommen. Darum wollte ich auch von
d i e s e r Stelle aus diese Bitte an die Berliner Bevölkerung richten.
Im Augenblick sieht die Versorgung mit Kartoffeln in Niedersachsen
so aus, daß unser augenblicklich vorhandener Bedarf gedeckt werden kann,
und zwar auf Grund einer Senkung des P r e i s e s auf 5 M. Wir glauben, daß wir
den Bedarf, der für die Zeit bis zum 31. März notwendig ist, ordnungs- und
fristgemäß hereinnehmen können, da die Waggongestellung seitens der R e i c h s bahn sich sehr viel b e s s e r gestaltet hat. Wir haben darüber hinaus aber Vorsorge getroffen, daß wir, falls irgendwelche technischen Störungen wieder eint r e t e n sollten, die Kartoffeln mit Lkws nach Berlin bringen, wodurch a l l e r dings eine geringe Verteuerung der Kartoffeln eintreten würde.
Wenn wir die Vorlage machen mußten, so möchte ich um etwas Nachsicht bitten. Die Stadtverordnetenversammlung hatte zum Haushalt beschlossen,
die Subvention r e s t l o s bis zum 31. Dezember d i e s e s J a h r e s abzubauen. Wir
haben infolge des Anziehens der P r e i s e geglaubt, schneller eine Vorlage machen
zu m ü s s e n , um so m e h r , a l s der Stadtkämmerer irgendwelche Mittel für die
Subventionierung nicht zur Verfügung stellen kann. Hinzu kam, daß von allen
Seiten, sowohl von der Bundesregierung als auch von seiten des Finanzkomitees
und des Rechnungshofs der Bundesrepublik i m m e r wieder darauf hingewiesen wurde, daß die Subventionen abgebaut werden maßten, weil sonst der Bewohner in
den Westzonen zu der Meinung komme, er m ü s s e Berlin helfen und dafür müßten
billigere Lebensmittel gegeben werden.
Wir glaubten die Vorlage aber auch noch aus einem anderen Grunde m a chen zu müssen, und zwar deshalb, weil auch bei anderen Dingen wie Butter usw.
die P r e i s e außerordentlich hoch geworden sind. Es hat sich in den Westzonen e r geben, daß wohl Höchstpreise bestehen, daß aber niemand sich an diese Höchstp r e i s e hält. E s wird vielmehr von allen Landesstellen aus eine gewisse freie
Preisbildung erzielt. Diese P r e i s g e s t a l t u n g ist inzwischen bei einzelnen Warenartikeln so in die Höhe gegangen, daß die Subventionen, die wir zahlen müßten,
eine weit größere Höhe als bisher haben würden. Wir sind daher der Meinung,
daß, wenn Subventionen aus Mitteln Berlins nicht mehr zur Verfügung stehen,
wir bei Aufhebung der Subventionen allerdings zu berücksichtigen haben, daß
den Minderbemittelten eine Kaufkraft gegeben werden muß, damit sie ihre L e bensmittel zu den echten P r e i s e n kaufen können. Wir glaubten, in der Vorlage
diesem Gedanken Rechnung tragen zu können. Ich bin m i r aber klar darüber,
daß auch auf anderen Gebieten, vor allem auf dem Lohngebiet der Werktätigen
eine gewisse Anpassung notwendig werden wird.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.