Path:
Periodical volume Nr. 30, 27. Oktober 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

26

30

dann weiß ich nicht, ob das eine Entgleisung ist, eine Disziplinlosigkeit
oder ein sehr entschieden zu ahnender Verstoß eines Beamten, der in
einem Kollektiv gestern zu diesen Dingen, wie ich glaube, in einem anderen Sinne Stellung genommen hat.
(Zurufe: Wer war das? Welcher Beamter hat das gesagt?)
- Ich spreche von der Bäckerausstellung. Sie wissen, daß da Begrüßungen stattgefunden haben. Alles andere müssen Sie wissen.
Wir glauben auch den Mitgliedern des Magistrats anraten zu sollen,
sich nicht persönlich zu gefährden, wenn sie als Domherren nach Brandenburg oder in die Zone gehen, um dort mit Brüdern dieser oder jener Richtung freundliche Zwiesprache zu halten. Wir möchten in i h r e m eigenen Int e r e s s e darauf hinweisen, daß die Domherren beispielweise in der Tschechoslowakei sehr gefährdet sind,
(Heiterkeit )
aber nur sofern sie nach Meinung der anderen eine konsequente Linie, die
den andern nicht angenehm ist, innehalten. Wenn also u n s e r e V e r t r e t e r
hier glimpflicher behandelt werden, dann hält man sie scheinbar für weniger konsequent,
(sehr wahr!)
und das schadet dem Ansehen des Magistrats durchaus.
Wir wünschen auch, daß die Magistratsmitglieder, die im Auftrage der
Stadt irgendwelche wissenschaftlichen Institute leiten, dort i h r e r Dienstaufsichtspflicht genügen. E s können nicht Elaborate herausgehen, die private A r beiten von irgendwelchen Wissenschaftlern sind, deren wissenschaftliche E r kenntnisse allerdings stark umstritten sind. Wir wünschen also sehr, daß
man sich nicht hinter private Dinge und private Vergnügungen zurückzieht.
Denn nach dem, was Sie wünschen, hat der Beamte in und außer Dienst diese
entsprechende Haltung einzunehmen. Auch wenn er meinetwegen Pieck und
Grotewohl ablehnt und dann morgen shakehands mit H e r r n Gohr macht,
dann ist das eine Desavouierung, auch wenn er sich mit ihm als Kirchenfreund
trifft. Wir haben um religiöse Dinge nicht zu streiten, aber wenn ich den B ü r g e r m e i s t e r O s t - B e r l i n s geflissentlich begrüße, dann bringe ich das, was wir
vom Magistrat e r w a r t e n und was der H e r r O b e r b ü r g e r m e i s t e r hier in so eindrucksvoller Weise als die Linie des Magistrats darlegte, durchaus ins Schwanken.
Darum wünschen wir, daß diese Bewährungsfrist mit der Auflage v e r sehen wird, in und außer Dienst auf private Dinge zu verzichten, die das Ansehen des Magistrats, aber auch die Einheitlichkeit u n s e r e r Haltung insgesamt
im Auslande und auch im Inlande gefährden könnten.
(Beifall bei der SPD.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.