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Periodical volume Nr. 27, 29. September 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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brochen über den Haufen geworfen zu werden, ist etwas mehr, als man
von den Nerven des deutschen Volkes und auch von dem Zustand der deutschen Wirtschaft erwarten kann.
Ich habe deswegen heute vormittag b e r e i t s deb H e r r e n V e r t r e t e r n
der Fraktionen mitgeteilt, daß ich die Absicht habe, an den H e r r n Bundeskanzler ein T e l e g r a m m zu richten und ihn besonders darauf aufmerksam
zu machen, daß gerade für Berlin, das auf der Grenze zweier Währungsgebiete liegt, die Schwierigkeiten besonders groß sein müßten. Ich darf mir
vielleicht erlauben, den Entwurf des T e l e g r a m m s , das eventuell in ein paar
Einzelheiten noch leicht überfeilt werden kann, hier bekannt zu geben, damit
Sie sehen, wie die Haltung des O b e r b ü r g e r m e i s t e r s und des M a g i s t r a t s in
dieser Sache ist. Ich beabsichtige, das T e l e g r a m m an den H e r r n Bundeskanzler, an den H e r r n Bundesminister für Wirtschaft, an u n s e r e Berliner V e r t r e tung und an u n s e r e Abgeordneten im Bundestag zu richten, damit alle Beteiligten über u n s e r e Auffassung unterrichtet sind. In dem T e l e g r a m m würde
ich folgendes zum Ausdruck bringen:
Die Nachrichten über die mit der bevorstehenden Angleichung des Außenkurses der D-Mark-West an die durch die
Abwertung zahlreicher europäischer Währungen entstandene neue Situation und die damit zusammenhängenden Informationen über die Möglichkeit einer demnächstigen E r h ö hung des Inlandkohlenpreises haben in der Berliner Bevölkerung, dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung erhebliche Beunruhigung ausgelöst.
In Übereinstimmung mit der Meinung aller in F r a g e kommenden Faktoren Berlins darf ich Sie, H e r r Bundeskanzler,
darauf aufmerksam machen, daß für die besonderen Verhältn i s s e , unter denen wir hier an der Grenze zweier Währungen
leben und arbeiten müssen, jede Erhöhung u n s e r e s P r e i s n i veaus mit der dann unvermeidlich folgenden sozialen Beunruhigung die außergewöhnlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten
der Berliner Wirtschaft und Verwaltung erheblich steigen muß.
Ich bitte Sie daher, bei den Verhandlungen der Bundesregierung mit den Hohen Kommissaren auch auf diese Schwierigkeiten aufmerksam zu machen und zu betonen, daß der staatspolitisch dringenden Aufgabe der Erhaltung und Stützung Berlins als
eines Teiles des freiheitlichen Deutschlands neue große Schwierigkeiten entstehen müßten, wenn auf der Erhöhung des Kohlenp r e i s e s und einer dann unvermeidlich folgenden Erhöhung des
allgemeinenPreisniveaus in Deutschland bestanden wird.
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung geben sich der
Erwartung hin, daß bei allen solchen Verhandlungen auch die b e -
        
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