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Periodical volume Nr. 26, 15. September 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Washington in Nordamerika und auch in dem einen B e r n e r M i n i s t e r i u m
hat, nämlich dafür zu sorgen, daß die einzelnen Länder nicht allzu v e r schiedenartige Wege gehen. E s ist heute b e r e i t s so, daß ein Kind, das
etwa in Köln zur Schule geht, in Hamburg oder in München keinen Anschluß
m e h r findet, daß ein Kind, das in F r e i b u r g im Breisgau zur Schule geht,
überhaupt keine andere Stadt mehr i m übrigen Deutschland hat, wo es die
Schule auf ordnungsmäßigem Wege weiter besuchen kann.
(Zuruf

von der

SPD.)

- Man kann es etwas a n d e r s machen, H e r r Kollege P a m p e r r i e n . Man müßte
es so vernünftig machen, wie es von den '. Föderalisten in der Schweiz und
den Vereinigten Staaten gemacht worden ist, indem man nämlich die Bedürfn i s s e aufeinander abstimmt. E s hat sich a n d e r e r s e i t s auch gezeigt, H e r r
Kollege Pamperrien,. daß der Z e n t r a l i s m u s , den wir ja wohl in der Zeit vor
1945 reichlich zu spüren bekommen haben, dazu führte, sehr gesunde eigena r t i g e Entwicklungen kaputtzuschlagen. Wir sollten, glaube ich, aus der sehr
glücklichen Entwicklung des amerikanischen Schulwesens etwas lernen, nämlich lernen, daß man mit der F r e i h e i t in dem, was möglich ist, und mit der
Einheit bei dem, was notwendig ist, doch am besten dem Schulwesen dient.
Wir m ü s s e n unter Berücksichtigung der Gesamtsituation - der H e r r Kollege
Grigoleit hat mit Recht darauf hingewiesen, daß auch die wirtschaftliche Situation manchen Strich durch sehr gute Bestimmungen des Berliner Schulges e t z e s gezogen hat - versuchen, aus der Entwicklung zu lernen und zu einem
Zustand zu kommen, in dem dann Berlin vielleicht doch auch für die Länder
der Bundesrepublik Deutschland i m m e r h i n beispielgebend sein kann; denn
nach m e i n e r Auffassung ist es die Aufgabe B e r l i n s , nicht das sechste Land
der Ostzone zu werden, aber auch nicht nur das zwölfte Land der B u n d e s r e publik Deutschland, sondern das siebenzehnte Land i m Kreise und i m Kranze
a l l e r siebzehn deutschen Länder.
Stadt v. W E I G E L T (SPD) : Meine Damen und H e r r e n ! Die Rede
m e i n e s sehr v e r e h r t e n H e r r n V o r r e d n e r s Prof. Landsberg empfehle ich
den westdeutschen P a r t e i m i t g l i e d e r n des H e r r n Stadtverordneten Landsberg,
insbesondere denjenigen, die durchaus gewünscht haben, daß die Schulgesetzgebung in die Hände der Länder gelegt wird. Bei uns sind die Bestrebungen
dahin gegangen, von vornherein für Deutschland allgemeine Richtlinien zu
schaffen, die eine einheitliche Schulausrichtung garantieren. Wir sahen diese beklagenswerten Zustände v o r a u s , die H e r r Prof. Landsberg glaubte
a n p r a n g e r n zu müssen, und wir sehen v o r a u s , daß uns in Zukunft noch viel
g r ö ß e r e Schwierigkeiten bevorstehen. Aber es waren insbesondere V e r t r e t e r
der föderalistischen K r e i s e , die in beiden P a r t e i e n in Westdeutschland tätig
sind - wobei ich ausdrücklich hervorhebe, daß das in Berlin in den P a r t e i e n
nicht so offensichtlich wurde -, die jede Einmischung von Seiten einer künftigen Bundesregierung bekämpften. Wir fürchten, daß jetzt Maßnahmen zur
Vereinheitlichung i m m e r nur in den Fällen getroffen werden, in denen es
auf eine Durchlöcherung des Berliner Schulgesetzes ankommt.
(Zustimmung bei der SPD.)
Dem werden wir in keinem Falle zustimmen.
        
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