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Periodical volume Nr. 26, 15. September 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Wir kommen nunmehr zur Schluß- und Generalabstimmung. Wer dem
Gesetz über die Gewerbefreiheit in der Fassung auf Drucksache Nr. 244
mit den eben bei der Einzelabstimmung beschlossenen Änderungen seine
Zustimmung geben will, den bitte ich, das Handzeichen zu geben. - Mit
Mehrheit beschlossen.
Meine Damen und H e r r e n ! Wir fahren nun in u n s e r e r Tagesordnung
fort. E s bestand, glaube ich, Einverständnis im Ältestenrat d a r ü b e r , daß,
wenn es nach der Beratung dieses so umstrittenen und ausgiebig diskutierten
Gesetzes über die Gewerbefreiheit die Zeit noch erlauben sollte, dann e r s t
die Anträge vorgezogen werden sollten. Ich rufe daher den Punkt 25 u n s e r e r
Tagesordnung auf:
Drucksache 318, Antrag der Fraktion der F D P über Wahrung
des Zusammenhangs mit dem westdeutschen Schulwesen.
Das Wort hat der H e r r Stadtverordnete Grigoleit.
Stadtv. G R I G O L E I T (FDP) : Meine Damen und H e r r e n ! Mit
dem Monat September ist u n s e r e Schulreform in das zweite J a h r eingetreten.
Das bedeutet praktisch, daß der Aufbau der neuen Einheitsschule, der sich
nach dem § 20 von unten herauf organisch vollziehen soll, aus der bisher
vierjährigen Grundschule eine 5- und 6-jährige gemeinsame Grundschule
gemacht hat, die sich nach dem Wortlaut des Gesetzes in den nächsten b e i den J a h r e n zu einer 7- und 8-jährigen gemeinsamen Grundschule auswachsen
wird.
Diese Entwicklung entfernt u n s e r Schulwesen in zunehmendem Maße
von dem Westdeutschlands. Denn die Erwartung, daß die westdeutschen Länder u n s e r e m Beispiel folgen werden, hat sich nicht erfüllt. Lediglich B r e m e n
hat Ostern dieses J a h r e s eine Schulreform eingeleitet, die allerdings nur
auf eine sechsjährige gemeinsame Grundschule abzielt.
Wenn auch das Schulwesen nach der Bonner Verfassung Angelegenheit
der Länder bleibt und daher auch in Zukunft einige Verschiedenheiten aufweisen wird, so dürfen diese doch nicht so weit gehen, daß die Freizügigkeit
dadurch e r s c h w e r t oder gar unterbunden wird. Berlin stand als Hauptstadt
i m m e r in einem regen Personenaustausch mit allen Teilen Deutschlands,
nicht nur durch die nach hier v e r s e t z t e n Beamten ^ n d die Familien, die
h i e r h e r kamen, fanden bei der Vielgestaltigkeit u n s e r e s Schulwesens auch
i m m e r Schulungsmöglichkeiten für alle ihre Kinder. E s wäre bedauerlich,
wenn durch die Vereinheitlichung des Schulwesens, die das Schulgesetz mit
sich bringt, solche Möglichkeiten in Zukunft ausgeschlossen wären. Das
ist aber bis zu einem gewissen Grade jetzt schon der Fall. Kinder, die aus
dem Westen nach Berlin kommen und drüben im 5. oder 6. Schuljahr ein
Gymnasium besucht haben, finden in den entsprechenden Klassen u n s e r e r
Einheitsschule keinen Anschluß. Denn diese treibt nicht Latein, sondern
Englisch als F r e m d s p r a c h e .
        
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