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Periodical volume Nr. 26, 15. September 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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freie Wettbewerb, i s t durch das Gesetz in keiner F o r m behindert.
V o r s t e h e r S U H R : Meine Damen und H e r r e n ! Gestatten Sie
m i r , daß ich den Gang der Beratungen für einen Augenblick u n t e r b r e c h e
und Ihnen folgende Mitteilung mache. Die dritte Sitzung des Deutschen
Bundestages i s t soeben beendet worden. Die Wahl des Bundeskanzlers hat
folgendes Stimmenergebnis gezeitigt. F ü r den Abgeordneten Adenauer sind
202 Stimmen abgegeben worden, 142 Stimmzettel dagegen, 44 Stimmenthaltungen; ein Stimmzettel war ungültig. H e r r Dr. Adenauer hat die Wahl
zum Bundeskanzler angenommen und wird am Montag sein Kabinett dem
Bundestag vorstellen. Meine Damen und H e r r e n ! Ich glaube, daß wir ohne
Unterschied der P a r t e i e n t r o t z der Schärfe des Wahlkampfes dem e r s t e n
deutschen Bundeskanzler u n s e r e Glückwünsche a u s s p r e c h e n sollten. Wir
e r i n n e r n uns in diesem Augenblick wohl alle der Ausführungen, die H e r r
Dr. Adenauer als P r ä s i d e n t des P a r l a m e n t a r i s c h e n Rats am 12. Mai an
dieser Stelle gemacht hat. Damals hat H e r r P r ä s i d e n t Adenauer die Blicke
nicht nur r ü c k w ä r t s gewandt, sondern bewußt betont, daß er auch seine Gedanken auf die Zukunft lenke. Er hat an meine Worte angeknüpft, daß wir
Abgeordnete des P a r l a m e n t a r i s c h e n Rats uns niemals als Gäste in Bonn
gefühlt hätten. H e r r Dr. Adenauer antwortete:
Ich kann Ihnen nur sagen, daß wir die Berliner vom e r s t e n
Augenblick der Zusammenarbeit an als vollberechtigte Kollegen und a l s liebe Freunde angesehen haben. So war es, und
so wird es bleiben. Sie, die H e r r e n aus Berlin, werden i n s besondere auch bei der weiteren Arbeit im Westen die gleichberechtigten Kollegen und - was noch m e h r i s t - die lieben
F r e u n d e und Landsleute sein und bleiben.
Ich darf anknüpfend an diese Worte des heutigen Bundeskanzlers Adenauer
den Wunsch und die Hoffnung aussprechen, daß es seiner Regierungsleitung
vergönnt sein möge, solche Zeichen der Verbundenheit der Bundesrepublik
Deutschland mit Berlin auch in die Tat umzusetzen.
(Lebhafter Beifall. )
Meine Damen und H e r r e n ! Wir fahren nunmehr in der Beratung fort.
Das Wort hat der H e r r Stadtverordnete Dr. Tiburtius.
Stadtv. Dr. T I B U R T I U S (CDU) : Meine Damen und H e r r e n !
Der H e r r Kollege Markewitz hat in der Tat die richtigen grundsätzlichen
Bedenken vorgetragen, mit denen wir uns ernsthaft auseinanderzusetzen
haben, ehe wir dieses Gesetz verabschieden. E r wolle es m i r in der bei
ihm vorauszusetzenden freundlichen Stimmung und Laune nicht verübeln,
wenn ich m i r folgendes zu sagen gestatte. Wenn Sie den Marquis P o s a so
ein bißchen wie einen Engländer den König von Spanien als Sir anreden l a s sen, so sind Sie insofern auf einem ganz richtigen Wege, als d i e s e r Gegensatz zwischen Sir und Sire, wie ich finde, so ungefähr in der Mitte .zwischen
        
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