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Periodical volume Nr. 26, 15. September 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Meine Fraktion ist daher nicht in der Lage, dieser Vorlage zuzustimmen, weil es sich nicht um eine wirkliche Gewerb'efreiheit handelt.
Wir rufen dem Magistrat in Abwandlung eines Schillerwortes zu: S i r e ,
geben Sie Gewerbefreiheit! Dieses Gesetz heißt "Gesetz über die Gewerbefreiheit".
(Beifall bei der

FDP.)
i

Stadtrat K L I N G E L H Ö F E R : Meine sehr v e r e h r t e n Damen
und H e r r e n ! Der Magistrat hat von den Änderungsvorschlägen, die der
Ausschuß gemacht hat, Kenntnis genommen, und ich kaiin e r k l ä r e n , daß
wir keine Bedenken gegen diese Änderungsvorschläge haben. Ein Vorschlag
scheint uns b e s o n d e r s wichtig und notwendig zu sein. Das ist der Vorschlag,
in § 14 eine währungspolitische Übergangsbestimmung zu schaffen, die dem
Magistrat, der Abteilung Wirtschaft die Vollmacht gibt, gegenüber den Ant r a g s t e l l e r n aus einem anderen Währungsgebiet, solange wir eine einheitliche Währung in Berlin nicht haben, eine Entscheidung zu treffen.
Ich hätte aber das Wort nicht ergriffen, wenn es pnir nicht notwendig
e r s c h i e n e , gegenüber den Ausführungen des H e r r n Stadtverordneten M a r k e witz einige Richtigstellungen vorzunehmen. E s tut einem ein bißchen weh,
wenn man sieht, daß der H e r r Stadtverordnete Markewitz zwar e r k l ä r t , e r
möchte den Grundsätzen eigentlich zustimmen, aber, weil eben zwei Seelen •
in seiner Brust sind, doch dem Gesetz die Zustimmung v e r s a g t . E s ist etwas
merkwürdig, von dem H e r r n Stadtverordneten Markewitz zu hören, man
hätte es doch so einfach gehabt, man hätte nur den Zustand von 1932 durch
eine gesetzgeberische Deklaration zum Ausgangspunkt zu machen brauchen,
um eine Grundlage zu haben, auf der ein b e s o n d e r e s Gesetz gar nicht m e h r
notwendig gewesen w ä r e . Im gleichen Atemzuge meinte nun der H e r r Stadtv e r o r d n e t e Markewitz, der große Befähigungsnachweis sei ohnehin gesichert.
Ja, dieser große Befähigungsnachweis trägt das Datum von 1935. Es geht
ja nicht gut, es so zu machen und den Grundsatz des großen Befähigungsnachw e i s e s außerdem noch, weil zufällig in diesem Punkte u n s e r Kollege H e r r
Markewitz Sympathien empfindet, in dieser Weise zu r e a l i s i e r e n . Aber H e r r
Markewitz i r r t sich. E r i r r t sich vor allen Dingen in einem Punkt, nämlich
darin, daß der Behörde in d i e s e m Gesetz irgendein E r m e s s e n ü b e r l a s s e n sei.
§ 1 des Gesetzes lautet:
Zum Betrieb eines Gewerbes i m Gebiet von G r o ß - B e r l i n
ist jedermann nach Maßgabe dieses Gesetzes zuzulassen.
Das i s t eine absolut bindende, eine von keiner Behörde zu umgehende Vorschrift. Jede Behörde i s t angewiesen, einem Antrage zu entsprechen. Wenn
hierfür Voraussetzungen gegeben werden, dann wollen wir uns doch daran
erinnern, daß Gewerbefreiheit nie, seit wir sie kennen, Selbstzweck gewesen
ist. Die Gewerbefreiheit soll eine offene Marktwirtschaft, Wirtschaftsfreiheit sichern, und in dieser Marktwirtschaft, in d i e s e r Wirt Schaftsfreiheit
soll sie den Wettbewerb, die F r e i h e i t des Wettbewerbs sichern. Wenn der
Behörde die Pflicht auferlegt ist, zuzulassen, falls die Voraussetzungen g e geben sind, wenn an die Registrierung die Voraussetzung der persönlichen
Sachkunde und der persönlichen Ehrenhaftigkeit gebunden ist, wenn es
        
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