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Periodical volume Nr. 26, 15. September 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Seiten der F D P wurde i m Ausschuß angeregt, man möge diesen T e r m i n
auf den 31. März 1950 verkürzen. Die Mehrheit des A u s s c h u s s e s hat sich
auf den Standpunkt gestellt, daß es richtiger wäre, in dieses Gesetz überhaupt keine Befristung aufzunehmen, weil die Befristung eines Gesetzes
logischerweise nur dann in Betracht kommen sollte, wenn die Materie, die
durch das Gesetz geregelt wird, i h r e r Natur nach vorübergehender A r t ist.
Das kann man nun bei einem Gesetz über Gewerbefreiheit b e s t i m m t nicht
sagen, sondern die Gewerbefreiheit ist etwas, was dauernd bestehen soll.
Die Mehrheit war deshalb der Meinung, daß man bei diesem Gesetz eine
Befristung nicht aufnehmen sollte, zumal ja gar nichts i m Wege steht, j e derzeit, und zwar viel früher als am 31. Dezember 1950, wenn sich das a l s
notwendig e r w e i s e n sollte, eine Änderung des Gesetzes herbeizuführen. Wenn
m a n a b e r bei einem d e r a r t i g e n Gesetz - so meinte die Mehrheit des A u s s c h u s s e s - eine F r i s t , und zwar eine nahe F r i s t b e s t i m m t , so wird ja die Unruhe,
die durch ein solches Gesetz natürlich in die betroffenen K r e i s e hineinkommt,
zu einem Dauerzustand, den zu unterstützen jedenfalls nicht gerade empfehlenswert ist. Die Mehrheit hat sich daher dafür ausgesprochen, den § 17
der Vorlage überhaupt zu streichen.
Bei der Gesamtabstimmung ist das Gesetz dann mit allen Stimmen
bei d r e i Stimmenthaltungen der FDP angenommen worden. Der Ausschuß
empfiehlt Ihnen, das Gesetz in d i e s e r F o r m anzunehmen.
Stellv. Vorst. F r a u Dr. M A X S E I N : Meine Damen und H e r r e n !
Wir t r e t e n in die Debatte über die Vorlage ein. Das Wort hat H e r r Stadtverordneter Markewitz.
Stadtv. M A R K E W I T Z (FDP) : Meine Damen und H e r r e n ! Der
H e r r B e r i c h t e r s t a t t e r hat zu Eingang seiner Ausführungen darauf hingewiesen, daß im Ausschuß bei den verschiedenen Punkten des uns vorliegenden
G e s e t z e s keine wesentlichen Abweichungen festgestellt werden konnten. Dies e r Hinweis bezieht sich lediglich auf die Haltung der Mehrheit des Ausschusraes.
(Sehr richtig! bei der F D P . )
F ü r die Minderheit i s t damit die Berichterstattung nicht erschöpft. Die F r e i e
Demokratische P a r t e i hat durch i h r e V e r t r e t e r festgestellt, daß sie in wesentlicher und grundsätzlicher Hinsicht der Vorlage ihre Zustimmung nicht g e ben kann, weil b e r e i t s die Überschrift des G e s e t z e s , das ein Gesetz über Gewerbefreiheit sein soll, nach u n s e r e r Auffassung sachlich unzutreffend ist.
Meine Damen und H e r r e n ! Die V e r t r e t e r meiner Fraktion haben b e r e i t s i m Ausschuß ausgeführt, daß auch wir keineswegs die Auffassung
v e r t r e t e n , es sollte nun eine absolute Gewerbefreiheit wie ein ungezügelter
S t r o m durch die Gegend brausen. Wir sind vielmehr der Meinung, daß
eine Stromregulierung notwendig ist. Wir sind weiter der Meinung, daß
überhaupt noch niemals in Deutschland eine ungehemmte und absolute Gewerbefreiheit bestanden hat.
        
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