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Periodical volume Nr. 26, 15. September 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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für deine persönlichen Verhältnisse v e r l o r e n gegangen ist, wird hier
ein für allemal aufgenommen, und dieser Nachweis gilt ein für allemal
als geführt. Wir wollen damit nicht nur die Verwaltungsarbeit e r l e i c h t e r n ,
sondern wir wollen i n s b e s o n d e r e den betroffenen P e r s o n e n ihr Leben
bei den behördlichen Gängen, die ja nicht i m m e r angenehm sind, e r l e i c h tern.
H e r r Kollege Dr. Ronge hat mit Recht darauf hingewiesen, daß als
Flüchtlinge nicht nur diejenigen P e r s o n e n anzusehen sind, die infolge der
Kriegsbeendigung aus dem Gebiet j e n s e i t s der Oder-Neiße-Linie v e r d r ä n g t
worden sind.-Meine Damen und H e r r e n , Flüchtlinge haben wir leider in
Deutschland auch sonst noch. Denken Sie an die dienstverpflichteten B e r g a r b e i t e r nach Aue, denken Sie an die P e r s o n e n , die aus dem Osten täglich
zu uns kommen, die ihre Heimat im Stich l a s s e n müssen. Auch diesen P e r sonen m ü s s e n wir, wenn sie Einwohner Berlins geworden sind, unbedingt
helfen. Wir helfen nicht ihnen allein, sondern wir helfen auch, u n s e r e V e r waltung zu vereinfachen, was sich mindestens auf dem Gebiete der Gelders p a r n i s auswirkt.
. Den Abänderungsantrag der F D P - F r a k t i o n verstehe ich, offen gesagt,
nicht ganz. H e r r Kollege Dr. Ronge sagte in der mündlichen Begründung,
a n S t e l l e des Wortes " O s t v e r t r i e b e n e "
(Stadtv. Dr. Ronge: Es heißt

"Flüchtlinge"!)

wollte er ein a n d e r e s Wort wählen. - " O s t v e r t r i e b e n e " steht gar nicht da.
- Nein, H e r r Kollege Dr. Ronge, das Wort "Flüchtlinge" ist schon ganz r i c h tig. Wir haben genade dieses Wort als Oberbegriff gefaßt, um das zu v e r w i r k
liehen, was Sie selbst vorhin zum Ausdruck gebracht haben, was Sie selbst
wollten. Das Wort "Flüchtlinge" ist der Oberbegriff, ganz gleich aus welchen
Gründen der Betroffene Flüchtling ist. Flüchtling ist ja nicht nur derjenige,
der z. B. aus dem Gebiet j e n s e i t s der Oder-Neiße-Linie verdrängt worden
ist, sondern auch derjenige, der heute aus Sachsen zu uns flüchten muß, ist
ein Flüchtling.
Ich empfehle Ihnen daher, es bei dem Wort "Flüchtlinge", der der
allumfassende und auch der neutralste Begriff ist, zu belassen. In der Sache
sind wir gar nicht auseinander. Wir wollen ja beide genau das gleiche. Wir
kämpfen nur um das Wort. Ich glaube aber, das Wort Flüchtling, welches
wir in dem Unterausschuß wohlerwogen haben, ist der umfassendste Begriff,
und darauf kommt es uns beiden ja an. Ich bitte Sie, noch einmal zu ü b e r l e gen, ob Sie Ihren Abänderungsantrag nach diesen Ausführungen aufrechterhalten.
Stadtv. Dr. R O N G E (FDP) : Meine Damen und H e r r e n ! E s ist
nicht unbezeichnend, daß ausgerechnet zwei J u r i s t e n sich über dieses Wort
in die Wolle kriegen müssen, und H e r r Kollege Ohning sagt ganz mit Recht;
wir sind uns in der Sache völlig einig. Jetzt sind wir so weit, wie man etwa
in einer Beratung der Zivilkammer w ä r e : wie formulieren wir die Sache
so, daß auch jeder weiß, was wir wirklich gemeint haben?
        
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