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Periodical volume Nr. 24, 14. August 1949, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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Nur dadurch wird es auch möglich, u n s e r e Wirtschaft in g e m e i n s a m e r Arbeit
mit Bundesparlament und Bundesregierung so zu regeln, daß sie dem g e s a m ten Volk zugute kommt.
Und ein D r i t t e s ! E s ist i m m e r wieder betont worden: Berlin wird
nach wie vor als die Hauptstadt Deutschlands anerkannt. Aber wir können
uns nicht damit abfinden, daß diese Anerkennung r e i n theoretisch bleibt. Die
Tat muß ihr folgen. Der Magistrat hat in dieser Woche einen Ausschuß eingesetzt, der die Möglichkeiten der Errichtung von Ministerien, Dienststellen
und Anstalten der deutschen Bundesrepublik in Berlin vorbereiten und fördern
soll. Sie haben gehört, daß b e r e i t s Verhandlungen stattgefunden haben, um
die S t a a t s d r u c k e r e i in den Dienst des Bundes zu stellen. Wir hoffen aber,
daß nicht nur, wie es b e r e i t s geschehen ist, maßgebende a l l i i e r t e K r e i s e dies e m Gedanken fördernd gegenüberstehen, sondern daß ebenso auch die Länder
Westdeutschlands und vor allen Dingen die Instanzen des Bundes uns dabei
helfen. Wenn in den letzten Tagen Beratungen u n s e r e s Stadtrats für Justizfragen mit maßgebenden Männern Westdeutschlands stattgefunden haben, wenn
morgen in Berlin die A r b e i t s m i n i s t e r Westdeutschlands mit u n s e r e r A r b e i t s verwaltung zusammentreten werden, so sind das Anfänge, von denen ich hoffe,
daß sie in der Zukunft die besten Folgen haben werden.
Berlin ist und bleibt die ReichshauptStadt Deutschlands. Nach und
nach m ü s s e n diese Bundesinstanzen nach Berlin kommen. Dabei ist es für
uns ganz selbstverständlich, daß der Bund nicht eine endgültige Lösung sein
kann, daß er nur den Anfang für den Aufbau und für die Sicherung demokratischen Lebens in Deutschland darstellen kann. Wir bejahen mit ganzem Herzen
den Gedanken der P r ä a m b e l des Grundgesetzes, daß es dem staatlichen Leben
für eine Übergangszeit eine neue Ordnung geben soll und daß der Teil des
deutschen Volkes, der dieses Grundgesetz beschlossen hat, auch für jene
Deutschen gehandelt hat, denen mitzuwirken untersagt war. Es m,uß das ganze
Deutschland erfaßt werden.
(Sehr richtig!)
Wenn das Grundgesetz das gesamte deutsche Volk auffordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und F r e i h e i t Deutschlands zu vollenden, so wissen
wir, daß heute für einen Teil des Volkes noch nicht diese Möglichkeit besteht.
Wir gedenken dieses Teiles des deutschen Volkes, der heute abseits stehen
muß, mit tiefer Sympathie und in der festen Zuversicht, daß die Zeit nicht
fern ist, in der wir wieder alle zusammenstehen.
(Lebhafter

Beifall.)

M a g i s t r a t und Bevölkerung Berlins werden zusammen mit den Bonner Delegierten daran arbeiten, daß der Tag nicht mehr fern ist, an dem das ganze
deutsche Volk der Aufforderung folgen kann, wieder ein einheitliches, auf
der Basis der Demokratie und der sozialen Gerechtigkeit stehendes Deutschland zu schaffen.
Dazu gehört - und das darf in diesem Augenblick nicht v e r g e s s e n w e r den - die F r e i l a s s u n g u n s e r e r Kriegsgefangenen. Ich fordere die Bundesversammlung von Bonn auf, sich dieser Aufgabe i m m e r wieder und unermüdlich
anzunehmen.
(Lebhafte Zustimmung.)
        
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