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Periodical volume Nr. 24, 14. August 1949, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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in elfmonatiger schwerer Zeit für Berlin, aber alles würde umsonst gebracht
sein an Opfern, wenn ihr uns jetzt nicht helft, Berlin Arbeit, Arbeit für alle
Arbeitswilligen und -fähigen zu geben.
(Lebhafte Zustimmung.)
Diese Arbeit aller Berliner Männer und Frauen, die uns ihre A r b e i t s kraft Tag für Tag anbieten, ist die Voraussetzung für unser ganzes soziales
Leben. Sie ist nicht nur die Voraussetzung für die Versorgung der heute A r beitslosen und i h r e r Familien, sondern sie i s t auch die Voraussetzung für die
Versorgung u n s e r e r Alten, u n s e r e r Kranken, u n s e r e r Arbeitsunfähigen. Wir
alle kennen den anormalen BevölkerungBaufbau, wir alle wissen, daß heute
die Arbeitsfähigen weit mehr arbeiten m ü s s e n als in normalen Zeiten, um den
großen P r o z e n t s a t z der Arbeitsunfähigen mit zu ernähren. Wir kennen die
Not, die eingezogen ist in die Reihen u n s e r e r alten Rentner und u n s e r e r A r beitsunfähigen durch die Schwierigkeiten, die durch die politischen Spannungen
der letzten J a h r e über sie gekommen sind. Diese Not aber i s t um so u n e r t r ä g licher, als sie heute vor gefüllten Läden stehen, deren Gaben für sie nicht da
sind.
Wir wissen, wir stehen kurz vor dem Anbruch eines neuen Winters.
Wir alle haben die Kälte des letzten Winters nicht v e r g e s s e n , und wenn wir
i m letzten Winter der Bevölkerung keine Kohle oder nur 25 Pfund Kohle p r o
Haushalt geben konnten, so ist das P r o b l e m heute nicht leichter, wo die Kohle
vorhanden ist, aber ein großer Teil der Bevölkerung sie nicht bezahlen kann.
Der Magistrat hat sich in seiner letzten Sitzung mit der Kohlehilfsaktion für
unser minderbemittelte Bevölkerung beschäftigt. Wir können diese Kohlehilfsaktion aber nur durchführen, wenn wir Arbeit haben und u n s e r e Wirtschaft in
Gang gebracht wird, wenn der Magistrat damit die Mittel erhält, um für die
notleidende Bevölkerung zu sorgen. Ich weiß, daß der Aufruf des M a g i s t r a t s ,
den ich im I n t e r e s s e der Wirtschaft und damit der Bevölkerung Westberlins
u n t e r s c h r i e b e n habe, in manchen Kreisen der Berliner Bevölkerung nicht v e r standen worden ist. Ich bin m i r bewußt - und es brauchte vielleicht nicht g e sagt zu werden -, daß es Teile der Westberliner Bevölkerung gibt, die diesem
Aufruf nicht nachkommen können, weil sie keine Westmark haben. Aber u n s e r
Appell richtete sich und richtet sich auch heute noch an alle diejenigen, die
W e s t m a r k verdienen und aus Egoismus diese Westmark nicht, wie es notwendig ist, i m I n t e r e s s e der Berliner Steuerzahler und i m I n t e r e s s e der Aufrechterhaltung u n s e r e s sozialen Lebens ausgeben.
Ich danke den Berliner Kommandanten dafür, daß sie für Kredite an
u n s e r e Wirtschaft eingetreten sind.
(Bravo!)
Ich hoffe, daß diese Kredite nicht m e h r allzu lange auf sich warten l a s s e n .
Aber ich weise darauf hin, daß in diese Kredite nicht u n s e r e Schlüsselwirtschaft, u n s e r e Bauwirtschaft eingeschlossen ist. Wenn wir es nicht dazu b r i n gen, daß die letzten Sommermonate für unseren Wohnungsbau ausgenutzt w e r den, so bedeutet das für alle diejenigen, die noch in unvollständigen Wohnungen
leben müssen, einen großen Schaden, bedeutet aber gleichzeitig eine nicht
wieder gutzumachende Schädigung u n s e r e r gesamten Wirtschaft und damit uns e r e r Berliner Bevölkerung.
        
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