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Periodical volume Nr. 24, 14. August 1949, Außerordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

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, Beginn der Sitzung 18 Uhr 15 Minuten.

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S t a d t v e r o r d n e t e n v o r s t e h e r S U H R : Meine Damen und H e r r e n !
Ich eröffne die 24. - Außerordentliche - Sitzung der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin,
Zum e r s t e n Mal tagt die Stadtverordnetenversammlung zu ungewohnter Stunde an einem Sonntag. Wenn die P r e s s e aus dieser Außerordentlichen
Sitzung eine festliche gemacht hat, so gibt sie damit der -Bedeutung d i e s e r
Stadtverordnetenversammlung Ausdruck. Es ist eine e r n s t e Feierstunde,
ein festlicher, verantwortungsvoller Akt, der uns heute hier v e r s a m m e l n
läßt, ein feierlicher Akt durch die Tagesordnung: Wahl der Abgeordneten
zum Bundestag der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 144 des Grundg e s e t z e s , aber auch ein e r n s t e r Akt durch den politischen Schatten, der für
die Berliner über dieser Stunde liegt.
Der Blumenschmuck gilt freilich heute nicht nur dieser F e i e r s t u n d e ,
sondern eine Blume gilt einem Stadtverordneten, dem Kandidaten zum Bundestag F r a n z Neumann, der heute seinen 45. Geburtstag feiert.
.

(Beifall.)

So entschiedene Worte der Vorsitzende der Sozialdemokratischen P a r t e i
h i e r i m Hause gefunden hat, so hat er doch häufig unter dem Beifall des
gesamten Hauses auch Worte gefunden, die ihm über die Grenzen der P a r tei hinaus als besonders geschicktem Sprecher für Berlin Anerkennung v e r schafft haben, und ich glaube, die Grenzen, die m i r als Stadtverordnetenv o r s t e h e r gesetzt sind, nicht zu überschreiten, wenn ich dem Wunsche des
ganzen Hauses Ausdruck verleihe, daß es H e r r n F r a n z Neumann vergönnt
sein möge, auch als Sprecher Berlins im Bundestag in seinem neuen L e b e n s j a h r zu wirken.
U n s e r e Gedanken gelten aber in dieser Stunde, in diesem Augenblick
b e s o n d e r s dem Westen, wo die Wahlhandlungen jetzt abgeschlossen werden.
Von dem Willen beseelt, seine nationale und staatliche Einheit zu wahren,
wie.es in der P r ä a m b e l des Grundgesetzes heißt, und als gleichberechtigtes
Glied in einem vereinten Europa dem F r i e d e n der Welt zu dienen, wählt
hier das deutsche Volk in elf Ländern seit 17 J a h r e n wieder zum e r s t e n Mal
ein deutsches P a r l a m e n t , aus dem nach v i e r J a h r e n schrecklicher, - ich
darf vielleicht sagen - k a i s e r l o s e r Zeit wieder eine deutsche Regierung h e r vorgehen soll. Wenn Schiller, den man wohl im Goethe-Jahr auch zitieren
darf, die Hochzeit als die schönste F e i e r des Lebens bezeichnet hat, so darf
der Wahltag wohl als der höchste F e i e r t a g i m politischen Leben gekennzeichnet sein, indem ein Volk seine politische Reife, ja seine politische Zeugungskraft erweisen soll.
Diese Wahl a m 14. August 1949, die nur verglichen werden kann mit
der Wahl vor 30 J a h r e n zur Nationalversammlung, ist die e r s t e einheitliche
        
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