Path:
Periodical volume Nr. 22, 21. Juli 1949, Ordentliche Sitzung

Full text: Stenographischer Bericht Issue 1949

22

53

Wir glauben, daß der F o r t s c h r i t t der Erkenntnis in wirtschaftspolitischen Dingen sich aber auch in der Verwaltung langsam b e m e r k b a r macht.
Wir begrüßen es, daß die H e r r e n B e z i r k s b ü r g e r m e i s t e r in ihren S p a r v o r schlägen in erfreulichem Umfang sich Dinge zu eigen gemacht haben, die
die F D P hier sehr zum Mißfallen der Mehrheit des Hauses i m letzten halben
J a h r e zur Debatte gestellt hat.
(Stadtv. Neumann:

Beispielsweise?)

- Beispielsweise F r a g e n der Fahrbereitschaften, der P r e i s ä m t e r , des Kommunalhandels und dergleichen mehr.
(Lachen bei der

SPD.)

Als wir damals diese Dinge hier zur Sprache brachten, H e r r Kollege Neumann,
da schall uns häufig - ich glaube, auch aus I h r e m Munde - das Wort entgegen,
es handele sich um Agitation. Ich möchte nicht annehmen, daß die H e r r e n
B e z i r k s b ü r g e r m e i s t e r eine Agitation treiben. Ich möchte vielmehr annehmen,
daß das nur beweist, daß das, was als Agitation der F r e i e n Demokratischen
P a r t e i bezeichnet worden ist, konstruktive Kritik war, die nunmehr i h r e
F r ü c h t e zu tragen beginnt.
(Sehr richtig! bei der F D P . )
Wir glauben auch, daß hinsichtlich der städtischen Betriebe gewisse E r k e n n t n i s s e zu verzeichnen sind, die aber doch noch durchaus entwicklungsfähig
sein sollten. E s ist unbedingt notwendig, daß bei den städtischen Betrieben
einmal die ganze Investitionspolitik, die AbschreLbungs- und Rücklagenpolitik
eindeutig und ohne die in den letzten Etatsberatungen übliche Hast durchleuchtet
wird. E s ist ein Unding, wenn ein Betrieb wie die BVG kaum oder, ich möchte
sagen, lächerliche Überschüsse abzuliefern sich b e r e i t e r k l ä r t , aber Millionen
Abschreibungen und Rücklagen in i h r e m Wirtschaftsplan aufstellt, der dann
den Hauptausschußmitgliedern am Tage der Beratung auf den Tisch geknallt
wird, so daß eine wirklich fundierte und sorgfältige Bilanzkritik nicht möglich
ist. Ich glaube, daß hier noch R e s e r v e n liegen, die durchaus gehoben werden
können. Die Aufwendigkeit, mit der in manchen Betrieben, die der Stadt sehr
nahe stehen, noch gearbeitet wird, ist i m J a h r e 1949 nicht mehr v e r t r e t b a r .
Solche Wirtschaftspläne, wie wir sie z. B. von der BVG in den letzten Tagen
gesehen haben, konnte man 1929 vorlegen, aber nicht heute.
Wir sind weiter der Auffassung, daß der Antrag, den der Kollege
Landsberg hier gestellt hat, Gebühren- und Steuererhöhungen e r s t näherzutreten, wenn die entsprechenden Abschreibungs^ und Rücklagenberichtigungen
in Bilanzen vorgenommen sind, durchaus a m P l a t z e ist; der Antrag findet
u n s e r e volle Zustimmung. Wir haben a l s Fraktion der F r e i e n Demokratischen
P a r t e i mit dieser Begründung und aus diesem Grunde ganz lebhaft und e r n s t haft schon bei der Erhöhung der Müllabfuhrgebühren u n s e r e Kritik zum T r a gen gebracht.
Ich glaube auch, daß man die Flucht in die Sachwerte, die die O s t m a r k
in Grundstücke verwandelte, dann, wenn die Not am größten ist, auch dazu
verwenden sollte, einmal zu gegebener Zeit als e i s e r n e R e s e r v e zu lockern.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.